Haare färben mit natürlichen Produkten Miriam Dippe Wenn du deine Haare färben oder tönen möchtest, geht es nicht nur um den Farbton. Entscheidend sind auch Verträglichkeit, Pflege, Erwartungshaltung und die Frage, wie stark Haar und Kopfhaut belastet werden. Natürliche Produkte können eine gute Lösung sein – aber nicht jede Pflanzenhaarfarbe ist automatisch sanft, und nicht jede gewünschte Veränderung lässt sich damit erreichen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Durch Benutzung von Naturhaarfarben lässt sich das Risiko von Allergien beim Haare färben vermeiden. Foto: © yuriyzhuravov / iStock / Thinkstock Viele Menschen wollen graue Haare abdecken, den Naturton auffrischen oder einfach etwas Neues ausprobieren. Gerade im Familienalltag ist oft eine Lösung gefragt, die praktisch ist, möglichst wenig reizt und trotzdem gut aussieht. Wichtig ist: «natürlich» bedeutet nicht automatisch «allergiefrei», und «chemisch» bedeutet nicht in jedem Fall «gefährlich». Hilfreich ist ein nüchterner Blick auf die Unterschiede zwischen permanenter Farbe, Tönung, Pflanzenhaarfarbe und Aufhellung. Für empfindliche Kopfhaut, bei bekannter Kontaktallergie oder wenn du schon einmal mit Brennen, Juckreiz, Rötungen oder Schwellungen reagiert hast, lohnt sich besondere Vorsicht. In der Schweiz wird bei Haarfärbeprodukten ausdrücklich auf Allergierisiken hingewiesen. Kritisch sind vor allem oxidative Haarfarben mit bestimmten Farbstoffvorstufen wie PPD. Auch Duftstoffe und Konservierer können Beschwerden auslösen. Wer zu Neurodermitis, sensibler Haut oder Duftstoffallergien neigt, sollte Produkte besonders sorgfältig auswählen. 1 von 8 Wer sich die Haare färben will, greift oftmals zu Pflanzenhaarfarben, um Haarstruktur und Kopfhaut zu schonen. Doch sind diese Färbemittel auf natrürlicher Basis wirklich besser als herkömmliche Färbungen? Wir haben uns die Inhaltsstoffe der Pflanzenfarben verschiedener Hersteller mal genauer angeschaut und so manche Überraschung entdeckt. Mehr dazu finden Sie auch in unserem Artikel «Haare färben mit natürlichen Mitteln». Foto: © Digital Vision / Photodisc / Thinkstock Haare färben und tönen: welche Optionen gibt es? Welche Methode zu dir passt, hängt davon ab, was du erreichen willst: graue Haare decken, den eigenen Ton vertiefen, einen warmen Schimmer erzeugen oder deutlich heller werden. Je grösser die Veränderung, desto stärker ist meist der Eingriff in die Haarstruktur. Permanente Farbe Permanente Haarfarbe verändert die Haarstruktur dauerhaft. Sie arbeitet in der Regel mit alkalischen Bestandteilen und Oxidationsmitteln, damit Farbstoffe tief im Haar verankert werden. Das ist sinnvoll, wenn du graue Haare zuverlässig abdecken oder deinen Farbton deutlich verändern willst. Gleichzeitig ist diese Variante für Haar und Kopfhaut am anspruchsvollsten. Trockene Spitzen, stumpfes Haar und Reizungen sind hier wahrscheinlicher als bei Tönungen oder Pflanzenfarben. Für viele ist permanente Farbe vor allem dann passend, wenn ein gleichmässiges Ergebnis wichtig ist und regelmässige Ansatzbehandlungen in Kauf genommen werden. Weniger geeignet ist sie bei sehr sensibler Kopfhaut, bei wiederholten Reizungen oder wenn du möglichst schonend färben