Zusammenschluss zum Eigenverbrauch: Vom ZEV optimal profitieren

Mit dem ZEV, Zusammenschluss zum Eigenverbrauch, fördern und nutzen Sie Ökostrom besser und reduzieren Ihre Stromkosten. Wie das funktioniert und praktische Tipps.

Zusammenschluss zum Eigenverbrauch: Vom ZEV optimal profitieren
Foto: © vchal/ iStock / Getty Images Plus
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Immer mehr Hausbesitzer produzieren mittels Solaranlage Strom auf dem eigenen Dach. Nur: In vielen Fällen produziert die Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus viel mehr Strom, als die Besitzer brauchen. Der Überschuss wird ins öffentliche Netz eingespeist.

Viel Strom verpufft

Energieversorger sind jedoch per Gesetz verpflichtet, diesen Überschuss an Ökostrom abzunehmen. Der Haken: Die Betriebe müssen in der Schweiz per Gesetz lediglich den landesüblichen Einkaufspreis zahlen, der gemäss Art. 15 der Energieförderungsverordnung (EnFV) bei 5 bis 9 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) liegt.

Den Strom, den Mieter oder Besitzer trotz vorhandener Photovoltaikanlage vor oder nach Sonnenuntergang und an trüben Wintertagen benötigen, kaufen sie indes wieder teuer ein. Alles andere als optimal.

Die Idee hinter dem ZEV

Die optimierte Gesetzesinitiative, die sich Zusammenschluss zum Eigenverbrauch nennt – vormals die weniger effektive Eigenverbrauchsgemeinschaft, EVG – ändert dies. Denn nun können sich Verbraucher und Anlagenbesitzer zu einer Gemeinschaft zusammenschliessen und den Ökostrom vom eigenen Dach oder den von benachbarten Hausdächern gemeinsam uneingeschränkt nutzen. So wird viel weniger Strom ins Netz gespeist und so viele Verbraucher wie möglich profitieren von dem hausgemachten, günstigeren Ökostrom.

So funktioniert ZEV

Es ist denkbar einfach. Der Strom wird mittels Solaranlage auf dem Dach produziert und von Mietern oder Besitzern im Mehrfamilienhaus verbraucht. Hier spricht man vom sogenannten Direktstrom. Gibt die Solaranlage auf dem Dach mehr Strom her, kann die Gemeinschaft auf Bewohner in Nachbargebäuden erweitert werden. So könnten ganze Quartiere einen Grossteil des Stromkuchens umweltfreundlich für sich nutzen. In diesem Fall spricht man vom Zusammenschluss zum Eigenverbrauch.

Sollte dennoch mehr Strom vorhanden sein als benötigt, dann wird der Stromüberschuss, wie bis anhin, in das öffentliche Netz eingespeist. Nur eben weitaus weniger als die bisher satten 70 - 80 Prozent.

Dank ZEV Stromüberschuss clever nutzen

Im Haus oder im Nachbarsgebäude wohnen vielleicht Rentner oder Familien mit Kindern, die tagsüber auf den Strom zugreifen können. Durch solche und andere Konstellationen wird in der Gemeinschaft deutlich mehr Eigenstrom genutzt als ohne gemeinschaftliche Nutzung.

Eine ZEV kann noch mehr externe Stromkosten sparen, indem das oder die Häuser mittels Wärmepumpe beheizt werden. Diese wird dann mit Eigenstrom gespeist. Auf diese Weise optimiert man den Verbrauch des Eigenstroms. Denn eine Wärmepumpe ist letztlich auch ein Stromspeicher.

Sollte dennoch mehr Strom nötig sein als die Anlage produziert, dann wird dieser Reststrom wie bisher vom Energieversorger geliefert.

