Praktisch und individuell: Die etwas anderen Recycling-Möbel von «refurnished»

Die Idee von Roland Jaggi und Friedrich-Wilhelm Graf ist auch eine Chance für regionale Handwerker und Werkstätten. Weil ihr Projekt über das Thema «Upcycling» hinausgeht, fanden sie dafür einen eigenen Begriff: refurnished.

Ein neues Regal aus altem Material.
Aus alt mach neu: Alte Sperrholzkisten werden zum modernen Regal «refurnished». Foto: refurnished
  • 0

Beim Stöbern auf der Homepage von refurnished entdeckt man Gegenstände, die jeder zu kennen glaubt, und doch sind sie anders. Zum Beispiel schick aufbereitete Schulstühle, Trinkgläser aus rezyklierten Weinflaschen oder Stimmungslichter aus antiken Apothekerflaschen. Kisten, die ausgemustert wurden, dienen in neuem Glanz als Sitzgelegenheit und Stauraum zugleich. Es gibt Möbelmodule zum Erweitern, Ergänzen und Anpassen und viele andere Dinge, die das Leben schöner und praktischer machen sollen. Geschaffen werden sie von einem Kollektiv unterschiedlicher Designer, Architekten und Künstler aus dem Umfeld der beiden Initiatoren: Roland Jaggi und Friedrich-Wilhelm Graf.

Bild: 1 von 7

Diese neu aufbereiteten Schulstühle waren ursprünglich einmal Bürostühle und stammen aus den 50er-Jahren. Mit einem frischen Anstrich wirken sie modern und gemütlich zugleich. Bild: refurnished, (refurnished.ch)

Diese neu aufbereiteten Schulstühle waren ursprünglich einmal Bürostühle und stammen aus den 50er-Jahren. Mit einem frischen Anstrich wirken sie modern und gemütlich zugleich. Bild: refurnished, (refurnished.ch)

Weitere Bilder anschauen

 

Rezyklieren und neu gestalten

Zusammen mit seinem Partner entwickelt Roland Jaggi die Möbelstücke und Wohnaccessoires aus einem persönlichen Interesse heraus. «Was wir selbst nicht gut finden, machen wir auch nicht», beschreibt er die Hauptmotivation. Für ihre im Jahr 2011 etablierte Plattform führten die beiden Designer den Begriff «refurnished» ein. Die Silbe «re-» steht einerseits für das Recycling, aber auch für das Umstellen und anders Einrichten. «Wir gestalten ein Regal zum Beispiel so, dass man es veränderten Bedürfnissen anpassen kann, damit es länger lebt», erklärt Roland Jaggi, «und da sind wir auch wieder beim Thema Nachhaltigkeit. Es kann doch nicht sein, dass man sich für einige hundert Franken mit Möbeln einrichtet, die nach zwei Jahren nicht mehr funktionieren und auf dem Müll landen.» So lasse sich refurnished teils mit dem Trendbegriff «Upcycling» gleichsetzen, gehe aber auch darüber hinaus. «Die Hängeleuchte von Ondo zum Beispiel, die wir im Programm haben, ist klassisches Upcycling.» Hier wurde aus einem Abtropfsieb zum Gemüsekochen eine Lampe gestaltet.

Auf der anderen Seite bietet das Designprojekt auch komplett neue Möbel und Accessoires an. Eines aber ist den beiden Betreibern bei jedem Stück wichtig. «Uns geht es nicht nur um Nachhaltigkeit im Sinne des Materials, sondern auch die sozialen Aspekte müssen stimmen. Daher unterstützen wir regional ansässige Handwerker und Werkstätten, die für bereits vorhandene Produkte eine neue Plattform finden. Unsere neuen Werkstatthocker etwa werden von einer kleinen Schweizer Manufaktur hergestellt.» Auch seine eigene Familie ist Roland Jaggi wichtig. «Bei Unternehmungen mit meinen Kindern kommen mir auch viele Einfälle für das Design. Oft sind dies zugleich meine kreativsten Tage.»

Das etwas andere Produktdesign

Die Idee, eine Plattform für nachhaltige Möbel und Wohnaccessoires zu kreieren, hatte Roland Jaggi vor einigen Jahren. Der gelernte Hochbauzeichner war nach Zürich gekommen, um Innenarchitektur zu studieren. Doch vor Ort ergab es sich anders. «Unsere Fachklasse war mit den Produktdesignern zusammengelegt. Dann habe ich mich für den Weg entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass ich dabei mehr erfahren würde.» Ein typischer Produktdesinger, der Zahnbürsten und Staubsauger für grosse Serien entwirft, aber wollte er nicht werden. «Ich war immer an Kleinauflagen interessiert, bei denen man individuell etwas gestalten kann. So hat es sich durch das ganze Studium durchgezogen, dass ich etwas anders gedacht habe als die anderen.»

Nach dem Abschluss gründete Roland Jaggi mit einer Partnerin zusammen ein Designbüro, das er nach wie vor hauptberuflich betreibt. «Dort machen wir primär Kommunikationsprojekte wie Messestände, Broschüren und Online-Auftritte.» Parallel nahm die Idee für refurnished Formen an. Es passte gut, dass er auf Friedrich-Wilhelm Graf traf, einen Grafiker, den er aus einem gemeinsamen Atelier kannte. «Mir fehlten noch einige Ideen bezüglich der Umsetzung. Gemeinsam ergänzen wir uns perfekt. So konnten wir die Plattform weiter entwickeln und im Jahr 2011 damit online gehen.» Aktuell kooperieren die beiden Initiatoren mit unfolded, Studiokepenic, architektur-niederreuther und Atelier Volvox. Die Kollektion wird in Zusammenarbeit mit Gestaltern, Künstlern und Architekten laufend ergänzt.

Mehr zu «refurnished» unter: www.refurnished.ch

Text: Christine Lendt