Der Einkaufsratgeber für Bio-Lebensmittel

Wer Bio-Lebensmittel kauft, hat die Qual der Wahl. Wo erhalten Schweizer Verbraucher die beste Qualität? Was gibt es beim Einkauf im Supermarkt, Biosupermarkt, Discounter, Reformhaus, Wochenmarkt und Biohof zu beachten? Der Einkaufsratgeber gibt Auskunft.

Der Einkaufsratgeber für Bio-Lebensmittel
Im Supermarkt lassen sich oft Bio-Lebensmittel günstig kaufen. Foto: © LuckyBusiness / iStock / Thinkstock
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Vom Naturjoghurt, Thurgauer Apfel bis zur Fertigpizza: Inzwischen erhalten Bio-Konsumenten alles, was Herz und Magen begehren. Ob Gelegenheits- oder überzeugter Bio-Käufer – viele wollen die Umwelt, die eigene Gesundheit und das Tierwohl mit der richtigen Produktwahl schützen. Deshalb spiegeln die Verkaufsregale von Supermarkt, Biomarkt, Reformhaus, Wochenmärkten, Läden im Biohof und neuerdings auch Discountern eine Vielfalt an Bio-Produkten wider.

Wo kauft man am besten Bio-Produkte – im Reformhaus oder im Supermarkt?

Bio gehört inzwischen für viele Schweizer zur eigenen Ernährungskultur. Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz rät, dass Verbraucher am besten dort einkaufen, wo Qualität, Preis und Verfügbarkeit stimmen und der Einkaufsort gut erreichbar ist. Welche Vor- und Nachteile haben Supermarkt, Biosupermarkt, Reformhäuser oder Bioläden?

Supermärkte verkaufen sowohl konventionell produzierte als auch gelabelte Bio-Lebensmittel. Konsumenten finden zwar ein breites Sortiment zu günstigen Preisen, aber wenig persönliche Beratung. Wer regionale Bio-Bauern unterstützen möchte, sollte aufpassen, welches Produkt im Einkaufswagen landet. Denn neben regionalen Bio-Produkten stehen Importe mit schlechterer Ökobilanz. Fazit: Besonders Bio-Gelegenheitskäufer können hier rasch und ohne grossen Aufwand einkaufen. Der Supermarkt hat ein Vollsortiment an preisgünstigen Bio-Produkten, doch fehlt Kunden häufig das Einkaufserlebnis und die Nähe zum Produzenten.

Biosupermärkte bieten Wahlfreiheit, denn Konsumenten finden hier Bio-Gemüse aber auch Bio-Fertiggerichte, zu günstigeren Preisen als im Naturkostladen. Dennoch bieten sie Bio-Importe aus Übersee, deren Ökobilanz von Experten kritisiert wird. Fazit: 100% Bio, aber Käufer müssen genau hinschauen, woher die Bio-Lebensmittel kommen.

Reformhäuser und Bioläden haben zwar ein kleineres Sortiment, punkten aber als kompetenter Ansprechpartner, mit Beratung und sehr häufig mit einem kleinen Angebot an frischen Bio-Lebensmitteln aus der Region. Bei ihnen kaufen meist Stammkunden, die Kundennähe schätzen. Fazit: Verbraucher erhalten im Fachladen nicht alles für den Wocheneinkauf, aber dafür regionale und nachhaltige Produkte. Allerdings sind die Produkte häufig deutlich teurer als im Supermarkt.

Immer mehr Konsumenten wollen den Einkauf mit allen Sinnen und in vollen Zügen auf dem Wochenmarkt geniessen. Hier haben sie das Gefühl, genau zu wissen, woher die Produkte kommen (Consumer Value Monitor). Deshalb werden auch Hofläden immer beliebter. Zwar stehen nur saisonales Bio-Gemüse und Obst zum Verkauf, doch hohe Qualität und die Produktion in kleineren Mengen sprechen für sich. Fazit: Verbraucher erhalten auf dem Wochenmarkt und auf dem Biohof nur saisonale Bio-Lebensmittel zu meist deutlich höheren Preisen als im Supermarkt. Dabei erfahren sie aber im persönlichen Kontakt, woher die Ware kommt und unterstützen nebenbei auch die regionale Landwirtschaft.

Die beste Lösung ist wohl der bewusste Einkauf, unabhängig vom gewählten Geschäft. Denn zukünftig entscheiden sich Verbraucher nicht nur für einen Einkaufsort, sondern für einen Mix aus Supermarkt, Discounter, Hofladen, Wochenmarkt und Reformhaus (Consumer Value Monitor). Simon Zeller von Labelinfo.ch fasst es so zusammen: «Ich bin der Meinung, dass Bioprodukte überall mit guten Gewissen gekauft werden können. Hauptsache ist, dass die Produkte mit einem anerkannten Umweltlabel ausgezeichnet sind. Ich würde aber deshalb nicht eine Empfehlung für gewisse Einkaufsläden aussprechen. Es sind nämlich andere Faktoren, die die Ökobilanz eines Produktes massgeblich beeinflussen.»

