Wie die Lebensmittel-Produktion unseren Wasserverbrauch vervielfacht

Unser Wasserverbrauch im Haushalt liegt pro Person und Tag durchschnittlich bei 160 Litern. Das klingt erstmal viel, zumindest bis man es dem entgegen setzt, was die Produktion unserer Lebensmittel verschlingt. Denn alleine dafür fallen täglich knapp 4.000 Liter pro Kopf zusätzlich an, wie der so genannte Water Footprint zeigt.

Wasserverbrauch Schweiz, unser Water Foodprint gerade bei Lebensmittel
Die Lebensmittelindustrie hat einen enormen Wasserverbrauch. Erst recht, wenn zum Beispiel Mais oder Fleisch hergestellt werden soll. Foto: anna1311, iStock, Thinkstock
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Schauen wir mal in einen willkürlich zusammengestellten Einkaufswagen, der aufzeigt, wie viel Wasserverbrauch in der Schweiz alleine durch Lebensmittel entsteht. Ein Kilo Tomaten, ein fünf Kilo-Sack Kartoffeln, zwei Liter Orangensaft, ein Kilo Mehl, ein Brot, schon hat man über 4.000 Liter Wasser verbraucht. Denn, was viele beim Einkaufen nicht bedenken: Das meiste Wasser verbrauchen wir nicht in der Dusche oder beim Zähneputzen, sondern auf indirekem Weg, so auch durch den Wasserverbrauch, der für die Produktion unserer Lebensmittel anfällt. Wie viel Wasser dabei draufgeht, zeigt der Water Footprint, zu deutsch Wasserfussabdruck eines Lebensmittels.

Insgesamt gehen 92 Prozent des globalen Wasserverbrauchs auf das Konto der Landwirtschaft und fünf Prozent entfallen auf die Herstellung von Konsumgütern, wie das Water Footprint-Network errechnet hat. Lediglich weitere fünf Prozent entfallen darauf, wo wir täglich versuchen zu sparen, nämlich auf den Wasserverbrauch pro Kopf in Schweizer Haushalten.

Wie hoch der Wasserverbrauch bei welchen Lebensmitteln ist

Fallen für ein Kilo Tomaten im globalen Durchschnitt lediglich 214 Liter Wasser an, so sieht es bei anderen Alltagslebensmitteln schon ganz anders aus. Beispiel Orangensaft. Er wird überall in Mitteleuropa gerne getrunken, so auch in der Schweiz. Hierzulande liegt der Jahresschnitt pro Kopf bei 20 Litern. Nicht weiter dramatisch, mag sich mancher dabei denken, schliesslich wachsen die Zitrusfrüchte auch im nahen Italien.

Doch der überwiegende Teil der für Orangensaft verwendeten Früchte – immerhin 80 Prozent – kommt aus Brasilien. Dort muss für jedes Glas Saft das 22-fache an Wasser aufgewendet werden wie in Europa. Mal ganz abgesehen vom Treibstoff für den langen Transport, der nochmals die Umwelt belastet.

Aber auch andere Lebensmittel verschlingen bei der Produktion Unmengen an Wasser. So beträgt der Wasserverbrauch für ein Kilo Brot etwa 1.600 Liter, bei Reis sind es nahezu 2.500 und für ein Brathähnchen braucht es mehr als 4.000 Liter Wasser.

Tatort Fleischtheke: Water Footprint von tierischen Produkten besonders hoch

Der hohe Wasserverbrauch bei Fleisch basiert hauptsächlich auf der Herstellung des nötigen Getreides. So ist, je nach Produktionsland und Gegebenheiten, ungefähr ein Kilo Getreide nötig, um etwa 100 Gramm Rindfleisch zu produzieren. Dieses eine Kilo Getreide verursacht jedoch bereits im Durchshnitt einen Wasserverbrauch von 1.500 Litern. Der Water-Footprint bei der Fleischherstellung ist also immens.

Regional und saisonal einkaufen senkt Water Footprint

Regional und saisonal einzukaufen ist der beste Weg, um den Wasserverbrauch im Einkaufskorb zu reduzieren. Bei Fleisch ist, neben dem mehr oder weniger häufigen Verzicht, der Griff zu Geflügel oder Schwein die bessere Wahl, um indirekt Wasser zu sparen. Denn Rindfleisch hat einen deutlich höheren Water Footprint als andere tierische Produkte.

Es lohnt sich ausserdem, für Milchprodukte und Fleisch in das Bio-Regal zu greifen. Diese Tiere erhalten weniger Kraftfutter, idealerweise aus heimischem Bioanbau. Das senkt den Wasserverbrauch für das Getreide im Kraftfutter deutlich.

Lebensmittel-Müll vermeiden ist eine weitere wichtige Möglichkeit, um auch den täglichen Water Footprint zu verkleinern. Wenn in der Schweiz etwa 2 Mio. Tonnen, damit etwa ein Drittel aller produzierten Lebensmittel, im Müll landen, dann ist dies ein immenser Wasserverbrauch, der völlig nutzlos war.

 

Schweizerbauer.ch, Wasserfussabdruck.org, waterfootprint.org, Stadtwerk.wintherthur.ch, BLW.admin.ch, Blick.ch, WWF, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann