Lebensmittel direkt ab Hof: So funktionieren Foodcoops

Regional und biologisch einkaufen zu fairen Preisen? Das machen Foodcoops möglich. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus mehreren Personen, die gemeinsam den Einkauf und die Verteilung von Lebensmitteln ab Hof organisieren und den Zwischenhandel überspringen. Warum hier auch die Kundinnen und Kunden an der Kasse sitzen und wie du Mitglied wirst.

Zwei Personen kaufen gemeinsam unverpackt ein
In einer Foodcoop kannst du regional, biologisch und oft auch unverpackt einkaufen. © Erdark / E+
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Foodcoops – das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Foodcoop organisiert mit ihren Mitgliedern den Einkauf und Vertrieb von Lebensmitteln direkt ab Hof.
  • Mitglieder zahlen einen kleinen Jahresbeitrag und können dafür vergleichweise günstige biologische Lebensmittel einkaufen.
  • Wie Foodcoops funktionieren, variiert je nach Kooperative. Teilweise arbeiten Mitglieder aktiv im Laden mit.
  • In der Schweiz gibt es bereits einige Foodcoops – hauptsächlich in Grossstädten wie Zürich und Bern.
  • Bei Foodcoops können grundsätzlich alle Mitglied werden.

Bananen aus Equador, Kiwis aus Neuseeland, die Wahl zwischen unzähligen Käsesorten, Milchalternativen und Fertiggerichten – unsere Lebensmittelproduktion wird immer globaler und das Angebot vielseitiger.

Zeitgleich wünschen sich viele Menschen wieder mehr regionale, saisonale und biologisch angebaute Produkte in ihren Einkaufskörben und verzichten im Gegenzug gerne auf ein unüberschaubares Angebot. Hier setzen Foodcoops an: Wer bewusster und am besten ohne viel Verpackungsmüll konsumieren möchte, kann Mitglied einer Lebensmittelkooperative werden.

Was ist eine Foodcoop?

Für eine Foodcoop oder Lebensmittelkooperative schliessen sich mehrere Personen oder Haushalte zusammen, um gemeinsam den Einkauf und die Verteilung von Lebensmitteln direkt ab Hof zu organisieren. Da Foodcoops den Zwischenhandel umgehen, sind sie eine gute Möglichkeit, biologisch und dennoch zu vergleichbar günstigen Preisen einzukaufen.

Ein solcher Zusammenschluss kann in unterschiedlichem Umfang zustande kommen: Vom kleinen Verein, bei dem ehrenamtliche Arbeit ein wichtiger Grundpfeiler ist, bis hin zu professionellen Kooperativen.

Im Zentrum stehen dabei je nach Foodcoop fair gehandelte, ökologisch erzeugte und regional angebaute Lebensmittel. Grundsätzlich wird in Lebensmittelkooperationen jedoch immer viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.

Wie funktionieren Foodcoops?

Wie sich die Mitgliedschaft bei einer Foodcoop gestaltet, ist ebenfalls unterschiedlich. Bei manchen Kooperativen können Mitglieder Lebensmittel und andere Güter in einem von der Foodcoop organisierten Laden einkaufen, der ähnlich funktioniert wie ein gewöhnlicher Einkaufsladen.

Das Besondere: Die Mitglieder sind hier Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitende zugleich. In Schichten arbeiten sie aktiv im Laden mit und kassieren oder räumen Regale ein. Je nach Koop variiert die Zeit, die im Laden mitgearbeitet werden muss. In der Foodcoop Güter in Bern etwa arbeiten die Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler knapp drei Stunden im Monat. Hier haben Mitglieder ausserdem ein Mitbestimmungsrecht, was die Preise der Produkte angeht.

Andere Foodcoops lassen sich eher als Bestellgemeinschaften bezeichnen. Diese bieten eine Online-Software an, über die du während mehrerer Bestellfenster im Jahr deine Bestellungen aufgeben kannst. Die Bestellungen der Mitglieder erfolgen gesammelt direkt ab Hof und die bestellten Produkte kannst du nach der Lieferung in einem Depot abholen – in vielen Fällen füllst du sie vor Ort in deine eigenen Behälter.

