Wie Sie mit CO2-Kompensation am besten Klimaschutzprojekte fördern

Die vom Mensch verursachte Klimaerwärmung bedroht die Lebensgrundlagen vor allem der ärmsten Länder, aber zunehmend auch den Lebensstandard der Industrieländer, mit unvorhersehbaren Folgen. Was kann jeder und jede gegen den Klimawandel unternehmen, neben Energieeffizienz-Massnahmen in Haushalt und Büro oder dem Verzicht auf unnötige Flugreisen?

CO2-Kompensation hilft, den Klimawandel aufzuhalten.
Das Prinzip der Klimakompensation. Foto: South Pole Carbon
  • 2

Fakten

Nach derzeitigem Stand der Forschung ist im Lauf der derzeitigen globalen Klimaerwärmung ein Temperaturanstieg von 1 bis 3,5°C bis zum Jahre 2050 zu erwarten - gemäss einer kürzlich erschienenen «worst case»-Studie der ETH Zürich sogar bis zu 5° Celsius. Als Folge werden Trockenzeiten und Hitzewellen ebenso zunehmen wie Flutwellen und Erdrutsche. Bereits jetzt sind die massiv zurückgehenden Alpengletscher deutliche Anzeichen des Klimawandels in Europa. Noch weit verheerender sind die Folgen in den ärmsten Regionen der Welt, die sich kaum vor steigendem Meeresspiegel und Ernteausfällen schützen können.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderung (IPCC) (www.ipcc.ch) der Vereinten Nationen hat in einer Studie errechnet, dass der Ausstoss von Treibhausgasen in die Atmosphäre drastisch reduziert und der weltweite Temperaturanstieg auf maximal 2°?C begrenzt werden muß, um unkontrollierbare Veränderungen unseres Planeten zu verhindern. Dies entspricht sogenannten «CO2-equivalenten» Emissionen von ein bis zwei Tonnen CO2 pro Mensch und Jahr - weltweit. Der jetzige Ausstoss liegt bei 4,6 Tonnen CO2 weltweit und sogar 10 Tonnen in Europa. Als stärkste Verursacher der derzeitigen Veränderungen stehen die bereits industrialisierten Länder in der Verantwortung, die globale Erwärmung zu minimieren - durch geeignete Massnahmen im eigenen Land, aber auch durch die Unterstützung von entsprechenden Projekten in Entwicklungsländern, wo mit dem gleichen Investitionsvolumen weit grössere Effekte erzielt werden können als im bereits relativ energie-effizienten Westen. Zudem können dank Technologietransfer in Schwellenländer schmutzige Zwischenschritte der Modernisierung dort «übersprungen» werden.

Was ist CO2-Kompensation?

Um die Klimaveränderung auf ein für Mensch und Umwelt erträgliches Maß einzugrenzen, müssen wir versuchen, möglichst wenige klimaschädliche Gase in die Atmosphäre freizusetzen. Trotzdem möchte natürlich niemand auf Mobilität verzichten oder im Winter frieren. Unvermeidbare Emissionen wie die Ihrer Heizung, Ihrer Geschäftsabläufe oder Reisen können jedoch mit aktiven Klimaschutzmassnahmen an einem anderern Ort ausgeglichen werden. Für das globale Klima nämlich spielt es (im Gegensatz zur Luftverschmutzung) keine Rolle, wo die unerwünschten Gase in die Atmosphäre gelangen, und wo sie reduziert werden - wichtig ist, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen in der Summe abnehmen. Es ist daher sinnvoll, Emissionen eines Ortes an einer anderen Stelle wieder einzusparen. Diesen Vorgang nennt man Kompensation.

Anbieter von Kompensationsleistungen sollten transparent offenlegen, auf welcher Grundlage sie die Berechnung der Emissionen ihrer Kunden durchführen (beispielsweise ob die Flughöhe mit ihrer besonderen Klimawirkung berücksichtigt wird), und nachvollziehbare Rechenmodelle verwenden. Diese Berechnungen ergeben dann den sogenannten CO2-Fussabdruck (einer Reise, eines Produktes oder eines Lebenswandels), der dann im nächsten Schritt durch die entsprechende Unterstützung eines Klimaschutz-Projektes neutralisiert wird, in welchem Emissionen aktiv vermindert werden. Üblich sind bequeme Online-Lösungen, in denen der Besucher seine diversen Emissionen berechnen und dann per Kreditkarte kompensieren kann.

Achten Sie darauf, ein konkretes Projekt auswählen zu können, gemäss Ihren Vorlieben zu Land, Technologie, Klimastandard oder sozialer Nebeneffekte - undurchsichtige Portfoliopakete sind weniger vertrauenswürdig. Mit einem persönlichen Zertifikat, einem Kompensationsbericht, Informationen zum unterstützten Projekt und möglichst noch einem Link zu den für Ihren Fussabdruck stillgelegten Klima-Zertifikaten in einer Registry können Sie sicher sein, dass Ihre Investition kein Ablasshandel ist, sondern tatsächlich dem Klima zugute kommt. Qualitäts-Zertifikate auch für Privatkunden und kleine und mittlere Unternehmen bietet beispielsweise der Carbon Webshop (https://shop.southpolecarbon.com) von South Pole Carbon (www.southpolecarbon.com) an.

Seriöse Entwickler von Kompensationsprojekten haben ihre Mitarbeiter vor Ort in den Schwellenländern und können nachweisen, dass ihre Projekte - wie zum Beispiel Ersatz fossiler Brennstoffe durch Biomasse, Bau von Laufwasser- statt Kohlekraftwerken, Wiederaufforstung oder Vermeidung von Methanemissionen auf Halden – seriöse Standards erfüllen, bereits arbeiten (keine unsicheren Zukunftsinvestitionen darstellen) und neben dem Klima auch der lokalen Bevölkerung zugutekommen (siehe: Welche Standards muss ein Klimaschutzprojekt erfüllen?). Da es sich bei Klimazertifikaten um ein virtuelles Gut handelt, ist die Wahl eines seriösen Anbieters sehr wichtig - nur so können Sie darauf vertrauen, dass Ihr Engagement auch wirklich Früchte trägt.

Blick über die Druckwasserleitung eines kleinen Laufwasserkraftwerkes auf den Fluss Nu, Yunnan, China.

Blick über die Druckwasserleitung eines kleinen Laufwasserkraftwerkes auf den Fluss Nu, Yunnan, China. Foto: South Pole Carbon