Schuhe im Ökotest: Wenn sie unangenehm riechen, besser die Finger davon lassen

Tagtäglich vollbringen unsere Füsse Höchstleistungen. Sie laufen, rennen oder stehen einfach nur rum und sind dabei in mehr oder minder bequemes Schuhwerk eingepackt. Dabei ist es gleich, ob es bequeme Treter oder schicke Absatzschuhe sind, viele Schuhe stecken voll bedenklicher Chemie, für die es noch keine Grenzwerte gibt.

Öko Test: Ob Absatzschuhe oder bequeme Treter, Öko Schuhe bessere Wahl
Schuhe fallen fast durch die Bank weg bei den Fachleuten der Zeitschrift Öko-Test durch. Sie enthalten einfach zu viel schädliche Chemie. Aber es gibt auch Alternativen. © Foto: iStockphoto / Thinkstock
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Eines vorab: Riechen neue Schuhe unangenehm nach Chemie, dann sollten sie besser erst gar nicht gekauft werden. Denn das liegt dann an einem nicht wirklich gesunden Chemiecocktail, der zur Herstellung verwendet wird. So sind in vielen Schuhen, vom Absatzschuh bis zur Ballerina, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAKs, enthalten, die krebserregend sein können. Hinzu kommen Lösungsmittel die Allergien auslösen und bedenkliche Schwermetalle. Das ist insbesondere bei Lederschuhen Chrom, genauer Chrom III, ein gängiger Stoff zur Gerbung von Leder. Das ebenfalls allergieauslösende Chrom III kann sich bei der Gerbung auch in Chrom VI umwandeln. Dann wird es ebenfalls krebserregend. Und reagiert die Trägerin oder der Träger einmal auf Chrom mit einer Allergie, dann muss man diesen Stoff sein Leben lang meiden, da es kein Mittel zu Linderung der Allergie gebe. Und dieser Stoff ist nicht nur vereinzelt in Absatzschuhen und anderen enthalten. Laut Avocadostore landen jährlich 800.000 Tonnen Chromabfälle aus der Lederindustrie meist auf Mülldeponien.

Den Chemiecocktail runden aber noch weitere Schwermetalle wie Cadmium oder Blei ab, gerne ist auch mal Formaldehyd enthalten. Zwar soll diese Stoffe der Körper nicht aufnehmen können, doch spätestens bei der Entsorgung der Schuhe werden sie zu einer echten Last für die Umwelt. Im Zweifelsfall gilt: Zu Öko- oder Bio-Schuhen greifen. Besonders schlimm scheint die Belastung mit Chemikalien in den angesagten Plastik-Clogs zu sein, wie Ende Juli der deutsche Radiosender WDR 2 in einem Test belegte. Der Test ergab, dass mehr als die Hälfte der Schuhe eine hohe Belastung mit den genannten Stoffen hatte. Dabei war es gleich, wie teuer die Clogs waren.

Ökotest zeigt: Absatzschuhe und Co. voll von Bakterienkiller Triclosan

Vom Absatzschuh bis zur Arztpraxis, alles soll schön sauber, desinfiziert und geruchslos sein. Damit das so ist, wird immer häufiger der Bakterien- und Duftkiller Triclosan eingesetzt, den es als Spray oder Desinfektionsmittel gibt und der bereits in vielen Textilien, Schuhen, sogar Kosmetika enthalten ist. Einer der Hauptproduzenten ist der deutsch-schweizer Ciba-Konzern. Sogar der Konzern selbst warnt davor, dass Triclosan die Haut und die Augen reizen kann. Greenpeace warnt jedoch zusätzlich vor der Gefahr der Veränderung des Erbgutes und der Anreicherung in der Muttermilch.

Öko Test: Ob Absatzschuhe oder bequeme Treter, Öko Schuhe bessere Wahl

Zum Glück gibt es auch fast oder ganz chemiefreie Öko-Schuhe für jeden Geschmack. © Foto: iStockphoto / Thinkstock

Öko-Schuhe, auch mit Absatz, von vegan bis rein natürlich gegerbt

Grenzwerte für Chemikalien in Schuhen gibt es heute noch nicht. Dies ist auch der Grund dafür, dass die allermeisten Schuhe bei Untersuchungen der Zeitschrift Öko-Test die Note «ungenügend» erhalten. Daher sollten diejenigen, die auf Nummer sicher gehen möchten, bei Absatzschuhen, Turnschuhe und Co. nach Bio- oder Öko-Schuhen Ausschau halten. Sind diese aus Leder, dann ist ganz klar vermerkt, dass sie beispielsweise chromfrei gegerbt sind. Das funktioniert mit Olivenblättern, Rinden- und Fruchtextrakten, oder, wie bei der deutschen Firma Rooters mit Rhabarberwurzeln. Bio-Schuhe gibt es übrigens auch aus Bio-Leder und vegane Schuhe, also die tierfreie Fussbekleidung, sind nicht immer chemiefrei.

Filmstar macht es vor: Weniger ist mehr, auch der Umwelt zuliebe

Erst kürzlich erzählte Emma Watson, Star der Harry Potter-Filme, der britischen Vogue, dass sie lediglich acht paar Schuhe besitze. Den Grund hierfür lieferte sie auch: «Konsum ist fast so wie Kleptomanie». Zwar ist nicht gefragt worden, ob auch Öko-Schuhe darunter sind, dennoch: Ein gutes Vorbild dafür, dass weniger auch mal mehr ist. Vielleicht das eine oder andere teure Paar (Absatz-)Schuhe in langlebiger, optimal in Fair Trade-Qualität, anstatt Unmengen billiger Schuhe voller Chemie. Wer sich übrigens mal umschaut, der wird entdecken, dass Bio-, Öko- oder vegane Schuhe richtig schick sein können. Weitere Tipps und Infos finden Sie in unseren Artikeln «Stiefel mit Ökofaktor» und «Schuhe aus Recyclingmaterial».

Wo man Öko-Schuhe kaufen kann

Es gibt einige Onlinehändler, die Ökoschuhe für jeden Zweck anbieten. So gibt es Öko-Schuhe in den Onlineshops von Waschbär, Hessnatur, bei Grundstoff.net oder Fairtragen.de. Und Oekoschuhe.de - liefert wie alle angegebenen Shops auch in die Schweiz - ist, wie es der Name schon sagt, auf ökologisch hergestellte Schuhe spezialisiert.. Einer der grössten Online-Marktplätze für ökologische Produkte, der Hamburger avocadostore, hat eine sehr grosse Auswahl an Öko-Shuhen. Leider liefert das Unternehmen ausschliesslich an deutsche Adressen. Und wer in ein Geschäft geht: Im Zweifelsfall fragen! Sind die Schuhe garantiert chromfrei gegerbt? Können Sie mir versichern, dass die Schuhe keine PAKs oder Tributylzinn enthalten? Fragen kostet nichts, im Gegenteil, ein guter Laden berät auch gerne und weiss mehr über seine Schuhe und deren Inhaltsstoffe. Oder hat tatsächlich ökologische Alternativen auf Lager.

Quellen: Avocadostore, Deutsches Schuhinstitut, Chemie im Alltag, BUND; Die Zeit, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann

 

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