So viel graue Energie steckt in Schoggi, Autos & Co.

Graue Energie macht einen Grossteil des CO2-Ausstosses und damit der Ökobilanz von Produkten und Lebensmitteln aus. Doch was ist graue Energie und wie können wir sie einsparen?

Graue Energie einfach erklärt und Spartipps
Die graue Energie, die in allen Produkten steckt, geht oft vergessen, doch sie ist für Klima und Umwelt enorm wichtig. Foto © Eoneren/ iStock / Getty Images Plus
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Ob wir etwas essen, mit dem Handy zu Hause anrufen oder mit dem Auto in die Ferien fahren: All diese Dinge – Nahrungsmittel, Handy, Auto – brauchen für die Herstellung, Lagerung, Transport und allenfalls für die Entsorgung oder das Recycling Energie. Das schlägt teils ziemlich stark auf die CO2-Bilanz dieser Güter.

Das Wichtigste in Kürze

Energie brauchen wir nicht nur, wenn wir das Licht einschalten oder die Wäsche waschen. Energie braucht es auch für die Herstellung eines jeden Produkts, für seinen Transport, die Lagerung, den Verkauf und schliesslich für die Entsorgung. Diese Energieform nennt man graue Energie. Sie lässt sich für nahezu jedes Produkt von der Jeans über das Auto bis zu einzelnen Lebensmitteln berechnen. Ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt verbraucht zwei Drittel seiner Energie in Form von grauer Energie. Mit einigen einfachen Tipps lässt sich viel davon sparen, womit letztlich Ressourcen und Umwelt geschont werden.

Graue Energie bezeichnet die gesamte Energie, die ein Produkt, wie etwa ein Fahrzeug oder ein Tisch, benötigt: für die Gewinnung der Rohstoffe für das jeweilige Produkt, für seine Herstellung, seinen Transport, die Lagerung, den Verkauf und die Entsorgung oder das Recycling dieses Produkts.

Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Bei der grauen Energie zählt man auch jene Energie dazu, die für die Verpackung eines Produkts oder für die Produktion der Maschinen, die wiederum ein Produkt herstellen, benötigt wird. Je nach Konsumgut kann der Energieverbrauch durch solche Details massiv steigen, was wiederum auf seine Ökobilanz schlägt.

Eine einfache Definition lautet: Graue Energie ist die indirekte Energie, die benötigt wird, indem ein Konsumgut gekauft wird, ohne den direkten Energieverbrauch bei dessen Benutzung.

Damit wir uns vorstellen können, wie viel graue Energie in einem Produkt steckt, kann man sich eine ganz einfache Faustregel merken: Für jeden Franken der in der Schweiz für ein Produkt ausgegeben wird – egal ob Lebensmittel wie Fleisch, ein E-Auto oder das Handy –, muss man ein kleines Glas Erdöl berechnen oder einmal die Abwaschmaschine laufen lassen, wie das Portal Energie-Umwelt vorrechnet.

Graue Energie und das CO2

Je mehr graue Energie ein Produkt benötigt, desto grösser sind die Auswirkungen auf die Umwelt, den dieser Energieverbrauch verursacht Treibhausgase wie etwa CO2. Das ist auch der Fall, wenn der Strom aus erneuerbarer Energie besteht, denn der Bau und Unterhalt eines Wasserkraftwerks, einer Solaranlage oder eines Windrads braucht ebenfalls Energie, die zumindest bis heute aus fossilen Treib- und Brennstoffen gewonnen wird.

Deshalb wird graue Energie in sogenannte CO2-Äquivalente umgerechnet. Dadurch lassen sich die Auswirkungen auf unsere Umwelt und das Klima besser darstellen und werden vergleichbar.

Auto - Aludosen - Schoggi

Es gibt gängige Beispiele, wie viel graue Energie verschiedene Produkte verbrauchen. Sie verdeutlichen, wie hoch der Energieaufwand für einzelne Produkte ist.

Die graue Energie, die zum Beispiel ein Kilo Schokolade benötigt, ist mit 2,5 Kilowattstunden (kWh) noch relativ gering. Zwei Aluminiumdosen verbrauchen mit 10 kWh bereits viermal mehr, wobei die 10 kWh dem durchschnittlichen Tagesbedarf an Strom eines Vierpersonenhaushalts entsprechen. Ein Auto braucht im Schnitt so viel Energie wie ein durchschnittlicher Haushalt in 10 Jahren, nämlich rund 30'000 kWh.

So einfach sparen Sie dem Klima zuliebe

Ob bei der Ernährung, im Haushalt oder bei der Mobilität: Es gibt einige einfache und wirkungsvolle Tipps, wie Sie im Alltag ziemlich viel graue Energie sparen können und den CO2-Ausstoss reduzieren.

1 Regionale und saisonale Lebensmittel einkaufen

Lebensmittel, die in der Schweiz angebaut werden, haben einen kurzen Transportweg. Saisonales Gemüse und Obst braucht kein beheiztes Treibhaus. Ist es unverpackt, dann spart das auch Energie, die sonst für die Herstellung der Verpackung benötigt wird. Diese Faktoren verkleinern den Anteil grauer Energie erheblich.

2 Beim Einkauf auf Bio achten

Der biologische Anbau braucht kaum Pestizide und massiv weniger Dünger. Das bedeutet, dass weniger Energie für die Herstellung von Pestiziden und Dünger benötigt wird. Kommt hinzu, dass die Böden geschont werden und mehr CO2 aus der Atmosphäre speichern können und die Bauern weniger Wasser für die Pflanzen brauchen. Daher lohnt es sich, Bio-Lebensmittel zu essen und auf Bio-Baumwolle zu setzen.

3 Recycling-Produkte wählen

WC-Papier, Schreibpapier, Kartonschachteln oder Schnur: Produkte aus Recycling-Material brauchen bei der Herstellung deutlich weniger Energie. So heisst es auf der Seite Umweltschutz.ch: Eine Rolle Recycling-WC-Papier spart gegenüber einer neuen Rolle soviel Energie, wie drei Stunden fernsehen benötigen.

4 Das Auto teilen statt kaufen

Wer nur selten ein Auto braucht, findet in der Schweiz zahlreiche gute Sharing-Angebote. Und wer auf ein eigenes Auto verzichtet, spart so viel Strom wie ein durchschnittlicher Haushalt in 10 Jahren verbraucht.

5 Multimedia-Geräte möglichst lange nutzen

Fernseher, PC oder Handy brauchen im Schnitt dreimal mehr graue Energie als sie in Betrieb an Strom verbrauchen. Daher ist es sinnvoll, solche Apparate möglichst lange zu nutzen.

6 Haushaltsgeräte eher mal ersetzen

Haushaltgeräte wie zum Beispiel Staubsauger, Kühlschrank oder Mixer brauchen in Betrieb viermal mehr Strom als für Herstellung, Transport und das Entsorgen der Geräte nötig ist, wie es auf der Website Energie Umwelt heisst. Daher kann es sinnvoll sein, ein altes Haushaltgerät durch ein neues Gerät der Energieklasse A+++ zu ersetzen.

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