«Es braucht ein Schulfach im Bereich Nachhaltigkeit!»

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Mehr Gold-Produkte die das Gütesiegel Fairtrade verdienen! Es gibt aktuell zu wenige Designer, die damit arbeiten. Auch weil es praktisch keinen Zwischenhandel für Ketten, Verschlüsse, Anhänger etc. in Fairtrade Gold gibt. Grosse Firmen müssten ihren Einkauf auf Fairtrade Gold umstellen um diesen Sektor anzutreiben! Auf www.transparencedesign.ch können sich Designer und Konsumenten über fair gehandelte Gold-Produkte informieren.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Nachhaltigkeit sollte in der Schule als Thema behandelt werden. Gerade für Kinder, welche dies nicht in der Familie mit auf den Weg bekommen. Es wäre gut, wenn man mit den Kindern das Verhalten und deren Konsequenzen diskutieren würde.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Den GREENshowroom in Berlin (Fachmesse für grüne Mode & Lifestyle im gehobenen Segment, mehr Informationen unter www.green-showroom.net) weiter zu etablieren und international auszubauen. Es ist wichtig, dass die Einkäufer und Endkonsumenten wissen, dass es hochwertige und auch avantgardistische Mode mit ökologisch korrekten Materialien gibt und wo sie diese bekommen können. Weiterhin möchte ich mit meinem Label RoyalBLUSH beweisen, dass es möglich ist, eine Weltmarke mit gutem Gewissen zu etablieren– deshalb auch «Accessories with a conscience»!

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Es gibt bereits ein enormes, rasant wachsendes, internationales Angebot an hochwertigen Designer Labels, welche mit derselben Vision arbeiten. Design steht nach wie vor an erster Stelle und Nachhaltigkeit ist eine Selbstverständlichkeit. Der nächste Schritt wäre nun, dass der gesamte Markt mitzieht und diese Produkte in sein Sortiment integriert (ob man den grünen Aspekt nun Kommunizieren mag oder nicht), um das Bestehen dieser positiven Entwicklung weiter zu fördern!

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Also in der Mode ist es ganz klar. Wenn die Ästhetik und die Passform eines Kleidungstück nicht stimmt, kauft man es nicht, auch wenn es zu hundert Prozent aus biologischer Baumwolle besteht!

Bei Solarzellen fände ich es besser, diese gebündelt auf grossen Feldern aufzustellen, als sie über das ganze Land verteilt auf Dächer zu montieren. Ich habe kürzlich im WWF Magazin gelesen, dass es theoretisch möglich wäre, mit einem Solarzellenfeld in einer afrikanischen Wüste (die Grösse schien relativ klein) die ganze Weltbevölkerung mit Strom zu versorgen. Noch dazu hätte Afrika eine zusätzliche Einkommensquelle. Wegen der Kriege und Unruhen wäre dies jedoch ein schier unmögliches Unterfangen.

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

C&A, H&M, Mango und Zara. Es würde mich interessieren, inwiefern sich Grossunternehmen über den Einkauf von organischer Baumwolle hinaus engagieren. Aktuell findet viel «Greenwashing» statt. Dabei produzieren Unternehmen beispielsweise ihre Kleidung aus organischer Baumwolle, lassen die T-Shirts aber nach wie vor in China unter schlechten Arbeitsbedingungen fertigen. Der Einsatz von organischer Bio-Baumwolle ist keine konsequente nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens, sondern kann als eine Marketingstrategie angesehen werden. Natürlich ist eine Umstellung auch nicht von heute auf morgen machbar, es wäre aber schön zu wissen, dass die Planung bereits steht.