E-Bike: Was du vor dem Kauf wissen musst

Was für ein E-Bike soll ich kaufen? Welche Leistung soll der Motor haben, welche Reichweite ist gut und was bedeutet eigentlich ein Drehmoment von 50 Nm? Im E-Bike-Angebotsdschungel verliert man schnell den Überblick! Unser Ratgeber hilft dir weiter.

E-Bike kaufen Ratgeber
Foto © AndreyPopov/ iStock / Getty Images Plus
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Wer sich überlegt, ein E-Bike zu kaufen und im Internet losstöbert, findet sich schnell in einem Dschungel an Informationen und Elektrovelo-Angeboten. Welcher Motor soll es denn nun sein, welche Reichweite brauche ich, wie viele Gänge? Welcher Akku ist gut und welches Gewicht bringt er auf das Elektrofahrrad? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den E-Bike-Kauf. 

Was du vor dem Kauf eines Elektrofahrrads wissen musst:

Der Motor: Am Anfang steht der Antrieb

Zwei Dinge machen ein E-Bike aus: Der Motor, der für Vortrieb sorgt, und ein Speichermedium für die benötigte Energie, das Akku. Doch zunächst alles Wichtige zum E-Bike-Motor.

Es gibt drei Positionen, an denen der Motor angebracht sein kann.

  • Am Vorderrad
  • Am Hinterrad
  • Am Tretlager, dann Mittelmotor genannt

Mit dem Vorderradmotor fing die Elektrifizierung der Velos an. Kein Wunder, denn es ist die einfachste Methode, für Vortrieb zu sorgen. Hier spricht der Fachmann auch von Nabenmotor, da dieser die Nabe ersetzt und ihre Position einnimmt.

Der Motor am Heck, ebenfalls ein Nabenmotor, schiebt dich vorwärts über das angetriebene Hinterrad.

Und dann gibt es noch den Mittelmotor, manchmal auch noch Tretlagermotor genannt, der das Tretlager eines konventionellen Velos ersetzt.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Antriebsarten

Der Vorderradantrieb war lange Zeit der gängigste und ist heute noch vor allem in günstigeren E-Bikes verbaut. Der grosse Minuspunkt ist die Gewichtsverteilung. Während ein Vorderrad an einem motorlosen Velo oft sehr leicht ist, bringt der Motor ganz schön viel Gewicht mit – zum Nachteil des Handlings. Man kann das Fahrgefühl in etwa mit einem vollen Korb vergleichen, den du am Lenkrad hängen hast. Zudem soll es durch diesen Motor zu verstärktem Verschleiss der Gabel kommen.

Der Hinterradmotor folgte entwicklungstechnisch auf den am Vorderrad. Er hat gegenüber diesem Motor den Vorteil, dass er das Fahrgefühl nicht sonderlich beeinflusst und dass der Rahmen stabiler für den Einbau des Motors ist. Das zusätzliche Gewicht auf dem Hinterrad führt zu einem stärkeren Antrieb.

Am besten und deutlich sportlicher ist der Mittelmotor. Nachteilig ist zwar eine höhere Belastung der Kette, dafür sorgt er für einen tieferen Schwerpunkt, was Vorteile beim Fahren bringt. Zudem sind Heckmotoren oft leiser als Mittelmotoren. Mittelmotoren sind heute das gängigste Antriebssystem.

Das Drehmoment des Motors

Das Drehmoment, angegeben in Newtonmeter (Nm), ist nichts anderes als die Leistung bzw. die Kraft mit der dich der Motor beim Treten unterstützt. Das Drehmoment ist in Tests und Produktbeschreibung immer nur als Zahl ohne Erklärung angegeben. Je höher das Drehmoment, desto stärker ist die Unterstützung. 50 Nm ist etwa der Standardwert, den auch Einsteiger-E-Bikes liefern. Diese Leistung ist beispielsweise für Radfahrer in der City, auf der Ebene oder bei kurzen Touren und guter Fitness völlig ausreichend.

70 Nm ist dagegen schon eine sehr gute und kräftig unterstützende Kennzahl, die höherpreisige Räder liefern. Damit lassen sich auch längere Strecken und moderate Anstiege mühelos und auch für weniger Geübte bewältigen. Die Bikes der Uproc-Serie der Schweizer Marke Flyer schaffen es beispielsweise sogar auf seltene 85 - 90 Nm. Mit solch einer Unterstützung werden steile Rampen zu harmonisch zu nehmenden Anstiegen, so der Hersteller.

Warum ist eine gute Motorsteuerung wichtig?

Eine gute Motorsteuerung reagiert sehr fein auf die Tretkraft des Fahrers und kann somit eine gleichmässige Beschleunigung garantieren. Wenn der Lenker nur schwach in die Pedalen tritt, steigert auch der Motor nur leicht seine Unterstützung. Wenn der Fahrer kräftiger trampelt, gibt auch der Motor entsprechend mehr Schub. Einfache Räder reagieren auf das Drehen der Pedale, nicht auf die Stärke des Trampelns. Das führt zu ruckartigen Beschleunigungen. 

