Zwei Arten des Schnitts: Hortensien Schneiden leicht gemacht

Hortensien sind typische Bauerngartenpflanzen mit üppigen Blüten. Nach der langen Blütezeit ist ein regelmässiger Schnitt angesagt. Wann und wie Sie Hortensien richtig schneiden.

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Sobald Sie wissen, welcher Schnittgruppe Ihre Hortensien angehören, wird das Schneiden ganz einfach. Foto: © iStock / Thinkstock
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Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Hortensie, auch Hydrangea, im deutschsprachigen Raum gezüchtet und fand mit den Jahren immer mehr Liebhaber. Kein Wunder, denn die Sträucher blühen den ganzen Sommer und kleinere Sorten sind nicht nur für den Garten, sondern auch in grösseren Töpfen recht genügsam und sehr dekorativ. Die Pflege ist dabei erfreulich einfach. Ab und zu düngen, regelmässig Wasser geben (und davon reichlich) und ein einmaliger Rückschnitt.

Im Artikel

Die beste Zeit für den Rückschnitt: Hortensien im Frühjar schneiden

Der beste Zeitpunkt für den Schnitt für alle Sorten ist im späten Winter oder frühen Frühling. Etwa Ende Februar bis Mitte März sollten Sie diese Arbeit in Angriff nehmen. Ausnahmen finden Sie im folgenden Text.

Wie bei so vielen Pflanzen, so gilt auch für die zahlreichen Hortensien-Arten: Der richtige Termin für den Schnitt ist wichtig. Viele Hobbygärtner greifen im Herbst zur Schere und verpassen jeder Pflanze einen radikalen Rückschnitt. Oftmals werden die verwelkten Blüten weggeschnitten, die Ball-Hortensie sogar bis auf den Boden gekürzt.

Manche Arten vertragen es, im Herbst geschnitten zu werden, zumindest solche in milden Gegenden und an geschützten Standorten im Garten. Die Mehrheit aber kann darunter erheblich leiden. Bei der beliebten und gängigen Garten-Hortensie zum Beispiel schützen die verwelkten Blüten die darunter bereits im Herbst gebildeten, neuen Austriebe und die Knospen für neue Blüten vor Frost.

Wie Ihre Blumen zurückgeschnitten werden sollten, hängt vor allem davon ab, zu welcher Schnittgruppe sie gehören. Nicht sicher, welche Hortensien-Art Sie im Garten haben? Keine Sorge: Die Schnittgruppe sollte relativ leicht zu erkennen sein.

Schnittgruppe 1: Diese Hortensien schneiden Sie nur mässig

Pflanzen der Schnittgruppe eins blühen am mehrjährigen Holz, dem sogenannten «alten Holz». Sie setzen bereits im Herbst unter einer Hülle neue Knospen und Blätter an. Um die neuen Blüten des Folgejahres nicht zu gefährden, werden die Pflanzen dieser Schnittgruppe erst im Frühjahr behutsam zurückgeschnitten – im milden Frühjahr Ende Februar, im raueren lieber Mitte.

In diese Gruppe gehören mit der Garten- oder Bauern-Hortensie (Hydrangea macrophylla), der Teller-Hortensie (Hydrangea serrata), die Wildform Samt-Hortensie oder die Raue Hortensie (Hydrangea aspera ssp. sargentiana) und ihre Gartenform, die Riesenblatt-Hortensie (Hydrangea aspera macrophylla) die typischen Arten, die ihre Blütenstände in relativ flachen Dolden präsentieren.

Tipp: Gleich, welche Hortensien-Sorte Sie schneiden, die Gartenschere sollte gut geschärft sein.

Weiterhin zählen die selteren Eichenblatt-Hortensie (Hydrangea quercifolia, erkennbar an ihren geteilten Blättern) und die Kletter-Hortensie (Hydrangea petiolaris) dazu.

Lesetipp:

Test: Wenn Sie jetzt nicht wissen, ob ihre Pflanze zu dieser Gruppe gehört, dann schauen Sie einfach im Herbst oder im Spätwinter direkt unter den abgeblühten Blüten nach. Sehen Sie hier deutliche Verdickungen, spitzen im zeitigen Frühjahr sogar schon Blätter am Trieb hervor, dann gehört die Pflanze in Ihrem Garten zur Kategorie eins.

 

Und so schneiden Sie Pflanzen der Gruppe eins

Hier müssen Sie im Frühjahr nur die alten Blütenstände dicht, etwa 1 cm über dem obersten intakten Knospenpaar entfernen. Lassen Sie diese Triebe länger stehen, sieht das nicht nur unschön aus, die Triebe können auch im oberen Teil absterben; mitsamt Knospe und neuen Blättern. Darum sollte man dieses Holz entfernen.

