Second Hand: Individuelle Mode zum kleinen Preis

Jeder Trend kommt irgendwann wieder. Mit Second Hand kann man sich deshalb nicht nur nachhaltig, sondern auch up-to-date einkleiden. Für gebrauchte Mode gibt es deshalb auch schon viele Online-Shops oder sogar Kleidertauschpartys.

Second-Hand-Klamaotten liegen im Trend.
Das Kaufen gebrauchter Kleider entwickelte inzwischen eine «Second-Sale-Kultur». Foto: © LuminaStock / iStock / Thinkstock
  • 1

Die französische Modedesignerin Coco Chanel sagte einst:«Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kleider wegwirft, nur weil Frühling ist.» Heute denken viele wie sie und kaufen bevorzugt Second-Hand-Kleidung. Eine Studie des Zukunftinstitutes (2011) beweist, dass sich inzwischen eine «Second-Sale-Kultur» entwickelt hat. So ist Teilen, Nutzen und Wieder-in-Verkehr-bringen wichtiger als blosses Kaufen und Besitzen. Damit verlängern sich Lebenskreisläufe von Produkten, was auch nachhaltiges Einkleiden erlaubt.

Billige «Wegwerfmode» lässt häufig vergessen, wie viel Arbeit und Ressourcen in einem Stück Stoff stecken. Eine Jeans verschlingt rund 8.000 Liter Wasser und reist rund 19.000 Kilometer um die Welt. So verbraucht der Transport von einer Tonne Stoff rund 153.400 Kilowattstunden Energie. Das entspricht einem Jahresverbrauch von etwa sechs Baseler Haushalten. Wer seine Jeans mehrere Jahre trägt, wird zum Umweltschützer. Doch auch diejenigen, die sich nicht im Kleiderkonsum einschränken möchten, können andere Wege beschreiten:  Ob es nun der Kauf von Second-Hand-Mode, der Kleider-Tausch oder die Nutzung von Verschenkplattformen ist. Jeder kann sich auf die eine oder andere Weise günstig ausstatten. Auch wenn die gebrauchte Kleidung grösstenteils nicht ökologisch korrekt produziert wurde, verwandelt sich diese durch die Wiederverwertung in eine «nachhaltige Klamotte».

Fakten zur Textilindustrie

Schweizer kaufen jährlich etwa 90.000 Tonnen Kleidung und sammeln im gleichen Zeitraum etwa 32.000 Tonnen Alttextilien. Die gleiche Menge an Altkleidern wird unsortiert entsorgt. Laut Swisstextiles setzt man weltweit etwa zwei Millionen Tonnen Textilhilfsmittel, die gleiche Menge an Säuren, Laugen und Salzen sowie etwa 250.000 Tonnen Farbstoffe ein – und das Jahr für Jahr. Greenpeace fand in 52 von 78 importierten Bekleidungsstücken die hormonell wirksame Chemikalie namens Nonylphenolethoxylat (NPE). Der wasserlösliche Stoff ist in der EU verboten. Dieser gelangt dennoch durch die Waschmaschine in heimische Gewässer.

Vorteile: Second-Hand-Mode

... ist gesünder und hautschonend, weil die meisten Chemikalien bereits ausgewaschen sind, die normalerweise neue Kleidung belasten.

  • ist nachhaltig, weil ein längeres Tragen der Kleidung Ressourcen spart.
  • ist günstiger, sodass die Verbraucher, sogar bei Designermode, Geld sparen können.
  • ist individueller, da es keine Mode von der Stange ist.

Nachteilig ist jedoch, dass gebrauchte Kleidung häufig vom Umtausch ausgeschlossen ist. Man muss Fehlkäufe entweder online, im Laden oder beim Kleidertausch weitergeben.

Online Second Hand-Mode einkaufen

Wer sich nicht durch Läden mit Second-Hand-Kleidern «wühlen» möchte, kann auch im Internet ein Schnäppchen ergattern. Dafür gibt es neben bekannten Plattformen auch spezielle Online-Shops, wie die Boutique de Faon. Diese ist nicht nur gut sortiert, sondern präsentiert das Angebot übersichtlich und ansprechend. Der einzige Wermutstropfen: Man kann die gebrauchte Kleidung nicht anprobieren und muss einzig auf Angaben und Fotos vertrauen. Wer dann doch einen Fehlkauf begangen hat oder den eigenen Kleiderschrank aussortieren möchte, kann selbst als Anbieter aktiv werden. Dafür eignen sich Kleinanzeigenportale wie kijiji oder Auktionshäusern wie Ebay. Eine Studie des Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) aus dem Jahr 2010 besagt, dass sich die meisten Gebrauchtwarenkäufe besonders für die Umwelt auszahlen. So würde man weniger neue Produkte kaufen, was zu positiven ökologischen Effekten führe. Eine Befragung von 6.700 Ebay-Nutzern zeigt, dass vier von zehn Befragten auf den Kauf von neuer Kinderkleidung verzichtet hat. Je nach Produkt, dessen Alter und Effizienz ergeben sich unterschiedliche Umweltauswirkungen. Die Forscher stellen weiterhin fest, dass sich das Konsumverhalten durch Ebay veränderte. So ermitteln sie eine Tendenz zum höherwertigen Konsum, wobei das Wegwerfen immer weniger eine Rolle spielt. 3-2-1-meins: Die Freude über den Auktionsgewinn teilt man jedoch nur allein – auf einer Kleidertauschparty freuen sich hingegen viele mit.