Mit nachhaltigen Möbeln gesünder wohnen

Wer gesund wohnen möchte, kauft nachhaltige Möbel. Massivholzmöbel liegen aufgrund ihrer Langlebigkeit voll im Trend. Dennoch erhalten neue Ansätze wie Recyclingmöbel und Cradle-to-Cradle immer mehr Beachtung.

Nachhaltige Möbel sind im Trend.
Immer mehr Schweizer legen wert auf langlebige und zeitlose Möbel aus nachhaltigen Materialien. Foto: © archideaphoto / iStock / Thinkstock
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Die eigene Wohnung ist der Ruhepol im hektischen Alltag. Hier spielt sich das Leben ab, wobei Möbel eine grosse Rolle spielen. Beim Einrichten geht der Trend zu Altbewährtem und zu Qualität. Auch in diesem Bereich setzt sich der Gedanke der Nachhaltigkeit inzwischen durch. Statt modischer Schnäppchen suchen Schweizer multifunktionale, langlebige und zeitlose Möbel, mit denen sie das Leben teilen können.

Ökomöbel aus Holz sind treue Begleiter

Massivholzmöbel sind mehr denn je gefragt. Holz ist ein lebendiges Material, das Räumen eine gewisse Wärme geben kann. Doch statt Omas robuster Kommode gibt es inzwischen moderne Massivholzmöbel. Die Zeit der Schnäppchenjäger scheint vorbei. Holz ist in der Schweiz ein wichtiger, nachwachsender Rohstoff, der für Nachhaltigkeit steht. Simone Stammbach vom WWF Schweiz rät: «Der WWF empfiehlt Holz-Möbel mit dem FSC-Zertifikat zu kaufen. FSC steht für eine umwelt- und sozialverträgliche Waldnutzung. Generell sind Massivholzmöbel, Einrichtungsgegenständen aus Holzwerkstoffen vorzuziehen. Je langlebiger ein Möbel ist, desto nachhaltiger ist es.» Gibt es beim Händler keine FSC-zertifizierten Möbel, sollten Verbraucher nachfragen, ob und wann diese im Sortiment zu erwarten sind. Im Gegensatz zu Inventar aus Spanplatten und ähnliche Holzwerkstoffen enthalten Massivhölzer keine Bindemittel. Es reicht aus, deren Oberflächen mit Öl und Wachs zu behandeln und auf Lacke zu verzichten.

Mit Ökomöbeln gesund und umweltschonend wohnen

In vielen Möbeln verstecken sich giftige Stoffe. Oftmals verwendet man Formaldehyd bei günstigem Mobiliar aus Span- oder MDF-Platten, was mit der Zeit ausgast. Lacke, Holzimitate und Kunststoff belasten zudem die Umwelt. Diese Materialien sind wenig robust, kaum reparabel und können schlecht entsorgt werden. Wie beim ökologischen Bauen sind hochwertige Ökomöbel aus Naturmaterialien eine gute und gesunde Wahl.

Biotextilien: Bezüge für nachhaltige Möbel

Manche Möbelteile nutzen sich schneller ab, so z.B. die Bezüge von Sitzmöbeln. Inzwischen kann man diese Stoffe abziehen und durch neue ersetzen. Wirklich nachhaltig wird eine Couch erst, wenn die Textilien aus umwelt- oder tierverträglicher Produktion stammen, wie u.a. Schurwolle, Biobaumwolle und Bioleinen.

FSC Siegel: Rattan aus dem asiatischen Regenwald

Über die Grenzen hinweg setzt sich der WWF für die umwelt- und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung ein. Inzwischen gibt es FSC zertifizierten Rattan aus der Mekong Region. Da das Naturprodukt eine wichtige Einnahmequelle für die Region ist, ist es notwendig, das Material nachhaltig zu produzieren. Mit einer konventionellen Herstellung übernutzt und schädigt man sowohl den Regenwald als auch die Rattanpflanzen. Da giftige Stoffe bei der Verarbeitung eingesetzt werden, belastet man Boden, Luft, Wasser und die Gesundheit der Arbeiter. Die FSC-Zertifizierung zielt zudem darauf ab, Energie, Abfälle, Wasserverschmutzung und Emissionen zu verringern - um daraus naturverträgliche Produkte herstellen zu können. Weitere Information gibt der WWF Schweiz.

Problem Tropenholz

Ein Fussballfeld grosses Stück Regenwald verschwindet alle zwei Sekunden. Aus diesem Tropenholz entstehen auch Möbel für Europa. Obwohl sich Umweltorganisationen für das Thema einsetzen, zeigt der diesjährige Bericht der Internationalen Tropenholzorganisation ITTO, dass noch weniger als zehn Prozent der Regenwaldnutzung nachhaltig abläuft.

Beim Wohnen mit nachhaltigen Möbeln fühlt man sich einfach wohl.

Wohnen mit nachhaltigen Möbeln ist schön und man fühlt sich wohl. Foto: © Jupiterimages / Photo.com / Thinkstock

Gegen wachsende Müllberge und Giftstoffe ist eine neue Idee gewachsen: Cradle to cradle. Damit verfolgt man die komplette Rückgewinnung von Möbeln und Heimtextilien, wobei Deponien und Recycling wegfallen. Die Einrichtungsgegenstände werden nach der Nutzung zerlegt und die Einzelteile zu neuen Möbeln zusammengebaut. So entsteht ein Kreislauf, der von der Natur kopiert wurde. Deshalb plant man die Produkte ohne giftige Stoffe oder Hilfsmittel, wie synthetische Öle. Um eine Kompostierung oder Neukonstruktion zu ermöglichen, sind u.a. toxische oder krebserregende Farben nicht erlaubt. Infolgedessen senkt sich auch die Umweltbelastung. In der Schweiz unterstützt die EAPA Switzerland Möbel- und Textilhersteller. Das Cradle to Cradle Zertifikat in Silber erhielt der Schweizer Bürostuhl von giroflex. Von den Rollen bis zum Stahlrohr sind die Stühle zerlegbar und sortenrein zu trennen. Schaumstoffe und Polster bestehen aus rezyklierbarem Material. Die Firma Gessner stellt vollständig kompostierbare Bezüge aus Wolle und Zellulose her, die sich vorzugsweise für Büroeinrichtung eignen. Mit dem Cradle-to-Cradle-Prinzip haben Möbelstücke nun mehr als nur ein «Leben».

Multifunktional: Aus einem Computer wird ein Katzenhaus

Designgut stellt eine Idee für ausgeschlachtete Computergehäuse vor: Nachdem man das Innenleben fachgerecht entsorgt hat, kann man aus dem Rest ein gemütliches Katzenheim basteln. Der Boden wird mit einem alten Kissen und Stoffen ausgelegt. Ein gutes Beispiel für umfunktionierte Wiederverwertung.

Recyclingmöbel: Neues mit Geschichte

Aus Alt mach Neu: Bei Möbeln aus Holz oder anderen Materialien ist wichtig, dass kein Kleber verwendet wird. Sonst entstehen aus einer unsauberen Trennung minderwertige Wiederverwertungsprodukte. Der Schweizer Peter Krebs baut hingegen Recyclingmöbel mit Geschichte. Aus gebrauchten Weinkisten entstehen individuelle Tische, Sideboards und Kommoden. Aufdrucke und Spuren der Zeit erzählen eigene Geschichten. Die Unikate zeigen auch, dass den Eigentümern die Umwelt am Herzen liegt. Ferner werden Schubladen, alte Matratzen, Stoffe und andere bereits gebrauchte Teile von Möbeldesigner neu zusammengebaut. Damit setzen sie ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Das vermitteln auch Hocker aus Olivenölkanistern von rafinesse & tristesse.

Kartonmöbel: In einem Pappbett lässt sich gut träumen

Wenn man umzieht, verpackt man seine Möbel für gewöhnlich in stabile Pappkartons. Inzwischen verzichten immer mehr Menschen darauf und greifen gleich zu Kartonmöbeln. Weit verbreitet sind Schubladen, aber auch Pappbetten werden angeboten. Diese bestehen meist aus Altpapierbahnen, die mit Naturbindemitteln verklebt sind. Das Bett kann in seiner Grösse verändert werden. Dafür steckt oder schiebt man die Einzelteile immer wieder neu zusammen. Wer Interesse an diesen Pappmöbel hat, kann sich darüber auf Möbelauskarton informieren.

Was man beim Einkauf von nachhaltigen Möbeln unbedingt beachten sollte:

 

  • Augen auf beim Möbelkauf: Wer auf das FSC-Gütesiegel und PEFC achtet, geht sicher, dass das Holz aus umwelt- und sozialverträglicher Waldbewirtschaftung stammt. Der Blaue Engel zeigt, ob das Mobiliar ohne Schadstoffe gefertigt wurde. Gibt es keinen Hinweise auf Herkunftsland oder Umweltverträglichkeit, sollte man beim Verkaufspersonal nachhaken.
  • Schweizer Produkte: Lokale Herstellung garantiert kurze Transportwege und Sozial- sowie Umweltstandards (im besten Falle CO2-neutrale Produktion, wenig Energieverbrauch)
  • Holz statt Plastik: Einrichtungsgegenstände aus nachwachsenden Rohstoffen und aus Recyclingmaterialien sind Kunststoffen vorzuziehen.
  • Langlebig: Qualitativ hochwertige Möbelstücke sind besser, weil sie zudem reparabel, zeitlos, multifunktional und umbaubar sind.
  • Wiederverwertbar: Die Materialien sollten rezyklierbar und einfach zu trennen sein.
  • Sitzbezüge: Die Textilien sollten nachhaltig produziert und im besten Fall mit Naturfarbe eingefärbt worden sein.

 

Linktipps:

 

Text: Kerstin Borowiak, Quellen: wwf, greenpeace, Energiestadt Aesch, Pfister, bmf, giroflex, EAPA Switzerland, Gemeinde Horw, Wikipedia, energie-umwelt.ch

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