Apropos absterben: Das machen Triebe gerade der Bauern-Hortensie schonmal nach ein paar Jahren. Aber das sehen Sie im Frühjahr sofort. Diese Triebe sind saft- und kraftlos und ohne Knospenbildung. Schneiden Sie diese Triebe knapp über dem Boden zurück. Tipp: Diese radikale Massnahme können Sie auch bei zu vielen Trieben vornehmen, um die Pflanze im Garten oder Topf etwas auszulichten.

In manchen Regionen oder bei besonders kalten Wintern kann es sein, dass Sie keinen neuen Austrieb sehen, obwohl die Pflanze zur Schnittgruppe 1 gehört. Da hilft der Tipp vom Profi: Kratzen Sie mit dem Daumennagel einfach die oberste Schicht der Rinde an einer Stelle des vermeintlich abgestorbenen Triebs weg. Erscheint hierunter eindeutig Grünes, dann steckt noch Leben in ihm.

Werden Blumen dieser Klasse übrigens radikaler geschnitten, weil sie einfach zu gross, alt oder ausufernd sind, dann müssen Sie damit rechnen, dass sie in der folgenden Saison nicht blühen. Zur Verjüngung ist diese Massnahme aber bestens geeignet.

Gut zu wissen: Bei einigen Bauern- und Garten-Hortensien wird die Farbe vom Säuregehalt des Bodens bestimmt. Ein pH-Wert zwischen 4 und 4,5 also ein saurer Boden bewirkt violette oder blaue Blüten, alkalische Böden mit einem höheren pH-Wert erzielen Blüten in den Farben Pink oder Rot.

Die Ausnahme: Endless Summer zurückschneiden

Es gibt zahlreiche Hortensien-Züchtungen. Eine von ihnen ist die recht neue Züchtung «Endless Summer». Sie ist eine spezielle Züchtung, die am alten wie am einjährigen Holz blüht. Bei ihrer Einführung im Jahr 2003 war das für eine Bauern-Hortensie eine Sensation. Sie blüht vom Frühjahr bis in den späten Herbst.

An dieser Sorte werden nach dem Winter meist nur die verwelkten Blüten entfernt. Optional und wenn die Endless Summer im Sommer etwas blühfaul wird oder die Blüten allzu früh welken – was aber auch am Mangel von Wasser oder Dünger liegen kann –, können Sie einzelne Triebe bis zum nächsten Austrieb zurückschneiden. Der Gärtner nennt dies remontieren und bezweckt mit der Massnahme eine neue Blütenbildung noch im gleichen Jahr.

Gleiches gilt für die ebenfalls neueren Züchtungen der «Forever & Ever»-Reihe.

Schnittgruppe 2: Diese Hortensien schneiden sie kräftig

Bei Pflanzen der Gruppe zwei werden im zeitigen Frühjahr alle Triebe knapp über dem Boden geschnitten. Hier muss lediglich noch ein Augenpaar stehenbleiben. An geschützten Standorten und in milden Gegenden kann dies auch im Spätherbst geschehen, da diese beiden Arten frostbeständiger sind. Aus diesen beiden Augen treiben die Hortensien komplett und mit immer zwei Trieben aus.

Diese Schnitttechnik gilt für Ball- beziehungsweise Schneeballhortensien (Hydrangea arborescens, «Annabelle», «Grandiflora» und die eher seltene Sorte «Hayes Starburst»), die ebenso am neuen Holz ihre Blüte bildet, wie für die Rispen-Hortensie (Hydrangea paniculata, z. B. «Vanilla Fraise» oder «Lime Light») mit ihren konisch zulaufenden, imposanten Blüten. Beide Sorten treiben dennoch bis zu 1,5 m hoch aus.

Rispen-Hortensie: Ausnahmen bestätigen die Regel

Bei der Rispen-Hortensie mit solch einem radikalen Schnitt wirklich alles entfernen und abschneiden? Das muss nicht unbedingt sein. Es genügt auch, wenn Sie sie über einer Knospe in etwa 40 cm Höhe schneiden. Zudem können Sie auf den Rückschnitt auch komplett verzichten. Dann hat sie die Chance bis auf etwa 2,5 m Höhe zu wachsen.

Allerdings: Die Blüten sind dann lange nicht so gross und die Anzahl der Triebe, die sich über die Jahre bilden, kann etwas unübersichtlich wirken. Auf das Abschneiden zu verzichten lohnt sich, wenn die Rispen-Hortensie als Sichtschutz pflanzen.

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