Neophyten: Wenn Pflanzen zur rasenden Bedrohung werden

Invasive Neophyten bedrohen die heimische Biodiversität oder unsere Gesundheit. Diese Pflanzenarten müssen daher gemeldet und bekämpft werden. Die wichtigsten Neophyten und wie man sie richtig bekämpft.

Neophyten
Schön anzusehen, aber stark invasiv: Gebietsfremde Arten verdrängen einheimische. Foto © Foto © iStock / Getty Images Plus, Collage: Redaktion Nachhaltigleben. 
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Viele Neophyten wie Edelkastanie, Baumnuss oder Kartoffel haben uns grossen Nutzen gebracht. Andere wie Ambrosia oder Goldrute, aber auch Kirschlorbeer oder Topinambur haben es in einer verwilderten Form in die Natur geschafft. Dort sind sie im Begriff unsere heimischen Pflanzenarten zu verdrängen. Sie wieder loszuwerden, ist gar nicht so einfach, denn die invasiven Arten breiten sich in der Natur rasend schnell aus.

So kamen die Neophyten nach Europa

Alle Pflanzen, die nach dem Jahr 1492, also nach der Entdeckung Amerikas, in Europa heimisch wurden, nennt man heute Neophyt, also «neue Pflanze». Sie wurden bei uns teilweise bewusst eingeführt zum Beispiel als Nutz- oder als Zierpflanze, andere wurden unabsichtlich eingeschleppt. Obwohl die Bezeichnung mit der Entdeckung Amerikas aufkam, stammen keineswegs alle Neophyten vom amerikanischen Kontinent stammen. Einige Arten stammen beispielsweise aus Asien.

Hilfreiche vs. invasive Neophyten

Viele der neuen Pflanzenarten sind hilfreich und nahrhaft, wie die Kartoffel, die Tomate, Peperoncini oder die Heilpflanze Echinacea.

Es sind allerdings einige dabei, die mithilfe des Menschen oder auch durch eigene Verbreitung mehr oder weniger schädlich wurden: schädlich für einheimische Arten oder gar für den Menschen. Die eingeführten schädlichen Vertreter nennt man heute invasive Neophyten

Laut Neophyt.ch gibt es in der Schweiz rund 550 Arten, die sich bei uns angesiedelt haben. Davon sind aber nur rund 10 Prozent schädlich. Konkret gelten in der Schweiz 41 invasive Arten als schädlich, 17 als potentiell schädlich. 

Auf der sogenannten Schwarzen Liste sind alle invasiven Neophyten aufgelistet, deren Vorkommen und Ausbreitung verhindert werden müssen, da ihr Schaden für die biologische Vielfalt oder für die Gesundheit erwiesen hoch ist.

Auf der Beobachtungsliste, der Watch List, sind alle Arten aufgeführt, deren Vorkommen und Ausbreitung beobachtet werden müssen, weil vermutet wird, dass die Gefahr einer biologischen Invasion besteht.

Beide Listen können auf der Webpage der Stiftung Info Flora heruntergeladen werden.

Neben Neophyten gibt es auch Neozoen. Das sind Tiere, die sich invasiv in einem Gebiet verhalten, in dem sie zuvor nicht einheimisch waren. Neozoen und Neophyten fasst man unter dem Begriff Neobiota zusammen.

Die wichtigsten invasiven Neophyten in der Schweiz

Sommerflieder zählt zu den Neophyten
Gerade wegen seiner üppigen Blüten bedroht Sommerflieder die Biodiversität. Foto © iStock / Getty Images Plus

Im Garten gerne gesehen und ein reicher Nektarspender für Schmetterlinge und Bienen ist der Sommerflieder (Buddleja). Leider zählt er zu den invasiven Arten, die sich rasend schnell verbreiten. Manche Bachläufe oder Flussauen sind mit ihm zugewachsen, was der Biodiversität grossen Schaden zufügt.

Ambrosia ist ein invasiver Neophyt
Ambrosia ist ein giftiger Neophyt. Foto © iStock / Getty Images Plus

Gefürchtet ist auch die Ambrosia (Beifussblättriges Traubenkraut). Sie ist oft in Vogelfuttermischungen enthalten. Dort, wo sie aufgeht, verbreitet sie sich rasend schnell und sorgt mit ihren Pollen für allergische Reaktionen, die bis hin zur Atemnot führen können.

