Gesunde Flexitarier? So essen die so genannten Teilzeit-Vegetarier

Für den Vegetarier sind mindestens Fisch und Fleisch tabu, der Veganer verzichtet auf alles Tierische im Essen. Flexitarier hingegen ernähren sich bewusst gesund, aber greifen bei allem zu, also selten auch mal beim Fleisch. Aber wie gesund ist die flexible Ernährungsform dieser Teilzeit-Vegetarier?

Flexitarier: Teilzeit-Vegetarier und nachhaltig-gesunde Ernährung
Vegetarier, Veganer, Frutarier, Freeganer oder Flexitarier, es gibt heute eine ganze Reihe von Ernährungsformen, die für den einen oder anderen Verzicht stehen. Foto: marrakeshh, iStock, Thinkstock
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Flexitarier und die gesunde Ernährung

Per Definition ist der Flexitarier keiner der verzichtet, sondern sich eher aus Gründen der gesunden Ernährung einschränkt. Dabei kommt auch schon mal ein Stück Fleisch oder Fisch auf den Teller. Milchprodukte stehen genauso auf dem Speiseplan wie das Frühstücksei und der Honig. Allerdings achtet der Flexitarier darauf, dass der Konsum von alledem nicht Überhand nimmt.

Der sogenannte Teilzeit-Vegetarier will sich ausgewogen ernähren, ohne dabei jedoch auf Fleisch oder andere Produkte zu verzichten. Hauptsächliche Beweggründe sind dabei auch nicht moralische Bedenken, wie bei Vegetariern oder Veganern. Vielmehr geht es dem Flexitarier darum, möglichst gesund zu essen. Daher gibt er auch gerne etwas mehr für Lebensmittel aus und konsumiert häufig Bio-Produkte.

Warum Teilzeit-Vegetarier mehr ausgeben

Viele Lebensmittel werden auch dank des Preiskampfes von Discountern immer billiger. Deswegen kann sich heute nahezu jeder alle Lebensmittel leisten, so auch das einst teure Fleisch. Noch bei unseren Grosseltern war es etwas Besonderes ein Stück Rind oder Schwein auf dem Teller zu haben. Etwas häufiger gab es nur tierische Erzeugnisse wie Milchprodukte oder Eier.

Die eingeführte Massenproduktion von Tieren hat jedoch nicht nur das Fleisch günstiger gemacht. Sie führte auch dazu, dass inzwischen immer mehr Zusätze wie Antibiotika im Fleisch enthalten sind. Auch wenn der Flexitarier nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte, gibt er aus gesundheitlichen Gründen daher lieber etwas mehr für ein Stück Bio-Fleisch aus und isst es dafür etwas seltener.

Wie gesund leben Flexitarier?

Etwas seltener Fleisch essen ist sicherlich nicht ungesund. Im Vergleich zum normalen Konsumenten, der mittlerweile ungesunde Mengen davon zu sich nimmt, lebt der Teilzeit-Vegetarier somit wohl gesünder. Zumal der Flexitarier auch, wenn möglich, auf Bio-Produkte setzt.

Aber wie sieht es im Vergleich mit Veganern und Vegetariern aus? In tierischen Produkten, wie Fleisch und Milch, sind einige wichtige Proteine und Nährstoffe enthalten. Von diesem Gesichtspunkt aus liegen die Flexitarier im Vorteil. Vegetarier können jedoch gut einen Ausgleich durch den Verzehr von Milch, Eiern, oder auch Fisch schaffen. Veganer ersetzen die Nährstoffe schon etwas aufwendiger durch Nüsse oder Hülsenfrüchte.

Einzig gesundheitlich schädliche Stoffe im Fleisch, wie Antibiotika oder andere Zusätze, verschlechtern die Bilanz eines Flexitariers gegenüber Veganern und Vegetariern. Zu bedenken ist hier jedoch, dass auch vegane Lebensmittel oft nicht nur voll von gesunden Inhalten, sondern auch von Schadstoffen sein können, wie jüngst ein Marktcheck der Verbraucherzentrale im deutschen Hamburg zeigte.

Die Herausforderung für eine gesunde Ernährung bleibt damit für alle ungefähr gleich: Man sollte bewusst und möglichst abwechslungsreich essen, aber auch darauf achten, woher Lebensmittel stammen und wie sie produziert wurden. Wer sich daran hält, kann sowohl als Flexitarier, wie auch als Veganer oder Vegetarier gesund essen.

Weitere Ernährungsformen: Frutarier und Freeganer

Neben dem Flexitarier, Veganer und Vegetarier gibt es aber auch weitere Ernährungsformen, die nicht nur gesundheitlich motiviert sind. Eine spezielle Weiterentwicklung des veganenen Lebensstils ist zum Beispel der Frutarier. Sie ernähren sich vegan, doch mit zusätzlichen Einschränkungen. Denn für Frutarier sollen auch Pflanzen möglichst wenig leiden. Sie essen daher meist Nüsse, Samen, Obst und Gemüse, welche beim Ernten die gesamte Pflanze möglichst gering schädigen.

In aller Regel politisch motiviert sind die Feeganer. Sie wollen ein Statement gegen die Konsumwelt setzen und verweigern sich ihr. Die bekannteste Ausprägung findet sich im «containern», dem durchwühlen von Kehrichttonnen nach Essbarem. Vor allem vor und an Supermärkten werden sie fündig. Genau das kritisieren die Freeganer dann auch: Das alltägliche Wegwerfen unserer Konsumgesellschaft.

Quellen: Destatis.de, Der Bund, Der Schweizer Bauer, Freegan.at, Wikipedia, Die Zeit

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann