Recycling-Stoffe erobern Mode-Branche

Recycelte PET-Flaschen sind ein fester Bestandteil der Sport-Mode geworden. Durch Recycling wird atmungsaktives Hightech-Polyester produziert. Doch auch Stoffe wie Kork werden immer beliebter. Nachhaltige Mode ist inzwischen mehr als nur Bio-Baumwolle.

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Aus PET-Flaschen lässt sich atmungsaktive Polyester für Sportkleidung produzieren. Foto: pojoslaw / iStock / Thinkstock
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LKW-Planen, Tetrapacks und Militärdecken haben den Aufstieg in die Modewelt schon geschafft: Ihr langweiliges Dasein auf Autobahnen, im Supermarkt oder in der Kaserne endet heute nicht mehr im Müllcontainer, sondern auf dem Laufsteg. So kann ein Lebensgefühl auch nach aussen getragen werden - es sei denn, das Gegenüber kennt das nachhaltige Label. Freitag kennt inzwischen jeder. Denn dass aus LKW-Planen Allzwecktaschen werden, hat das Schweizer Brüderpaar Freitag mit den gleichnamigen Freitagtaschen der Welt schon vor Jahren gezeigt und einen Trend ausgelöst. Die Taschen sind inzwischen Kult und werden von zahlreichen Nachahmern kopiert.

Materialien wie PET-Flaschen, Militärdecken, alte Feuerwehrschläuche, Fallschirme, Zelte oder Brandschutzkleidung sind die Rohstoffe, aus denen Carola Schaffner alias Frischfrech individuelle Mode und Accessoires kreiert, die noch nicht global, aber inzwischen schweizweit bekannt sind. Schaffner sagt: «Der Markt ist weltweit überschwemmt von vielen unnötigen Produkten, die reine Rohmaterial-Verschwendung darstellen.» So entstehen aus den ausrangierten, aber noch hochwertigen Materialien trendige Gürtel, Windjacken, Seesäcke, Taschen oder Etuis.

PET-Flaschen werden zu Sport-Mode recycelt

Dabei ist PET sicher eines der herausragenden wiederverwerteten Materialien der Branche. Schweizer Modefotografen haben in Auftrag von PET-Recycling Schweiz für einen limitierten Kalender 2011 Models in verschiedenen Positionen mit PET-Flaschen abgelichtet. Sie wollen zeigen, dass der Wertstoff mittlerweile fest mit der Modeszene verbunden ist. Denn aus den gesammelten und rezyklierten PET-Flaschen werden zwar in erster Linie neue Flaschen hergestellt, aber auch vermehrt Hightech-Polyesterstoffe.

Doch wie wird aus ausgedienten PET-Flaschen tragbare Mode? Durch Einschmelzen der Trinkflaschen und der Weiterverarbeitung zu Polyestergarn lassen sich Kleidungsstücke aus Hightech-Polyester herstellen. Eine neue Skijacke beispielsweise besteht aus etwa vierzig PET-Flaschen. Die Fasern eignen sich besonders für Sportkleidung, weil der Stoff atmungsaktiv und robust ist. Das hat der amerikanische Outdoorhersteller Polartec früh gemerkt und bietet seit 1993 rezyklierte Stoffe an. Aus PET-Flaschen und postindustriellen Abfällen entstehen hier qualitativ hochwertige Polyester-Garne, die dann zu Polartec Stoffen mit rezykliertem Inhalt verarbeitet werden. Polartec nennt das Eco Engineering und kennzeichnet die Stoffe mit einem extra Label. Nur Stoffe, die mindestens zu 50 Prozent aus rezyklierten Stoffen bestehen, fallen in dieses Programm. Auch Switcher, eine Modemarke aus Lausanne, die schon früh als Pionier für ethische Mode von sich reden machte, das Zürcher Sportmodelabel Zimtstern oder das niederländische Trendlabel Kuyichi, setzen auf PET-Stoffe.

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Immer mehr Recycling-Materialien kommen in der Mode-Branche zum Einsatz. Foto: karandaev / iStock / Thinkstock

Eine neue Entdeckung ist Kork. Tatsächlich entscheiden sich immer mehr Designer und modebewusste Konsumenten ganz bewusst für Taschen und Accessoires, die aus den Rinden der Korkeiche hergestellt werden. Kork sorgt nicht nur für eine neue Optik, sondern wartet auch mit besonderen Eigenschaften auf: So ist das Material leicht, geschmeidig, dabei aber höchst reißfest und strapazierfähig. Korkstoff ist robust wie Leder, aber deutlich pflegeleichter und zugleich wasserfest. subertree natural fashion bietet beispielsweise Taschen aus Kork an.

Recycling-Stoffe ergänzen Bio-Baumwolle

Und nun will auch H&M zu einem Teil für Nachhaltigkeit stehen. Zum einen bringt H&M eine neue Linie namens «Waste» heraus, wobei Stoffe, die bei der Produktion der letztjährigen Lanvin-Kollektion übriggeblieben sind, benutzt werden, um daraus neue Kleidung und Accessoires herzustellen. Schon 2009 hatte H&M für ihre Frühjahrskollektion Gebrauch von rezyklierten Materialien gemacht. Hier sollen abgetragene Kleidung und Produktionsreste verwertet worden sein.

Zum anderen bietet die schwedische Modekette in diesem Frühjahr eine «Concious Collection», also eine gewissenhafte Kollektion, aus nachhaltigen Materialien an. Die Design-Chefin von H&M, Ann-Sofie Johansson, sagt dazu: «Es geht schon lange nicht mehr nur um Biobaumwolle. Inzwischen gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, durch intelligente Materialien ein komplettes Mode-Statement zu schaffen.» Somit wird hier Bio-Baumwolle durch rezykliertes Polyester und Tencel beziehungsweise Lyocell ergänzt. Letzteres ist eine hundertprozentige Zellulose-Faser aus speziell hierfür angepflanzten Bäumen. Sie ist sehr fest und biologisch vollständig abbaubar. Auch andere Modeketten wie beispielsweise Esprit setzen auf dieses Material.

Text: Anna Birkenmeier

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