möchtest. Intensivtönung und auswaschbare Tönung Tönungen lagern sich eher am oder nahe am Haar an und halten kürzer. Eine auswaschbare Tönung ist sinnvoll, wenn du einen Farbton testen, den Naturton beleben oder einen leichten Glanz-Effekt möchtest. Intensivtönungen halten länger und können den Farbton deutlicher verändern, ohne so dauerhaft zu sein wie klassische Colorationen. Diese Optionen sind oft alltagstauglich, wenn du wenig Risiko eingehen und flexibel bleiben willst. Sie können aber ebenfalls reizende Inhaltsstoffe enthalten. «Sanfter» heisst deshalb nicht automatisch «für jede Kopfhaut gut verträglich». Pflanzenhaarfarbe und Henna Pflanzenhaarfarben arbeiten anders als oxidative Farben. Sie umhüllen das Haar eher, statt es stark chemisch umzubauen. Dadurch kann das Haar nach der Anwendung griffiger und voller wirken. Für viele ist das ein Pluspunkt, vor allem bei feinem oder strapaziertem Haar. Henna ist die bekannteste Pflanzenhaarfarbe. Es färbt je nach Ausgangshaar von kupfrig bis rötlich. Andere Pflanzenbestandteile können braune oder dunklere Nuancen unterstützen. Wichtig ist jedoch ein realistischer Blick: Pflanzenhaarfarbe hellt dunkles Haar nicht auf, deckt Grau oft weniger deckend als permanente Farbe und fällt je nach Ausgangsfarbe individuell aus. Wenn du von dunkelblond auf hellblond wechseln oder ein kühles, aschiges Ergebnis willst, sind Pflanzenfarben meist nicht die richtige Wahl. Sinnvoll sind Pflanzenhaarfarben vor allem dann, wenn du deinen Naturton vertiefen, warme Reflexe erzeugen, einzelne graue Haare weicher einblenden oder dein Haar optisch kräftiger wirken lassen möchtest. Unrealistisch wird es bei starken Aufhellungen, sehr kühlen Modefarben oder einem exakt planbaren Ergebnis wie beim Coiffeur mit klassischer Coloration. Nicht alle Naturfarben sind wirklich natürlich Der Begriff «Natur» ist im Kosmetikregal nicht immer eindeutig. Manche Produkte werben mit Pflanzenextrakten, enthalten aber zusätzlich Duftstoffe, Konservierer oder oxidative Farbbestandteile. Gerade bei sensibler Haut lohnt sich deshalb der Blick auf die vollständige Deklaration. Zertifizierte Naturkosmetik kann Orientierung geben, ersetzt aber keine individuelle Verträglichkeitsprüfung. Henna ist ein natürlicher Haarfärbestoff, der sich nicht auswaschen lässt. Foto: bdspn / iStock / Thinkstock Bei rein pflanzlichen Mischungen ist ausserdem wichtig zu wissen: Das Farbergebnis baut sich oft langsamer auf, kann sich nach einigen Stunden oder Tagen noch verändern und hängt stark von deiner Ausgangshaarfarbe ab. Wer möglichst wenig Überraschungen möchte, sollte zuerst an einer unauffälligen Strähne testen. Schonender färben: So reduzierst du Belastung für Haar und Kopfhaut Wenn du färbst, kannst du einiges tun, um Reizungen und Haarschäden zu reduzieren. Besonders hilfreich ist es, nicht bei jeder Anwendung die gesamten Haarlängen zu behandeln. Meist reicht es, den Ansatz nachzufärben und die Längen nur kurz zu emulgieren oder mit einer pflegenden Farbauffrischung zu behandeln. So wird das bereits beanspruchte Haar weniger strapaziert. Patch-Test und Allergierisiko Auch wenn du ein Produkt schon kennst, kann sich eine Allergie neu entwickeln. Ein Patch-Test nach Herstellerangaben