Mein Auto, dein Auto: Die 5 besten Carsharing-Anbieter Fabienne Leisibach Durchschnittlich eine Stunde am Tag wird ein Auto in der Schweiz benutzt, sonst steht es ungenutzt auf dem Parkplatz. Mit Carsharing soll sich dies ändern. Wir zeigen die besten Carsharing-Angebote, wie sie funktionieren – und wie du als Familie das passende Modell findest. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Maximale Mobilität, aber kein eigenes Fahrzeug? Carsharing macht's möglich. Foto: © George Marks/ Retrofile RF Welche Art Carsharing passt? Carsharing ist nicht gleich Carsharing. Damit du im Alltag (Kinderarzt, Grosseinkauf, Ausflug, Umzug) nicht unnötig Zeit oder Geld verlierst, hilft es, zuerst die passende Form zu wählen. In der Schweiz sind vor allem drei Modelle verbreitet: Stationbasiert (Return): Du holst das Auto an einer festen Station ab und bringst es dorthin zurück. Oft gute Verfügbarkeit, transparentes Parkieren – ideal für planbare Fahrten. One-Way / flexible Rückgabe (je nach Anbieter): Du gibst das Auto an einem anderen Ort oder innerhalb einer Zone zurück. Praktisch, wenn du einen Weg sparst (z.B. Wohnung wechseln, Bahnhof–Zuhause). Privat / Peer-to-peer: Du mietest ein privates Auto in der Nähe. Kann preislich attraktiv sein und ist oft in Regionen interessant, wo es wenige Stationen gibt. So entscheidest du: Strecke, Zeitdruck, Parkplatz, Budget Diese Mini-Entscheidmatrix hilft dir, in 30 Sekunden eine Richtung zu wählen: Du wohnst in der Stadt und brauchst spontan ein Auto (z.B. plötzlicher Termin, Regen, Sportmaterial): Stationbasiert oder One-Way – je nachdem, wie leicht du die Rückgabe organisieren kannst. Du wohnst in der Agglo und fährst eher geplant (Einkaufen, Familienbesuch): Stationbasiert ist oft am stressärmsten, weil Parkieren und Rückgabe klar geregelt sind. Du wohnst ländlich oder in einer Region mit wenig Stationen: Privates Carsharing kann die grössere Auswahl in deiner Nähe bieten. Du hast Zeitdruck (Kinder im Auto, Anschlusszug): Nimm ein Modell mit klarer Rückgabe-Regel und möglichst kurzer Fussdistanz zum Auto. Du willst Kosten planbar halten: Achte auf das Verhältnis Zeit- vs. Kilometerkosten und lies die Regeln zu Verspätung und Reinigung vor der ersten Fahrt. 3 typische Nutzerprofile: «Alltags-Helfer:in»: 1–3 kurze Fahrten pro Monat (Arzt, Sperrgut, Baumarkt). Oft reicht ein günstiges Einsteiger-Abo oder ein Tarif ohne Fixkosten. «Ausflugs-Familie»: 1 Tagesausflug pro Monat (Zoo, Wandern). Wichtig: Kindersitz-Plan, genügend Platz, Kilometerkosten vergleichen. «Ohne eigenes Auto, aber regelmässig mobil»: mehrere Fahrten pro Woche. Ein Abo mit tieferen Minuten-/Kilometerpreisen lohnt sich oft schneller als gedacht. Carsharing vs. Automieten: Beim Carsharing steht das gemeinschaftliche Nutzen von Fahrzeugen im Vordergrund. Als registriertes Mitglied profitierst du – anders als bei der klassischen Automiete – meist von einem Preis, der sich aus der Dauer der Nutzung und der Kilometerzahl ergibt. Carsharing-Formen in der Schweiz: stationbasiert, free-floating, privat In der Praxis verschwimmen die Begriffe manchmal, weil Anbieter unterschiedliche Produkte kombinieren. Entscheidend ist, wie du das Auto findest, öffnest und zurückgibst: Stationbasiert: feste Parkplätze, Rückgabe am gleichen Ort; ideal, wenn du mit Kindern nicht lange nach einem legalen Parkplatz suchen willst. Free-floating / Zonenmodell (falls verfügbar): Autos stehen in einer Zone, Rückgabe innerhalb dieser Zone; alltagstauglich, aber du musst die Rückgabezone wirklich genau einhalten. Privat (Peer-to-peer): Abholung bei privaten Standorten, teils mit Schlüsselbox; gut für Regionen ohne dichtes Stationsnetz. 