Trend Pilze sammeln: Warum das Pilze bestimmen so wichtig ist

Immer mehr Schweizer gehen im Herbst in den Wald und sammeln Pilze. Doch schnell kann der Genuss in einer sogar lebensbedrohenden Vergiftung enden. So kann selbst der, der meint er kennt sich aus, so manchen giftigen Verwandten pflücken und sich damit vergiften. Darum ist es wichtig die Pilze richtig zu bestimmen, im Zweifel mit Hilfe vom Experten.

Pilze bestimmen: Nicht nur im Zweifel die Pilzkontrollstelle fragen
Essbar oder doch giftig? Pilze sollte man im Zweifelsfall an Pilzkontrollstellen überprüfen. Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
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Es ist ein grosser Spass an lauen Spätsommertagen oder bei schönem Herbstwetter Pilze frisch im Wald zu sammeln. Laut dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum machen dies immer mehr junge Menschen, vor allem solche, die sich kaum bis gar nicht mit dem Pilze sammeln und bestimmen auskennen. Doch das geschieht oftmals allzu sorglos. «Es wird ja schon gut gehen», sagen sich da wohl manche.

Das Ergebnis: Selbst der sehr giftige Knollenblätterpilz wurde 2012 verspeist und nachgewiesen sechs Schweizer litten unter erheblichen Vergiftungserscheinungen. Erwiessenermassen waren die Opfer nicht in einer der 200 landesweit eingerichteten Pilzkontrollstellen. Dass es keine Seltenheit ist, dass Laien giftige Pilze sammeln und anschliessend verspeisen, sagen die alarmierenden Zahlen. So wurden 2012 insgesamt 485 Pilzvergiftungen gemeldet, 70 mehr als noch im Vorjahr.

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Der Edel-Reizker ist essbar

Essbar: Der Edel-Reizker ist ein Speisepilz, der angebraten einen leicht süsslichen Geschmack entfaltet. Er darf nicht mit dem giftigen Schönen Zonen-Milchling verwechselt werden, der ihm in seiner orangen Farbe gleicht. Der Edel-Reizker wächst aber nur unter Kiefern, während der Zonen-Milchling unter Eichen zu finden ist. Foto: © frankhoekzema / iStock / Thinkstock

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Essbare Pilze: Von Steinpilz bis Morchel

In der Schweiz gibt es viele essbare Pilze. Zu den beliebtesten gehören die verschiedenen Steinpilzarten, Pfifferlinge, Edelreizker, Riesenschirmpilze oder der Honiggelbe und der Dunkle Hallimasch. Letzterer ist, wie so manch andere Leckerei aus dem Wald, zwar sehr häufig, sogar ein Forstschädling, aber nicht für den Handel bestimmt. Und bei ihm fangen die Probleme auch schon an. Ist er nicht genügend durchgegart oder richtig getrocknet, kann dies schnell zu heftigen Bauchschmerzen führen.

Das Schweizer Pilzportal empfiehlt sogar, das Kochwasser wegzuschütten und den Hallimasch erst danach weiterzuverarbeiten. Das gilt auch für einige andere essbare Pilzsorten wie den weit verbreiteten Nebelgrauen Trichterling. Roh verspeist könne der Hallimasch sogar tödlich sein. Selbst Steinpilze sollten besser gegart werden, da manche Menschen auf den roh verzehrten Pilz allergisch reagieren. Die Empfehlung der Pilzfachleute: Alle Pilze richtig gut durchgaren.

Pilze bestimmen: Essbare Pilze oder giftige Pilze?

Das erfreuliche Ergebnis eines herrlichen Sonntagsspaziergangs durch den Wald: Ein Korb voller Steinpilze. © Foto: iStockphotos / Thinkstock

Wer übrigens Glück hat, kann den feinen Morchel im Frühsommer im eigenen Garten finden. Denn dieser kann durchaus gut getarnt in jenen Beeten wachsen, die im Vorjahr mit Rindenmulch bedeckt wurden.

Eine Liste der Schweizer Speisepilze, welche Untersorten es gibt und was bei einigen zu beachten ist, finden Sie hier.

Giftige Pilze: Mit Pilzkontrollstellen auf Nummer sicher gehen

Laien, so warnen Experten, können schnell einen essbaren mit einem giftigen Pilz verwechseln. So kann es im obigen Fall des Knollenblätterpilzes sehr wohl der Fall gewesen sein, dass er mit dem beliebten Egerling oder Champignon verwechselt wurde. Andere, sehr beliebte Speisepilze wie der Riesenschirmpilz haben ebenfalls giftige Verwandte, die der Laie kaum voneinander unterschieden kann. Daher gilt: Eine zuverlässige Bestimmung sollte nur durch eine erfahrene Fachperson geschehen. Diese existieren hierzulande bereits seit 1925 in der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane, kurz VAPKO, die heute über 200 Pilzkontrollstellen unterhält.

Pilze geniessen: Weniger is(s)t mehr

Pilze sind insgesamt schwer verdaulich, daher sollte der Pilzesser sie lieber als Beilage, denn als Hauptmahlzeit geniessen. Isst man zu viele Pilze, können selbst essbare Pilze eine ordentliche Magenverstimmung, Unwohlsein, Erbrechen oder Durchfall auslösen. Zudem sollten sie gut gekaut werden. Denn wer zu grosse Bissen runterschluckt kann auch die genannten Symptome erleiden.

Pilzgerichte können übrigens ein einziges Mal aufgewärmt werden. Dazu müssen sie allerdings nach dem Kochen schnell heruntergekühlt werden und dürfen im mindestens 5 Grad kalten Kühlschrank am besten nur einen Tag, maximal zwei lagern.

Tipps & Tricks zum Pilze bestimmen, sammeln und die Kontrolle

Das Plastiksackerl ist tabu! Durch den Luftabschluss zersetzen sich schnell die enthaltenen Proteine und selbst essbare Pilze werden dann zur ernsthaften, giftigen Mahlzeit. Im Zweifelsfall zur letzten.

Ein grosser, breiter Korb, am besten aus Naturmaterialien ist ideal zum Pilze sammeln.

Seltene Arten wie die Kraus Glucke sollten im Wald verbleiben.

Essen Sie keine Pilze die Sie nicht eindeutig kennen oder bestimmen lassen haben. Zur einwandfreien Bestimmung muss der komplette Stiel vorhanden sein.

Es sind Ammenmärchen, dass giftige Pilze nicht von Insekten oder anderen Tieren angefressen werden oder giftige Pilze durch Abkochen ungiftig werden! Auch der Silberlöffel im Topf bringt absolut nichts.

Giftig oder ungeniessbar? Diese Pilze sollten nicht umgetreten werden. Auch sie haben eine Funktion in einem artenreichen Ökosystem.

Hier finden Sie eine der 200 Pilzkontrollstellen in der Schweiz.

Weitere Tipps zum Pilze bestimmen und sammeln.

 

 

Ein Beitrag vom Herbst 2012 über die steigende Gefahr einer Pilzvergiftung

Quellen: Pilze.ch, Vapko.ch, SRF, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann

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