ist deshalb sinnvoll, vor allem bei permanenter Farbe oder Intensivtönung. Warnzeichen sind Juckreiz, Brennen, Ekzeme, Schwellungen oder nässende Hautreaktionen. Wenn so etwas schon einmal aufgetreten ist, solltest du Haarfarbe nicht einfach erneut ausprobieren, sondern ärztlich abklären lassen, welche Stoffe unverträglich sind. Wichtig für Familien: Haarfärbemittel sind keine harmlosen Beauty-Produkte für zwischendurch. Für Minderjährige gilt besondere Zurückhaltung, vor allem bei dauerhaften Farben und starken Blondierungen. Junge Haut reagiert empfindlicher, und eine einmal entstandene Kontaktallergie kann langfristig bestehen bleiben. Ansatz, Pflege und Waschroutine danach Direkt nach dem Färben profitiert das Haar von milder Pflege. Verwende möglichst ein sanftes Shampoo und wasche nicht heisser als nötig. Häufiges Nachfärben, starke Hitze durch Glätteisen oder Föhn und intensive Sonneneinstrahlung können die Haarstruktur zusätzlich belasten. Wenn dein Haar ohnehin trocken ist, helfen reichhaltige Conditioner, pflegende Kuren und eine zurückhaltende Waschroutine. Passend dazu können auch Beiträge zu Naturkosmetik, milder Haarpflege, sensibler Kopfhaut oder trockenen Haaren hilfreich sein. Bei Pflanzenhaarfarben lohnt es sich, vor der ersten Anwendung keine schweren Silikon- oder Stylingrückstände im Haar zu lassen. Ein sauberes, aber nicht gereiztes Haar nimmt die Farbe meist gleichmässiger an. Nach dem Färben sollte das Haar nicht sofort wieder mit stark reinigenden Produkten gewaschen werden. Kritische Inhaltsstoffe und Warnhinweise in der Schweiz In der Schweiz gelten für Haarfärbeprodukte klare Sicherheitsanforderungen und Warnhinweise. Besonders ernst zu nehmen sind Hinweise auf das Risiko schwerer allergischer Reaktionen. Wenn auf einer Verpackung steht, dass das Produkt nicht für Personen unter einem bestimmten Alter geeignet ist oder nicht verwendet werden soll, wenn bereits Reaktionen auf Haarfarben aufgetreten sind, dann ist das kein formaler Nebensatz, sondern eine echte Sicherheitsinformation. PPD, Duftstoffe, Konservierer Besondere Aufmerksamkeit verdient PPD, also p-Phenylendiamin. Dieser Stoff ist aus der Allergologie gut bekannt und kann starke Kontaktallergien auslösen. Auch verwandte Stoffe können problematisch sein. Zusätzlich können Duftstoffe und bestimmte Konservierer bei empfindlichen Personen Reizungen oder Ekzeme verursachen. Wer bereits auf schwarze Henna-Tattoos, Haarfarbe, Duftstoffe oder bestimmte Kosmetika reagiert hat, sollte sehr vorsichtig sein. Schwarze Henna-Tattoos sind dabei ein wichtiger Warnhinweis, weil sie oft Stoffe enthalten, die das Risiko für spätere Reaktionen auf Haarfarben erhöhen können. Für wen besondere Vorsicht gilt Besonders vorsichtig sein sollten Menschen mit sensibler oder vorgeschädigter Kopfhaut, mit Neurodermitis, mit bekannter Duftstoff- oder Kontaktallergie sowie Personen, die schon einmal nach dem Färben mit Juckreiz, Schwellungen oder Atembeschwerden reagiert haben. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit ist eine zurückhaltende, gut verträgliche und möglichst sparsame Anwendung sinnvoll, vor allem weil die Kopfhaut in dieser Zeit empfindlicher reagieren kann. Wenn du unsicher bist, ist eine individuelle Beratung in Apotheke, Dermatologie oder beim Coiffeur mit Erfahrung in sensibler Kopfhaut sinnvoll. Walnuss für alle Haare? Walnuss wird traditionell als pflanzliche Tönung genutzt, vor allem für warme braune Reflexe. Sie kann dunklem Haar mehr Tiefe geben und hellem Haar einen goldbraunen Schimmer verleihen. Für eine deutliche, gleichmässige und lang anhaltende Farbveränderung ist sie jedoch nur begrenzt geeignet. Auch bei pflanzlichen Hausmitteln gilt: Natürliche Herkunft schützt nicht vor Hautreaktionen. Teste Mischungen immer zuerst sparsam und verwende sie nicht auf gereizter oder verletzter Kopfhaut. Dasselbe gilt für Kamille. Sie kann helle Haare optisch zum Leuchten bringen, ersetzt aber keine echte Aufhellung. Wer auf Zitronensaft, Sonne oder Hausmittel setzt, sollte bedenken, dass solche Methoden das Haar austrocknen können. Für einen leichten sommerlichen Effekt mag das genügen, für eine planbare Farbveränderung eher nicht. Sicherheitsbox Schweiz: Wenn du Haarfarbe kaufen willst, lies die Warnhinweise vollständig. Färbe nicht auf gereizter, verletzter oder entzündeter Kopfhaut. Verwende keine oxidative Haarfarbe, wenn du schon einmal stark reagiert hast oder schwarze Henna-Tattoos nicht vertragen hast. Für Minderjährige ist Zurückhaltung besonders wichtig. Bei Brennen, Juckreiz, Schwellung oder Atembeschwerden die Anwendung sofort abbrechen und medizinische Hilfe holen. Entscheidungshilfe: Pflanzenhaarfarbe ist sinnvoll, wenn du warme Nuancen, mehr Fülle und eine eher sanfte Veränderung möchtest. Permanente Farbe ist sinnvoll, wenn du Grau zuverlässig decken oder die Haarfarbe deutlich verändern willst. Tönungen passen, wenn du flexibel bleiben und wenig Verpflichtung beim Nachwuchs haben möchtest. Aufhellen ist fast immer der stärkste Eingriff und selten die schonendste Wahl. Alle Naturhaarfarben aus der Gruppe «zertifizierte Naturkosmetik» haben die Note «sehr gut» erhalten. Fünf dieser sieben Produkte sind in der Schweiz erhältlich: Logona Pflanzenhaarfarbe, Braun-Umbra Logona Pflanzenhaarfarbe, Flammenrot Logona Pflanzenhaarfarbe, Color Creme Teak Sante 100% Pflanzenhaarfarbe, Naturrot Sante 100% Pflanzenhaarfarbe, Maronenbraun Sehr gute Noten gab es für folgende Farben, die nicht der Kategorie «zertifizierte Naturkosmetik» angehören: Biokosma Henna Superintensiv, Hennarot Lush Mama Caca Marron, Kastanienglanz Müller Henna, pflanzliche Haarfarbe, Braun Müller Henna, pflanzliche Haarfarbe, Rot intensiv Quelle: Öko-Test Was im Alltag wirklich hilft Wenn du möglichst schonend vorgehen willst, sind meist drei Fragen entscheidend: Wie empfindlich ist deine Kopfhaut? Wie stark soll die Veränderung sein? Und wie viel Pflegeaufwand ist realistisch? Für viele Familien ist nicht die maximal starke Farbe die beste Lösung, sondern die, die langfristig gut verträglich ist, wenig nachbehandelt werden muss und zu deinem Alltag passt. Ein guter Kompromiss kann sein, erst mit einer Tönung oder einer Pflanzenhaarfarbe zu starten, das Ergebnis in Ruhe zu beobachten und nur bei Bedarf zu intensiveren Methoden zu greifen. So behältst du die Kontrolle, reduzierst unnötige Belastung und findest eher die Lösung, die zu dir und deinem Leben passt.