Die Ökobilanz gibt an, unter welchen Bedingungen Bio-Lebensmittel angebaut, verarbeitet transportiert und gelagert werden. Dabei kommen Einflussfaktoren wie z. B. Umweltbelastungen, aufgewendete Energie, Wasserverbrauch und Schadstoffbelastungen des Bodens zum Tragen.

Nicht immer lohnt sich für die Ökobilanz die Fahrt zum Hofladen.

Nicht immer haben Bio-Lebensmittel auch eine gute Ökobilanz. Foto: Elena Gaak, iStock Thinkstock

Gut zu wissen: Die Ökobilanz einer Bio-Fertigpizza unterscheidet sich kaum von der einer herkömmlichen Pizza. Jeder kann seine eigene Bilanz verbessern, indem er ab und zu auf Fleisch verzichtet und saisonales Obst und Bio-Gemüse aus der Region verzehrt. Wer nur wegen kleinen Einkäufen zum Biohof-Laden fährt, wird dennoch zum Umweltsünder. Der CO2-Ausstoss für die Autofahrt lässt die Öko-Vorteile der Lebensmittel schwinden. Entweder man steigt auf das Rad um oder bestellt Bio-Gemüse und Obst im Internet. Dort gibt es verschiedene Anbieter, die Gemüsekörbe nach Hause liefern. Linktipps: Bioline-Gemüsekiste, Quer beet, BioBouquet

Welche Bio-Produkte gehören in den Einkaufskorb?

Experten wie der Bio-Pionier Urs Niggli betonen, dass viel Gemüse und Früchte auf den Teller gehören. Denn nicht alle gelabelten Produkte sind auch für den täglichen Konsum bestimmt - eine Bio-Pizza ist nur in Massen gesund.

Brot, Früchte & Bio-Gemüse

Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Lässt man es langsam gären, dann erst bildet sich das volle Aroma aus. Abgesehen vom besseren Geschmack verwenden Biobäcker regionales Mehl und Bio-Eier. Wohingegen Grossbäckereien häufig importiertes Biogetreide verwenden.

Der Bio-Check von Stiftung Warentest bestätigt, dass Bio-Gemüse und Obst mit weniger Pestiziden belastet sind. Wissenschaftliche Studien fanden heraus, dass beispielsweise Biotomaten mehr entzündungshemmende und gefässstärkende Stoffe aufweisen als herkömmliche Tomaten, die mit Dünger behandelt wurden (University of California).

Fleisch

Eine steigende Zahl an Verbrauchern bevorzugt Fleisch und Eier aus tierfreundlicher Label-Produktion (Schweizer Tierschutz STS). Doch nur die wenigsten Supermärkte bieten Labelfleisch, Discounter so gut wie gar nicht. Deshalb ist der Gang zum Biometzger die erste Wahl.

Delikatessen, Gänse-, Enten- und Mulard-Stopfleber gehören nicht in den Warenkorb. Viele Supermärkte verzichten auch bereits darauf.

Fisch

Der WWF empfiehlt den Kauf einheimischer See- oder Biozuchtfische. Denn fast ein Viertel der weltweiten Fischbestände sind von Überfischung bedroht.

Aus Sicht der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) ist am nachhaltigsten, nur das zu kaufen, was man wirklich braucht. Denn wer beim Konsumieren spart, hilft Ressourcen zu schonen.

Text: Kerstin Borowiak

Was bedeutet Bio?

Bio-Lebensmittel werden ohne chemischen Dünger und ohne Zusatzstoffe produziert. Das legt die Bio-Verordnung des Bundes und die Verordnung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements über die biologische Landwirtschaft fest. Schädlingsbekämpfung erfolgt über natürliche Substanzen oder Hacken. Regelmässiger Auslauf ist für Tiere vorgesehen. Auch der Einsatz von Antibiotika und Futtermitteln ist besonders geregelt.

Linktipps

  • Nachhaltig einkaufen: In unserem Geofinder finden Sie Hofläden, Reformhäuser und Bio-Restaurants in Ihrer Nähe.
  • fibl.org – Das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau informiert rund um das Thema Bio-Lebensmittel und Produkte.
  • codecheck.info - Liefert Experteneinschätzungen was Bio-Label taugen via Webseite und App