Zwei Voraussetzungen für den Zusammenschluss

Voraussetzung für den ZEV: Es muss vorab eine Gemeinschaft gegründet werden, die einen zu bestimmenden Ansprechpartner hat. Die Strommessung des Energieversorgers innerhalb der Eigenverbrauchsgemeinschaft entfällt.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass in Bestandsimmobilien Mieter oder Stockwerkeigentümer dem Zusammenschluss zustimmen. Bei Neubauprojekten können die künftigen Besitzer oder Mieter verpflichtet werden. Doch: Da der Strom innerhalb der ZEV kostengünstiger, dennoch profitabel für den Anlagenbesitzer angeboten wird, spricht alles dafür, dass man in eine Ökostrom-Gemeinschaft eintritt. Jeder spart letztlich beim Zusammenschluss zum Eigenverbrauch.

Preisgestaltung beim ZEV

In Art. 16 der Schweizer Energieverordnung (EnV) ist klar festgelegt, was innerhalb der ZEV die Kilowattstunde Eigenstrom kosten darf. Für deren Berechnung werden die jährlichen Kosten für die Investition der Anlage – abzüglich staatlichen Zuschuss –, die Betriebskosten und der Erlös aus der Einspeisung von überschüssigem Strom zusammengerechnet. Diese Kosten werden in Relation zum Gesamtertrag der Anlage auf die Kilowattstunde umgerechnet. Swissolar rechnet im Leitfaden für den Eigenverbrauch an einer Beispielanlage mit 15 R./kWh. Je nach Anlage und Effizienz kann der Preis für die Kilowattstunde Eigenstrom noch etwas günstiger ausfallen. Gemäss obigem Gesetzesartikel darf der Eigenstrom nicht teurer sein als ein externes Stromprodukt. Zumal die Netzentgelte ebenfalls günstiger sind.

Ergo: Der Strom im Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ist immer günstiger als jener vom Energieversorger. Noch dazu definitiv «Öko».

ZEV lohnt sich für Betreiber der Anlage

Swissolar hat eine Beispielrechnung erstellt, die zeigt, dass sich der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch sowohl für den Betreiber, als auch den organisierten Stromkunden lohnt. In ihrem Beispiel rechnen sie wie folgt:

Angenommen, es werden drei neue Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 15 Wohnungen im Stockwerkeigentum gebaut. Die drei Häuser erhalten jeweils eine Photovoltaikanlage mit 35 Kilowattstunden Leistung, was einer Anlagengrösse von 230 Quadratmetern entspricht. Diese Anlagen kosten zusammen etwa 60'000 Franken, abzüglich des einmaligen Förderbeitrags von 14'900 Franken. Solch eine Anlage liefert in der Schweiz etwa 33'000 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr.

Idealerweise werden die Häuser mit einer Wärmepumpe beheizt. Zudem sind weitere Fördermöglichkeiten, gemäss Harmonisiertem Förderprogramm der Schweiz möglich.

Laut der Modellrechnung werden bei diesen Anlagen mit Wärmepumpennutzung 20'000 Kilowattstunden weniger Strom vom Stromlieferanten zugekauft und im Jahresmittel etwa 60 Prozent des selbst erzeugten Stroms genutzt. Inklusive aller Kosten erhält der Besitzer für seine Investition über 25 Jahre attraktive zwei Prozent Rendite.

Wird ein entsprechender Stromspeicher installiert, dann kann die Eigennutzung der auf dem Dach installierten Anlage auf bis zu 80 Prozent steigen.  Auch hier winken je nach Kanton Fördergelder.

Weitere Nebeneffekte

  • Die Wertsteigerung einer Immobilie durch die gebäudeeigene Energieversorgung
  • Insgesamt attraktivere Liegenschaften
  • Eine gesteigerte Mieterbindung

Unter Quick-Check können an einer ZEV Interessierte einen kostenlosen Machbarkeitscheck durchführen.

Fazit: Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch lohnt sich. Für Betreiber, für die beziehenden Ökostromkunden und selbstredend auch für die Umwelt.

Weiterführende Informationen & Fachleute

Zahlreiche Anlaufstellen informieren Sie über den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Beispiele sind: Energiezukunftschweiz.ch oder IWB.ch und unter Solarprofis.ch finden Sie Schweizer Fachleute für Ihre Photovoltaikanlage und alle Massnahmen für die ZEV.

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