Tipp: Alle drei E-Bike-Motoren gibt es für die meisten konventionellen Bikes als Umbausatz. Bei welchen Velos der Umbau funktioniert, ob es sich lohnt, was das kostet und was du sonst noch wissen musst, das erfährst du in unserem Ratgeber zu E-Bike-Umbausätzen. Der Ratgeber listet noch weitere Vor- und Nachteile der drei genannten Antriebsarten auf.

Pedelec, S-Pedelec

Pedelec ist ein heute nicht mehr so gängiger Begriff, der einst besagte, dass das E-Bike maximal auf 25 Km/h beschleunigen kann und darf. Diese wurde und wird in der Regel mit einem bis zu 250 Watt starken Motor erreicht.

Flotter geht es mit einem S-Pedelec voran. Dieses kann dich bis zu 45 Km/h schnell rein durch die Motorleistung werden lassen. Dieses E-Bike benötigt allerdings eine Zulassung und wie ein Mofa ein Versicherungsschild. Der Motor am S-Pedelec hat heutzutage dann eine Leistung von bis zu 500 Watt. Heute werden die beiden Begriffe kaum noch genutzt. Zwar gilt die Einstufung nach wie vor, doch beide werden meist einfach als E-Bike bezeichnet.

Reichweite des Elektrovelos: Akkuleistung, Gewicht, Gelände

Motor und Akku bilden die Einheit, welche Kraft und Ausdauer, aber auch häufig die Einsatzgebiete des E-Bikes bestimmt. Die Akkuleistung wird in der Regel in Wattstunden (Wh) angegeben, manchmal auch in Amperestunden (Ah). Beim Vergleich der Wunsch-E-Bikes ist es leichter, die Akkuleistung zu vergleichen, wenn die gleiche Einheit angegeben ist.

Die Akkuleistung ist einfach erklärt: Je mehr Leistung, desto weiter kommst du, erklimmst mehr Anstiege und hast länger elektrische Unterstützung.

Standard sind 400 Wh oder 500 Wh, wobei dann die 500 Wattstunden 25 Prozent mehr Leistung bedeuten. Richtig viel Energie hast du, wenn das Wunsch-E-Bike mit 625 Wh auf die Fahrt geht. Doch vielen stellt sich bei diesen anonymen Zahlen die Frage: Wie weit komme ich jetzt damit?

Für eine Antwort muss man eine Weile suchen, um vernünftige Angaben zu bekommen. Fündig wurden wir bei Giant Bikes und beispielsweise deren E-Mountainbike Fathom E + 2. Dieses Bike hat einen 250 Watt Motor mit 70 Nm und einem 500 Wh Akku.

Der Hersteller (2021er Modell) gibt Folgendes zur Reichweite an:

  • 52 Km unter extremen Bedingungen
  • 105 Km unter guten Bedingungen
  • 175 Km unter idealen Bedingungen

Leider gibt es zahlreiche Einflussfaktoren, die diese Bedingungen schaffen. Hierzu zählen Gewicht des Fahrers/der Fahrerin, Zuladung, Höhenprofil der Strecke, Reifendruck und -Breite, Luftwiderstand, also Rücken- oder Gegenwind, Fahrbahnuntergrund, Aussentemperatur, Wartungszustand des E-Bikes und dann auch noch das Alter der Batterie.

Tipp: Reichweitenmässig wird es luxuriös, wenn du dich ab Werk oder zum Nachrüsten für ein zweites Akku entscheidest. Immer mehr Hersteller bieten diese Möglichkeit an, von beispielsweise ursprünglichen 500 Watt auf 1‘000 Wh aufzurüsten. Preis für den (Fahr-)Spass: Zusätzliche 600 bis 700 Franken. Das ist übrigens auch etwa der Preis für ein Ersatzakku.

Wie viel Leistung brauche ich? Eine Kurzformel

Die genannten Motorspezifikationen und die Akkuleistung sind wichtige Kaufkriterien. Hier gilt als Faustregel: Für kurze Sonntagsausflüge reichen etwas tiefere Leistungsdaten. Für den täglichen Pendlereinsatz mit einigen Kilometern oder regelmässige, längere Touren brauchst du mittlere bis hohe Leistungsdaten.

Was für ein E-Biketyp bin ich?

Sind wir in Sachen Leistungsdaten etwas schlauer, stellt sich vor dem E-Bike-Kauf nun die Frage: Was für ein Bike-Typ darf es denn sein? Denn wie bei konventionellen Velos gibt es auch unter den Elektrorädern die unterschiedlichsten Typen. Diese sind im Folgenden kurz erläutert:

Das Trekking-E-Bike

Das Trekking-E-Bike gehört zu den Allroundern. Damit fährst du über Land, auch mit Gepäck, und beim regelmässigen Einsatz als Pendlervelo macht es ebenfalls eine gute Figur.