Riesen-Bärenklau
Riesen-Bärenklau wächst bis zu drei Meter in die Höhe. Foto © iStock / Getty Images Plus

Der Riesen-Bärenklau, eingeschleppt aus Asien, wirkt phototoxisch. Das heisst, kommt es zum Hautkontakt, wird insbesondere unter Sonneneinwirkung eine heftige Hautreaktion ausgelöst, die einer Verbrennung 2. bis 3. Grades ähnelt. Die auch Herkulesstaude genannte Pflanze verbreitet sich gerne an Waldrändern und verdrängt durch ihre Grösse alle anderen Pflanzen. Von den Bärenklaugewächsen gibt es auch europäische Varianten, die bei Weitem nicht so giftig sind. 

Drüsiges Springkraut oder indisches Springkraut
Drüsiges Springkraut oder Indisches Springkraut wächst bis zu zwei Meter hoch. Foto © iStock / Getty Images Plus

Auch das Drüsige Springkraut ( oft auch indisches Springkraut) verdrängt die Schweizer Flora. An sich hübsch anzuschauen mit seinen rosa bis weissen Blüten, gilt das als Zierpflanze eingeführte Gewächs als schädlich, da es sich schnell verbreitet – es schleudert seine Samen meterweit. Vor allem an Gewässern wuchert die invasive Pflanze alles zu. Einzige Chance, der Pflanze Herr zu werden: einzeln ausgraben. In der Schweiz gehört das Drüsige Springkraut zu den verbotenen Pflanzen.

Amerikanische Goldrute
Die Amerikanische Goldrute erinnert mit ihrer Farbe ein wenig an heimischen Raps. Foto © iStock / Getty Images Plus

Die mit ihren goldgelben Blütenähren besonders hübsche Amerikanische Goldrute ist ebenfalls ein invasiver Neophyt. Schnell werden ganze Wiesen und grosse Flächen von der Pflanze eingenommen. Dies trifft auch auf die Kanadische Goldrute zu.

Robinie
Die Robinie wird auch falsche Akazie oder Silberregen genannt. Foto © iStock / Getty Images Plus

Geschätzt für ihr hartes Holz mit gutem Brennwert, ist auch die Robinie ein invasiver Neophyt. Leider verdrängt die Robinie, dort wo sie wächst, alle Sträucher und Bäume, da ihre Wurzeln ein Gift aussondern, das die allermeisten heimischen Pflanzen nicht mögen.

Kirschlorbeer oder Lorbeerkirschstrauch
Kirschlorbeer verbreitet sich dank der Beeren sehr agressiv und verdrängt heimische Pflanzen. Foto © iStock / Getty Images Plus

Der Kirschlorbeer ist bei Gartenbesitzern äusserst beliebt, weil er als Hecke ein sehr pflegeleichter Sichtschutz bildet. Doch seine aggressive Ausbreitung verdrängt heimische Pflanzen. Vögel fressen die dunkelblauen Beeren und verteilen die Samen durch ihren Kot auch in Wäldern und Naturschutzgebieten. Kirschlorbeer zählt deshalb zu den invasiven Pflanzenarten und ist auch auf der schwarzen Liste vermerkt.

Japanknöterich
Der Japanknöterisch oder Japanische Staudenknöterich wächst besonders schnell und ist sehr robust. Foto © iStock / Getty Images Plus

An Ufer, Strassen- oder Eisenbahnböschungen wächst der Japanische Staudenknöterich oder kurz Japanknöterich. Diese invasive Art verdrängt nicht nur die einheimische Flora und schadet so der Biodiversität. Die Pflanze kann durch ihre austreibenden Wurzeln auch grossen Schaden an Gebäuden oder Mauern verursachen.

Wie Sie Neophyten richtig bekämpfen

Die Bekämpfung von Neophyten, die auf der Schwarzen Liste aufgeführt sind, ist gesetzlich vorgeschrieben. Wer eine dieser Arten entdeckt, muss den Fundort der zuständigen Gemeinde melden. 

Wer selber etwas gegen die invasiven Pflanzen tun will, kann dies mithilfe des Online-Feldbuchs von Info Flora tun. Hier werden nicht nur Fundort, sondern auch die durchgeführten Bekämpfungsmassnahmen und die Erfolgskontrolle erfasst.

Das sollten Sie bei der Bekämpfung beachten

  • Vergewissern Sie sich, dass es sich wirklich um schädliche gebietsfremde Pflanzen handelt.
  • Reissen Sie die Pflanzen mit der Wurzel aus, am besten zu Beginn der Blüte.
  • Entsorgen Sie die Pflanzen im Abfall, damit die Samen nicht verteilt werden.

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