1 Privates Carsharing über 2EM Über die Plattform 2EM können Autobesitzer und Autosuchende in Kontakt treten und die gemeinsame Autonutzung koordinieren. Beide Parteien sind über eine Versicherung gedeckt. Wenn du ein Fahrzeug suchst, kannst du dich über die Seite informieren, wo es in deiner Nähe ein verfügbares Fahrzeug auszuleihen gibt. Die Suche kann dabei entweder nach gewünschter Automarke oder nach Ort und Datum geführt werden. Sobald du ein Auto gefunden hast, reservierst du es direkt über dein Smartphone. Wenn du hingegen das eigene Auto mit anderen teilen möchtest, kannst du es bei 2EM registrieren und zur Verfügung stellen. Den Preis legst du selber fest, wobei du aber von der Plattform eine Empfehlung bekommst. Besonders praktisch: Dank einem Keybox-System können Fahrzeuge auch in Abwesenheit des Vermieters abgeholt werden. Familien-Tipp: Kläre vorab per Buchungsdetails, ob Kindersitze vorhanden sind oder ob du deinen eigenen (inkl. Befestigungsart: Isofix/Gurt) mitnehmen musst. Plane dafür bei der ersten Fahrt ein paar Minuten extra ein. 2 Catch a Car mit Mobility Carsharing Das grösste Carsharing-Unternehmen in der Schweiz ist die Mobility Genossenschaft. An über 1500 Standorten kannst du in der Schweiz Autos verschiedener Grössen ausleihen, vom Klein- bis zum Lieferwagen. Nachdem du auf der Webpage von Mobility ein passendes Abo gewählt hast, reservierst du dein Fahrzeug am gewünschten Standort ganz einfach per App. Je nachdem, was du gerade vorhast, wählst du Mobility-One-Way oder Mobility-Return. Die Kosten setzen sich zusammen aus Abo-Gebühr, gewähltem Mobility-Auto, gefahrenen Kilometern und Zeitspanne. Besonders praktisch: Sowohl für Gelegenheits- als auch für passionierte Fahrer gibt es passende Abos. Familien-Tipp: Wenn du mit Kindern unterwegs bist, ist «Return» oft entspannter: Du weisst von Anfang an, wo du das Auto legal zurückgibst – und musst am Ende nicht zusätzlich eine Zone oder Alternativparkplätze prüfen. 3 Ondemand Europcar: Carsharing mit oder ohne Abo Nachdem du dich bei Europcar On Demand registriert hast, kannst du per App rund um die Uhr Wagen buchen und ausleihen. Standorte gibt es in den Städten Basel, Bern, Zürich, Luzern, Lausanne und Genf. Bezahlt wird nach Rückgabe per Kreditkarte. Wenn du häufiger ein Auto fährst, ist ein Abo oft eine gute Lösung, weil es von einem tieferen Stunden- und Kilometer-Preis ausgeht. Besonders praktisch: Spezielle Pauschal-Angebote für Firmen, Gemeinden oder Überbauungen. Familien-Tipp: Wenn du weisst, dass du regelmässig fährst (z.B. jede Woche Training oder Grosseltern), rechne einmal durch, ob ein Abo deinen Stunden- und Kilometerpreis deutlich senkt. Oft ist nicht die einzelne Fahrt teuer, sondern die Summe aus Zeit + Distanz. 4 Über E-Drive Carsharing einen Tesla mieten Klassisches Carsharing, aber mit E-Autos, bietet die Plattform E-Drive. So wird die Umwelt gleich doppelt geschont – zumal die Fahrzeuge mit Sonnenenergie aufgeladen werden. Per App kannst du dich registrieren und danach den gewünschten Wagen mieten. Berechnet wird nur, was auch gefahren wurde. Grundgebühren gibt es keine. An über 20 Standorten in der Deutschschweiz stehen Marken wie Tesla oder der Renault Zoe zur Auswahl. Besonders sinnvoll: Das eigene Elektrofahrzeug kannst du ebenfalls als Carsharing-Auto registrieren. Familien-Tipp: Plane bei E-Autos immer eine kleine Reserve ein: Ladezustand, Ladezeit und die Frage, ob du am Ziel laden kannst. Gerade mit Kindern ist «knapp» selten die beste Strategie. 5 Carsharing regionale Anbieter Einige Anbieter in der Schweiz sind nur in einzelnen Regionen tätig. Halte also die Augen offen, vielleicht gibt es auch in deiner Umgebung ein passendes Angebot! Übrigens: Gerade die kleinen Anbieter sind oft auf umweltfreundliche Lösungen bedacht, die auch noch günstig sind. Aargau: E-Cargovia bietet Elektroautos an, die mit Aargauer-Naturstrom laufen. Zürich, Zimmerbergregion: E-Zimmerberg vermietet ein Carsharing-Fahrzeug, das mit 100 % Solarstrom aus Wädenswil betrieben wird. Luzern, Gemeinde Entlebuch: Sponti-Car bietet der Bevölkerung ein E-Auto zur Miete an. Graubünden, Schams: Im Naturpark Beverin können zwei Fahrzeuge ausgeliehen werden. Carsharing in der Praxis: die 10-Minuten-Checkliste Wenn du Carsharing neu nutzt, fühlt es sich am Anfang oft «aufwendiger» an als ein eigenes Auto. Mit dieser Checkliste bist du in 10 Minuten startklar und vermeidest die häufigsten Ärgernisse. Registrierung & Verifikation Ausweis/Führerausweis bereithalten: Verifikation kann je nach Anbieter kurz dauern. Mach das nicht erst 5 Minuten vor Abfahrt. Zahlungsmittel prüfen: Hinterlege eine Karte, die online funktioniert, und kontrolliere, ob das Limit reicht (Kaution/Autorisierung möglich). Familien-Orga: Kläre, wer fahren darf (Partner:in, Grosseltern) und ob zusätzliche Fahrer:innen registriert werden müssen. Buchen, Öffnen, Start-Check Genug Zeit einplanen: Für die erste Buchung 10–15 Minuten Puffer einrechnen, besonders mit Kindern. Auto aussen und innen kurz prüfen: Kratzer, Dellen, Felgen, Innenraum. Mach Fotos direkt in der App oder mit deinem Handy, bevor du losfährst. Kindersitz sicher montieren: Wenn du unsicher bist, nimm dir Zeit. Ein wackelnder Sitz ist ein No-Go. Unterwegs: Tanken/Laden, Sauberkeit, Regeln Tanken/Laden-Regeln kennen: Manche Angebote haben eine Tank-/Ladekarte im Auto, andere verlangen, dass du selbst bezahlst und später abrechnest. Sauberkeit: Kurz auslüften, Müll mitnehmen. Bei starker Verschmutzung drohen Zusatzkosten. Fahrzeugkategorie passend wählen: Kinderwagen und Taschen brauchen mehr Platz, als man denkt. Lieber eine Nummer grösser buchen als quetschen. Rückgabe richtig: Parkieren, Belege, Fristen Rückgabe-Ort exakt einhalten: Station, Parkplatznummer oder Zone. Falsch parkiert wird schnell teuer. Frist beachten: Bei Verspätung entstehen oft Minuten- oder Pauschalgebühren, und du blockierst eine Folge-Buchung. Belege sichern: Wenn du tankst/lädst oder Parkgebühren bezahlst: Quittung aufbewahren und gemäss Anbieter-Regel einreichen. Fehler vermeiden – das sind die Klassiker: (1) Keine Fotos beim Start gemacht. (2) Rückgabezone übersehen. (3) Auto nicht korrekt abgeschlossen/Beendigung in der App vergessen. (4) Tank-/Lade-Regel falsch verstanden. (5) Zu knapp geplant und dadurch verspätet zurückgegeben. Carsharing von A-Z So läuft eine typische Carsharing-Fahrt ab – unabhängig vom Anbieter: Registrieren (Identität, Führerausweis, Zahlungsmittel) Auto suchen (Station/Zone, Datum, Fahrzeuggrösse) Buchen (Zeitfenster + ggf. Kilometerpakete) Öffnen (App/Badge/Keybox) Start-Check (Fotos, Sauberkeit, Tank/Ladezustand) Fahren (Regeln zu Tanken/Laden beachten) Rückgabe (korrekt parkieren, schliessen, Buchung beenden) Abrechnung (Zeit + Kilometer + Extras) Wenn du das einmal sauber durchgespielt hast, wird Carsharing schnell Routine. Kosten, Haftung & typische Fallen Preise, Zonen und Versicherungsbedingungen können sich je nach Anbieter und Region ändern. Lies vor der ersten Fahrt kurz die Tarif- und Versicherungsübersicht in der App oder im Kundenkonto. Zeit- vs Kilometer-Tarif verstehen Fast alle Modelle kombinieren Zeitkosten und Kilometerkosten. Daraus ergeben sich zwei typische Situationen: Kurze Strecke, lange Dauer (z.B. Stadtverkehr, Stau, Kinder ein- und ausladen, Zwischenstopps): Hier schlagen die Zeitkosten stärker zu Buche. Lange Strecke, kurze Dauer (z.B. Autobahn zum Ausflugsziel): Hier dominieren eher die Kilometerkosten. Praktisch: Wenn du unsicher bist, simuliere vorab zwei Varianten in der App (z.B. 2 Stunden/20 km vs. 2 Stunden/60 km). So merkst du schnell, welche Komponente «teuer» wird. Typische Zusatzkosten Verspätete Rückgabe: Gebühren pro Minute oder Pauschalen sind häufig, zusätzlich kann eine Vertragsstrafe drohen, wenn Folge-Buchungen betroffen sind. Reinigung: Starke Verschmutzung (Sand, Tierhaare, Essensreste) kann kostenpflichtig sein. Mit Kindern lohnt sich eine kleine «Auto-Tasche» (Abfallsack, Feuchttücher). Falsch getankt/geladen: Bei Verbrennern: falscher Treibstoff. Bei E-Autos: Ladeabbrüche, falsches Kabel-Handling oder nicht eingehaltene Lade-Regeln können Zusatzaufwand und Kosten verursachen. Parkieren: Falsch parkieren oder ausserhalb von Zonen/Stationen abstellen ist ein häufiger Kostentreiber (Gebühren, Bussen, Abschleppen). Selbstbehalt & Schaden melden Auch wenn du vorsichtig bist: Kleine Schäden passieren. Wichtig ist, dass du strukturiert vorgehst: Sofort dokumentieren: Fotos aus mehreren Winkeln, auch Detailaufnahme. Wenn möglich Datum/Uhrzeit im Foto-Log. In der App/Hotline melden: Nicht warten bis zur Rückgabe, wenn es sicherheitsrelevant ist (z.B. Reifen, Licht, Spiegel). Unfall/Schadenformulare beachten: Je nach Situation braucht es eine offizielle Meldung. Selbstbehalt kennen: Prüfe vorab, wie hoch er ist und ob du ihn gegen Aufpreis reduzieren kannst. Das ist besonders relevant, wenn du das Auto selten nutzt und «einmal Pech» dein Budget sprengen würde. Merke: Die beste Absicherung ist oft nicht «mehr fahren», sondern am Anfang konsequent Fotos machen und die Rückgabe-Regeln einhalten. So zahlst du nicht für Schäden, die schon vorher da waren. Nachhaltigkeits-Shortcut Viele Familien wählen Carsharing wegen Kosten und Flexibilität. Der Umweltaspekt ist ein Bonus – und wird besonders dann gross, wenn Carsharing hilft, ein eigenes Auto zu ersetzen oder ein Zweitauto zu vermeiden. Wann Carsharing das eigene Auto schlägt Als grobe Orientierung: Wenn du selten fährst, Fahrten gut planbar sind und du vieles zu Fuss, mit Velo oder ÖV erledigst, ist Carsharing oft die stressärmere und günstigere Lösung. Wenn du hingegen täglich fährst, häufig kurzfristig lange Strecken machen musst oder du am Wohnort kaum Alternativen hast, kann ein eigenes Auto praktischer sein. Viele Familien landen dazwischen: Carsharing als Ergänzung zu ÖV/Velo – und nur bei Bedarf.