City-E-Bike

Das City-E-Bike ist was für Städter die eher wenig fahren, immer auf befestigten Strassen und vielleicht mal einen kleinen Ausflug damit unternehmen, wie etwa an den wenige Kilometer entfernten See. Dafür ist es immer mit dem ausgestattet, was der Gesetzgeber gerne sieht, vor allem Beleuchtung. Zudem sind ein Ständer, Schutzbleche und meist auch ein Gepäckträger Standard. Hier wird oft – wie beim folgenden Kompakt-Bike – eine mit wenigen Gängen ausgestattete Nabenschaltung verbaut. Die anderen Varianten haben meist eine leistungsfähigere (Stichwort: Steigungen) Kettenschaltung.

E-Mountainbike & Fully-E-Bike

Wie das gute alte Mountainbike so ist auch das moderne, elektrifizierte Mountainbike, etwas für Menschen, die gerne und vornehmlich auf unbefestigten Wegen unterwegs sind. Soll es regelmässig rasant den Berg hinuntergehen, dann ist das Fully-E-Bike die kompromisslose Lösung.

Cross-E-Bike

Cross-E-Bikes sind sowas wie ein Zwitter aus Touren-, Mountainbike und Alltagsvelo, die sich On- und Off-Road wohlfühlen. Ein entscheidender Unterschied zum Mountainbike: Die Geometrie ist entspannter. Cross-E-Bikes sind wohl die flexibelste Form der Zweiradstromer. Tipp: Wer sich unklar ist welches E-Bikes es sein soll, das hier ist im Zweifelsfall die beste Wahl.

Kompakt-/Klapp-E-Bike

Diese geschrumpften Velos mit E-Antrieb sind für Camper wie Pendler mit Bahnanbindung ideal. Klein, kompakt, im Idealfall zusammenklappbar (für die Bahn oder den Kofferraum).

E-Rennrad

Das E-Rennrad ist die jüngste Ausgabe des E-Bikes. Selten mit sonderlich leistungsfähigen Akkus ausgestattet, bieten sie dennoch eine gern gesehene Unterstützung für Freizeit-Rennradler mit nicht ganz so viel Power in den Oberschenkeln.

E-Lastenrad

Das ist, neben dem Crossbike, ein wahrer Trendsetter. Denn nicht nur im urban-gewerblichen Lastenverkehr gewinnen sie an Bedeutung. Auch die kleine Familie, die auf ein Auto verzichtet, transportiert hiermit allerlei Dinge.

Was kostet ein Elelktrofahrrad und wo kann ich sparen?

Elektrofahrräder sind, verglichen mit der motorlosen Verwandtschaft, nicht gerade günstig. Die Erläuterungen haben vielleicht gezeigt, dass es hier sehr starke Qualitätsunterschiede gibt und alleine das Akku ordentlich an der Preisspirale dreht.

Während es günstige Modelle mit meist geringen Leistungsmerkmalen für unter und um die 2000 Franken gibt, bist du bei einem Mittelklasse Cross-E-Bike auch schnell mal bei 3000 Franken und darüber. “High-End“ E-Bikes, Fullys oder Lastenräder mit Antrieb liegen höher in der Preisskala.

Vier Tipps in Sachen Preis und Auswahl

Tipp 1: Wer billig kauft, kauft zwei Mal. Solltest du erwägen, das Elektrovelo täglich zu nutzen und/oder oft im mehr oder minder rauen Gelände einzusetzen, dann sollte es nicht die günstigste Variante sein.

Tipp 2: Schau dich mal etwas um oder frage bei deinem Bike-Händler nach Vorjahresmodellen. Es ist Tradition bei den Herstellern, jedes Jahr eine neue Modellreihe aufzulegen. Die ‚alten‘ Velos kommen dann mit satten Rabatten in den Ausverkauf.

Tipp 3: “Leider“ sind E-Bikes voll im Trend. Noch vor zwei, drei Jahren war es so, dass du dir dein E-Bike ausgesucht hast und es einfach kaufen konntest. Doch der Boom ist derart gross, dass die Hersteller (noch) nicht mit der Produktionsmenge hinterherkommen. Die Konsequenz: Viele der beliebten Modelle sind heutzutage schnell ausverkauft. Auch und gerade in den Standardgrössen. Schau dich auch bei Second-Hand-Angeboten auf Ebay oder Ricardo um. Nicht selten findet man dort kaum gefahrene Schnäppchen.  

Tipp 4: Aufgrund der vergleichsweise hohen Investitionskosten und für ungetrübten Fahrspass ist es ratsam, eine ausgiebige Probefahrt zu machen.

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