«Energie sparendes Wohnen muss noch mehr als ein Trend werden»

In Zukunft müssen wir deutlich energieeffizienter leben als bisher. Im Baubereich ist diese Entwicklung schon angekommen. Warum es aber noch weitere Entwicklungen braucht und wie Einsparpotenziale besser genutzt werden können, erklärt Dr. Susanne Kytzia von der HSR Hochschule für Technik Rapperswil. 

Energiesparen muss mehr als ein Trend werden
Der Trend des Energiesparens müsse sich dauerhaft festigen und in Zukunft noch mehr Menschen erreichen, meint Dr. Kytzia. Foto: © Guido Vrola / iStock / Thinkstock
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Frau Kytzia, seit Jahren bemühen sich Projekte wie die 2000 Watt-Gesellschaft, aber auch der Bund, erfolgreich für mehr Energieeffizienz im Baubereich. Trotzdem verbrauchen wir heute insgesamt nicht weniger Energie. Wie kommt das?

Wenn man sich den hohen Energieverbrauch ansieht, liegt das hauptsächlich an anderen Bereichen wie der Mobilität. Da hat sich in den letzten 15 Jahren praktisch nichts getan. Ein immer grösserer Teil unseres Energieverbrauchs wird ausserdem von der grauen Energie beansprucht. Das heisst für die Produktion der Güter, die wir kaufen. Und dieser Teil bleibt in etwa gleich, oder steigt sogar noch weiter an.

Warum geht es beim Bau so viel besser voran als in den anderen für den Energieverbrauch wichtigen Lebensbereichen?

Einerseits hat man den Technologie-Sprung schon geschafft. Man weiss also schon wie man energieeffizient bauen kann und es gibt bereits gute Aus- und Weiterbildungsprogramme in dem Bereich. Zudem gibt es entsprechende Bauvorschriften, die energieeffizientes Bauen sicherstellen. Alles zusammen schafft einen sehr stabilen Trend.

 

Wie kann man den Erfolg im Baubereich auf die anderen Bereiche des Lebens übertragen?

Eine gute Möglichkeit ist der SIA-Effizienzpfad. Damit setzt man sich für mehrere Bereiche, wie Elektrizität, graue Energie und Mobilität ein Gesamtziel für den Energieverbrauch. Wer dann etwa in der Mobilität nicht so viel sparen möchte, kann das beim Heizen kompensieren oder umgekehrt. Das ist ein sinnvollerer Weg als für jeden Bereich ein einzelnes Ziel zu setzen.

Energiesparen muss mehr als ein Trend werden

Dr. Susanne Kytzia von der HSR Hochschule für Technik Rapperswil. Foto: Privat

Neubauten in der Schweiz sind zum grössten Teil bereits sehr energieeffizient. Wo liegt aber im Gebäudebereich noch ungenutztes Potenzial?

Bei der energetischen Sanierung des bestehenden Gebäudebestands. Das heisst Dämmen und Energiesysteme wechseln. Dort wäre bis 2050 eine noch Halbierung des Energieverbrauchs möglich, ohne dass man sich grossartig nach der Decke strecken muss.

Wie viel kann ein Hausbesitzer durch eine energetische Sanierung an Energie einsparen?

In der Regel wird man durch eine energetische Sanierung auf eine Reduktion von etwa einem Drittel des Energiebedarfs kommen. Die meisten Häuser im Gebäudebestand sind energetisch sehr schlecht, darum lässt sich dadurch auch viel einsparen. Trotzdem wird noch zu selten saniert.

Also lohnt sich eine Sanierung auch finanziell, da die Kosten sich durch die Einsparungen in einigen Jahren amortisieren. Warum wird dann noch nicht häufiger energetisch saniert?

Beim Neubau ist der Bewilligungsprozess einfacher und bisher war bei Sanierungen der Druck auch noch nicht so hoch. Inzwischen haben wir aber einen Punkt erreicht, an dem viele Gebäude sowieso saniert werden müssen. Und wenn man dann energetisch saniert, kann man deutlich teurer vermieten oder verkaufen. Der Druck zu energetischen Massnahmen in der Sanierung wird deshalb schnell steigen.

Neben dem energetischen Konzept muss man sich aber auch energieeffizient verhalten. Wie kann man das erreichen?

Das braucht eine hohe, persönliche Motivation. Man muss das gerne machen und an seine Kollegen weitergeben. Aber im Grunde ist das auch gar nicht so schwierig, denn es ist etwas Schönes. Damit wir den Weg schaffen, muss Energie sparen mehr als ein Trend werden.
 

Interview: Bianca Sellnow