So sehr schadet unser Fleischkonsum der Umwelt

Während Energie sparen und Müll trennen zu den gängigen Tipps für mehr Umweltschutz gehören, sprechen nur Wenige über den Klimakiller Fleischkonsum. Der Dokumentarfilm «Cowspiracy» zeigt, warum das so ist und wie sehr die Fleischproduktion der Umwelt schadet.   

Hoher Fleischkonsum in der Schweiz, Auswirkungen und Doku Cowspiracy
Foto: © Noel Hendrickson / Digital Vision / Thinkstock
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«In der Schweiz werden 28% der Umweltbelastungen durch die Ernährung verursacht», erklärt die Schweizer Gesellschaft für Ernährung (SGE). Der Fleischkonsum ist dabei einer der Hauptverursacher. Die ökumenische Kampagne Sehen und Handeln, die in der Fastenzeit zum gelegentlichen Fleischverzicht aufrief, beziffert sogar, dass drei Viertel aller Ackerflächen weltweit für den Anbau von Futtermitteln für Nutztiere benötigt werden.

Zum gleichen Ergebnis kam auch Kip Anderson, ein US-Amerikaner, der sich eigentlich nur vorgenommen hatte, umweltbewusst zu leben. Er informierte sich bei diversen Umeltorganisationen und versuchte ihre Empfehlungen nach bestem Gewissen umzusetzen. Er sparte Strom und Ressourcen wo es nur ging, trennte ordentlich den Müll, fuhr Velo anstatt Auto. So macht er die Welt ein klein wenig besser, meinte Anderson. Denn dass er durch seinen Fleischkonsum die Umwelt noch immer stark belastete, ahnte er nicht. Erst ein Bericht über den Klimakiller Fleisch brachte ihn dazu, darüber nachzudenken und sich zu fragen, warum er trotz seines Engagements nicht über die extremen Auswirkungen der Fleischproduktion aufgeklärt war.

Anderson stellte daraufhin fest, dass alle über Energiesparen, Ölreserven oder den weltweiten Verkehr reden, jedoch kaum jemand beschäftigte sich mit dem Fleischkonsum als Klimakiller. Seine Nachforschungen zeigten, dass selbst Umweltschutzorganisationen dieses Thema nicht oder nur halbherzig in die Hand nehmen. Daher fragte er bei zahlreichen Verbänden nach, warum die Umweltbelastungen durch Fleischkonsum kaum Beachtung finden, dabei stiess er jedoch auf taube Ohren und verschlossene Türen. 

Darum hat sich Anderson selbst gekümmert und einen Film verfasst, der sich in eindrücklichen Bildern mit den Hintergründen der fleischproduzierenden Industrie sowie den Auswirkungen von Fleisch auf das Klima beschäftigt. Weniger mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern eher zur Aufklärung. In «Cowspiracy» stellt er zudem die prägnante Frage: Gibt es eine Verschwörung der Fleischesser?

Wie Fleischkonsum der Umwelt schadet

Komplett verweigern sich Umweltschützer dem Thema Fleischkonsum nicht. Wie der WWF etwa vorrechnet, ist die Produktion von Fleisch äusserst energieintensiv und verursacht grosse Mengen an CO2. «Je nach Tierart werden nur 1 bis 15 Prozent der in den Futtermitteln enthaltenen Energie in Fleisch umgewandelt. Vergleicht man die Emissionen von 1 Kilogramm Rindfleisch mit den Emissionen von einem Kilogramm Gemüse zeigen sich enorme Unterschiede: Rindfleisch emittiert 1550g CO2 pro 100g, Gemüse hingegen schlanke 20-90g – je nach Gemüseart.»

Dazu kommt der Wasserbedarf, der bei einem Kilogramm Rindfleisch über 15.000 Liter beträgt, auch wenn es laut Water Footprint Network je nach Fleisch erhebliche Unterschiede geben kann. Geflügelfleisch kommt hier, wie auch beim Futterbedarf der Tiere, etwas besser weg.

Beim Fleischkonsum zählt: Wenig, bio und regional

Für Viele ist aus unterschiedlichen Gründen der Fleischkonsum bereits tabu. Sie wenden sich der vegetarischen oder veganen Ernährung zu. Letztere sieht auch Kip Anderson in seinem Film «Cowspiracy» als die einzige Möglichkeit, um die durch die Fleischproduktion verursachten Umweltbelastungen abzustellen.

Wer nicht ganz auf Fleisch verzichten will, kann trotzdem Einiges tun. So bringt es schon viel, sich bewusst zu machen, wie oft man eigentlich Fleisch zu sich nimmt, wie etwa auch in Wurst oder fertigen Gerichten, und den Konsum möglichst einzuschränken.

Warum beim Fleischkonsum ausserdem der Griff zu Geflügel oder Schwein und heimische Bio-Produkte die nachhaltigere Wahl sind, erklärt der Beitrag Wie die Lebensmittelproduktion unseren Wasserverbrauch vervielfacht.

Der Trailer zur Fleischkonsum-Doku «Cowspiracy»

Quellen: sehen-und-handeln.ch, wwf.ch, sge-ssn.ch, wasserfussabdruck.org, tagesanzeiger.ch,

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann