Haus aus Lehm: Natürlich-vielseitiger Baustoff erlebt Renaissance

Holz, Stein oder Lehm waren schon immer bevorzugte, sehr zuverlässige Baustoffe, die aber heute von Ziegel und Beton verdrängt wurden. Das Haus aus Lehm, oft in Verbindung mit Holz, gewinnt inzwischen aber wieder an Bedeutung. Denn Lehm hat als Baustoff viele Vorteile. Nicht nur aus ökologischer Sicht.

Haus aus Lehm: Paradebeispiel für ökologisches Bauen
Das Haus aus Lehm, hier ein Einfamilienhaus in Ossingen, bei dem der Zürcher Architekt Reto Brawand den Baustoff mit Holz kombinierte, bietet seinen Bewohnern viele Vorteile. Ökologisch wie ökonomisch. © Foto: Reto Brawand
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Das gute alte Fachwerkhaus, gigantische Bauten in der afrikanischen Wüste, die selbst bei hohen Temperaturen herrlich kühle Innenräume bieten, selbst die chinesische Mauer wurde zum grossen Teil aus Lehm gebaut. Und sie steht noch heute. Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheitsgeschichte.

Spätestens mit der aufkommenden Industrialisierung wurde der Baustoff Lehm jedoch als umständlich angesehen. Energie war nun genügend vorhanden, woraufhin massenhaft Ziegel gebrannt wurden und alsbald der energieintensive Baustoff Beton zum Baustoff erster Wahl wurde. Erst in den Nachkriegsjahren, so der Schweizer Fachverband IG Lehm, wurde der Baustoffe aus der Not heraus für kurze Zeit wiederentdeckt.

Lehm ist vielseitig und regional verfügbar

Ein Haus aus Lehm zu bauen ist in vielerlei Hinsicht nachhaltig und eine perfekte Möglichkeit, um ökologisch zu bauen. «Öko» ist ein Lehmhaus aus vielerlei Gründen. So zum Beispiel durch die Tatsache, dass Lehm hoch atmungsaktiv ist, sehr gut Feuchtigkeit speichern kann und diese völlig unproblematisch wieder abgibt.

Weiterhin ist der Baustoff an vielen Orten ganz natürlich vorhanden, muss dadurch in vielen Fällen keine langen Wege zurücklegen. Somit ist er kein weitgereister Baustoff, bei dem um den ökologischen Fussabdruck lange diskutiert werden muss. Und ist der Lehm direkt vor Ort nicht ganz so ideal, dann findet sich ein passender in unmittelbarer Nähe.

Ideale Dämmung und Energieeffizienz durch Lehm

Wenn der Besitzer eines konventionellen Hauses nach einem harten Winter wegen der hohen Stromrechnung die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sich im Sommer wie im Backofen fühlt, dann reibt sich der Lehmhausbesitzer die wohlig warmen Hände und behält einen kühlen Kopf. Denn ein Lehmbau besitzt beste Isolationswerte, im Sommer wie im Winter. Auch in Sachen Schalldämmung leistet ein Haus aus Lehm gute Dienste, nicht unwichtig in Zeiten von stetig steigender Lärmverschmutzung.

Haus aus Lehm: Paradebeispiel für ökologisches Bauen

Die Wände aus Lehm können mittels Pigmenten viele Farbtöne annehmen. Nette Nebeneffekte: Nie mehr streichen oder tapezieren und ein tolles Raumklima. © Foto: Reto Brawand

Zurück zu Ziegel und Beton, so spricht ein weiterer Vorteil für das Haus aus Lehm. Denn das Bauen mit Lehm benötigt lediglich ein Prozent der Energie, die nötig ist, um ein Haus aus Ziegeln oder Beton herzustellen. Und nach dem Ende seiner Lebenszeit, ist das Haus aus Lehm völlig unproblematisch zu entsorgen. Ein Umstand, der für ein konventionelles Haus, noch dazu mit Kunststoffdämmung, so gar nicht zutrifft und uns in Zukunft noch vor so manches Problem stellen wird.

Haus aus Lehm: So wird es gebaut

Das Haus aus Lehm gibt es in verschiedenen Varianten. So kann Lehm, vermischt mit Stroh und Wasser, schichtweise zu einer Wand aufgetragen werden. Entsprechend dimensioniert, kann diese Wellerlehmwand genannte Lehmbauweise auch statischen Ansprüchen genügen. Eine sehr gängige Bauweise ist eine Holzrahmenkonstruktion, die mit Lehmsteinen aufgefüllt wird. Diese Konstruktion gibt es sogar in Fertigbauweise und zum Selbstbau.

Haus aus Lehm: Paradebeispiel für ökologisches Bauen

Dieses amerikanische Lehmhaus wird Cob-Haus genannt. Es besteht aus einer geschichteten Wellerlehmwand wie sie etwa bei englischen Cottages verwendet wurde. © Foto: Cobworks

Eine weitere, sehr gängige Weise ein Haus aus Lehm zu bauen, ist die Verbindung einer hölzernen Aussenhülle. Auf diese werden dann mehrere Lagen Lehmputz aufgetragen, der sogar mit den entsprechenden, rein natürlichen Pigmenten farbig gestaltet werden kann. Und für ein einmaliges Wohlfühlklima sorgt.

Bei einigen Anbietern kann der zukünftige Hausbesitzer übrigens mehr oder weniger viel Eigenleistung beisteuern, was das Bauen mit Lehm letztlich auch finanziell sehr attraktiv macht. Schweizer Architekten und Baufirmen für ein Haus aus Lehm listet die IG Lehm hier auf.

Lehmhäuser sind sehr langlebig und so manches, Jahrhunderte alte englische Cottage wurde ebenfalls aus Lehm errichtet. Dem Lehmhaus-Trend und der alten Bauweise folgend, meist nach dem Prinzip der Wellerlehmwand errichtet, gibt es derzeit besonders im Anglo-Amerikanischen. Dort veranstalten Fachleute Workshops, in denen der Interessent lernt, sein eigenes Haus aus Lehm zu bauen. Diese werden im Englischen «Cob»-Häuser genannt. Oft werden hierbei auch Recyclingmaterialien verbaut. Beispiele aus den USA gibt es hier.

Wie vielfältig, fast märchenhaft diese Cobhäuser sind, zeigt dieses bei You Tube sehr beliebte Video:

Quellen: IG Lehm, www.Cobworks.com, Biolehmbau, www.Reto-Brawand.ch, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann