Phänomen Flexitarier – so gesund essen Teilzeit-Vegetarier

Flexitarier leben meist vegetarisch, essen aber hin und wieder Fleisch. Welche Vorteile diese Ernährungsweise hat und wie Flexitarier einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren Fleischkonsum leisten.

Flexitarier: Teilzeit-Vegetarier und nachhaltig-gesunde Ernährung
Flexitarismus ist keine Diät zur Gewichtsreduktion, sondern viel mehr eine Esskultur und mehr als ein Trend – auch entsprechende Kochbücher gibt es bereits. Foto: Eva-Katalin/ E+
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Immer mehr Menschen zählen sich zu den sogenannten Flexitariern. Die Teilzeit-Vegetarier oder -Veganer wollen sich ausgewogen und gesund ernähren, ohne jedoch ganz auf Fleisch zu verzichten. Auch das Tierwohl ist ihnen ein grosses Anliegen.

Wir zeigen, was hinter der gesunden und genussvollen Esskultur steckt, warum Flexitarismus mehr als nur ein Trend ist, welche Lebensmittel gegessen werden und wie Flexitarier einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren Fleischkonsum leisten.

Flexitarier: die Bedeutung dahinter

Das Wort Flexitarier bedeutet «flexibler Vegetarier». Per Definition ernährt sich ein Flexitarier also hauptsächlich fleischlos, doch von Zeit zu Zeit isst er auch Fleisch oder Fisch.

Die Regelmässigkeit variiert allerdings stark. Durchschnittlich kommt Fleisch etwa ein- bis zweimal pro Woche auf den Teller.

Im Gegensatz zur Ernährung von Veganern können zudem auch Milchprodukte auf dem Speiseplan stehen, ebenso wie das Frühstücksei und der Honig. Allerdings achtet der Flexitarier darauf, dass tierische Lebensmittel anteilsmässig nicht den Mittelpunkt seiner Ernährung darstellen.

Warum Flexitarier nachhaltiger leben

Flexitarier sind sich bewusst, dass ein übermässiger Fleischkonsum für die Umwelt nicht sinnvoll ist. Weil Fleisch eine grössere CO2-Bilanz als pflanzliche Lebensmittel hat, setzen Flexitarier vorwiegend auf vegetarische oder sogar vegane Ernährung.

Fleisch und Fisch sind für sie Lebensmittel, die genussvoll gegessen und mit Bedacht in die Ernährung integriert werden. Qualität und Tierwohl sind ihnen wichtig.

Tierwohl und Umwelt im Vordergrund

Die Qualität betrifft dabei mehrere Ebenen: Das Tierwohl soll gewährleistet sein, wenn Fleisch gegessen wird. Die Tiere sollen artgerecht gehalten werden und wenn möglich sollen sie aus regionaler Grasland-Haltung und Bio-Betrieben stammen.

Indem der Flexitarier grossen Wert auf die Herkunft des Fleisches legt, unterstützt er nicht nur die Landwirtschaftsbetriebe, die eine artgerechte Haltung betreiben, sondern schwächt gleichzeitig Betriebe, die Fleisch aus konventioneller Massentierhaltung anbieten.

Diese Tatsache ist von grosser Bedeutung, denn sie wird für die Zukunft der Fleischwirtschaft eine wichtige Rolle spielen: Wenn immer mehr Menschen auf eine artgerechte Haltung und auf die Herkunft achten, steigt die Nachfrage entsprechend. So werden immer mehr Betriebe einen Grund haben, die Tierhaltung zu verbessern.

Naturnah und regional

Eine weitere Ebene betrifft die Umwelt und Nachhaltigkeit. Flexitariern ist es wichtig, dass das Fleisch, das sie essen, aus naturnahen Betrieben stammt. Dies bedeutet, dass die Tiere auf Bio-Höfen leben, die keine Pestizide oder chemische Düngemittel beim Anbau der Futtermittel verwenden oder den Tieren prophylaktisch grosse Mengen Antibiotika verabreichen. Die Tiere leben in artgerechten Herden und haben jederzeit Auslauf.