Selbst mit anpacken: So finanzieren sich Foodcoops

Grundsätzlich zahlen Mitglieder einer Foodcoop jährlich einen kleinen Betrag, um die anfallenden Kosten für die Logistik (Bestellungen, Online-Server, Räumlichkeiten etc.) zu decken.

Aber auch durch die Mitarbeit der Teilnehmenden sparen Foodcoops die Kosten für Arbeitskräfte und grossen Koordinationsaufwand.

Um biologische und regionale Lebensmittel auch für Menschen mit geringem Einkommen bezahlbar zu machen, haben die Läden der Foodcoops zudem oft kurze Öffnungszeiten oder es handelt sich um Selbstbedienungsläden. Da Lebensmittelkooperativen Trockenwaren wie Getreide, Pasta & Co. in Grossverpackungen direkt ab Hof kaufen, können viele Produkte nahe am Einkaufspreis und unverpackt angeboten werden. Die Margen, die im Detailhandel anfallen, bleiben aus.

Foodcoops in der Schweiz

Das Konzept hat dich überzeugt? In der Schweiz werden zunehmend Lebensmittelkooperativen gebildet – allerdings befinden sich die meisten in den Grossstädten. Auf dem Land ist das Angebot noch minim. Ob es in deiner Nähe bereits eine Foodcoop gibt, siehst du in unserer Übersicht:

Zürich

In Stadt und Kanton Zürich gibt es aktuell die meisten Foodcoops. Sie alle funktionieren nach dem Prinzip des gemeinschaftlichen Bezugs von Lebensmitteln, dennoch unterscheiden sie sich in ihrer Gestaltung und darin, was du als Mitglied zahlst und wie sich deine Mitgliedschaft gestaltet. Folgend findest du die sieben Foodcoops in Zürich:

Aargau

In Aarau hast du die Möglichkeit, Mitglied bei der Foodcoop HALB-HALB zu werden. Die Foodcoop hat zudem in drei weiteren Städten ein Abholdepot: Zeihen (AG), Laupen (BE) und Tersnaus (GR).

Bern

In Bern findest du neben der Foodcoop Güter noch den GemeinSaftladen – ein Lebensmittellager, bei dem Mitglieder rund um die Uhr biologisch, regional und saisonal einkaufen können.

Luzern

Wer in Luzern wohnt, hat zwei Foodcoops in der Nähe: Tante Emmen und Foodcoop Luzern. Bei beiden handelt es sich um Foodcoops, welche keine Läden im eigentlichen Sinne zur Verfügung stellen, sondern wo Mitglieder gemeinsam Grossbestellungen direkt bei den Herstellern tätigen. Der Fokus liegt dabei auf biologischen und lokalen Lebensmitteln.

Tessin

Die einzige auf der Foodcoop-Karte eingetragene Foodcoop im Tessin befindet sich in Cadenazzo. Im ConProBio gibt’s eine grosse Auswahl an biologischen Lebensmitteln – von Brot über Öl, frische Milchprodukte, Obst, Gemüse und Fisch bis zu Wein, Honig und Milchalternativen.

Appenzell Innerrhoden

Der Verein guardian of the universe stellt eine Internetplattform zur Verfügung, über die grosse Sammelbestellungen getätigt werden. Als Mitglied wirst du informiert, wann die nächste stattfinden wird, damit du deine Bestellung aufgeben kannst. Am Abholtag können die Bestellungen dann in der Alten Drogerie in Trogen (AI) abgeholt werden.

Auf der Website Foodcoops.ch findest du eine Übersicht aller Foodcoops in der Schweiz.

Wie werde ich Mitglied einer Foodcoop?

Um Teil einer Lebensmittelkooperative zu werden, wendest du dich am besten direkt an den Verein. Je nach Foodcoop kannst du dich entweder online anmelden, eine Mail an die Organisatorinnen und Organisatoren schicken oder direkt im Geschäft vorbei gehen und dich vorstellen.

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