Zudem achten Flexitarier eher darauf, dass die Betriebe aus der Region stammen, damit die Transportwege so klein wie möglich sind.

Eine Umfrage zum Essverhalten der Schweizer, die das Marktforschungsunternehmens DemoSCOPE im Auftrag von Swissveg 2017 durchgeführt hat, ergab, dass sich bereits 17 Prozent der Schweizer Bevölkerung flexitarisch ernähren, 11 Prozent waren Vegetarier und 3 Prozent Veganer. Dass der Flexitarismus definitiv bei uns angekommen ist, bestätigt auch eine Studie des Forschungszentrums für Handelsmanagement der Universität St. Gallen. Die Resultate, der 2019 durchgeführten Studie zeigen, dass die Zahl der Veganer und Vegetarier leicht rückläufig ist. Nora Kralle, Mitautorin der Studie, sagt dazu: «Gleichzeitig zum Rückgang des Anteils der Vegetarier unter Veganer an der Bevölkerung, konnten wir beobachten, dass das Interesse an vegetarischen und veganen Lebensmitteln gestiegen ist. Die Konsumentinnen und Konsumenten scheinen sich somit vermehrt flexitarisch zu ernähren. Sie konsumieren Fleisch und tierische Produkte bewusster anstatt vollständig darauf zu verzichten.»

4 Gründe, weshalb Flexitarier gesünder leben

Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb der Flexitarismus so gesund ist.

1 Ausgewogene Ernährung

Da Proteine und andere wichtige Nährstoffe auch über tierische Lebensmittel aufgenommen werden, ist es viel einfacher, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, als zum Beispiel für Vegetarier oder etwa Veganer, die ihre Ernährung rein pflanzlich gestalten.

2 Viel Gemüse, wenig Fleisch oder Fisch

Auf dem Ernährungsplan stehen hauptsächlich gesunde vegetarische Lebensmittel und Gerichte mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Auch hier wird meist Wert auf Bio-Qualität gelegt. Fleisch oder Fisch kommt oft nur ein- bis zweimal pro Woche auf den Tisch. Die Ernährungsweise wird daher gerne auch als Diät genutzt.

3 Gesunde Lebensmittel

Weil flexitarisch lebende Menschen vorwiegend Bio-Fleisch essen, haben sie auch gegenüber herkömmlichen Fleischessern gesundheitliche Vorteile. Um schädliche Antibiotika oder anderen Zusätze, die Fleisch aus konventioneller Tierhaltung oft beinhaltet, müssen sie sich nicht sorgen. Die Lebensmittel, die sie essen, sind aufgrund der guten Qualität meist sehr gesund und schmecken erst noch besser.

4 Genussvoller Konsum ohne Verzicht

Da auf dem Speiseplan nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung steht und Fleisch als etwas Besonderes verstanden wird, kann bei dieser Ernährungsform der Genuss mit gutem Gewissen an oberster Stelle stehen. So schmeckt alles gleich doppelt so lecker.

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung der Coop-Nachhaltigkeitsinitiative «Taten statt Worte». Coop gehört laut Schweizer Tierschutz (STS) mit den Eigenmarken Naturaplan und Naturafarm zum Spitzenreiter, wenn es ums Engagement für Tierwohl und Tierschutz geht. Mit seinen Projekten zum Tierwohl nimmt Coop eine Pionierrolle in der Schweiz ein. Für ihr Engagement für das Tierwohl wurde Coop bereits sechsmal mit Bestnoten ausgezeichnet und landet in der Spitzengruppe ("Tier 1") des internationalen, unabhängigen Tierwohl-Ratings Business Benchmark on Farm Animal Welfare (BBFAW).

Nachhaltigleben

 

Buch-Tipp: Eines der erfolgreichsten Flexitarier-Kochbücher stammt von Cecilia Vikbladh: «Das Flexitarier-Kochbuch – Genussvoll leben mit viel Gemüse und wenig Fleisch.»

 

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