Natürliche Schlafmittel helfen bei Schlafproblemen am besten

Gesundheitsexperten warnen: Chemische Schlafmittel können innerhalb von kurzer Zeit zur Abhängigkeit führen. Es gibt auch natürliche Mittel, die helfen. Hier erfahren Sie, wie Hausmittel zu ruhigen Nächten verhelfen und sich gut Schlafen trainieren lässt.

Natürliche Schlafmittel mit Baldrian
Bei Schlafstörungen haben sich Extrakte aus der Baldrianwurzel als besonders wirkungsvoll erwiesen. Foto © H. Zell / Wikipedia
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Ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer kann nicht richtig ein- oder durchschlafen, mit wachsender Tendenz. Das berichtet das Konsumentenmagazin Gesundheits-Tipp. Insgesamt leiden Schätzungen zufolge sogar mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unter Schlafstörungen. Bei zehn Prozent von ihnen macht sich dies durch Leistungseinbussen am Tag bemerkbar. Sechs bis zehn Prozent aller Erwachsenen nehmen laut einer Studie in solchen Fällen Schlafmittel ein.

Vorsicht mit Schlafmitteln

Es ist verlockend bei Schlafproblemen: Einfach ein rezeptfreies Mittel aus der Apotheke nehmen, schon stimmt die Nachtruhe wieder. «Benzodiazepine» heisst der Fachbegriff für diese Medikamente, und sie führen tatsächlich schnell zum ersehnten Schlaf. Das bestätigt das Gesundheitsportal Sprechzimmer. Allerdings können diese Mittel «den eigenen Schlafrhythmus schon nach kurzer Einnahmezeit nachhaltig beeinflussen», warnen die Experten. Die Folge sei, dass häufig immer mehr und stärkere Medikamente eingenommen werden müssen, um den Schlafrhythmus wieder zu erlangen. Viele dieser Präparate hätten obendrein erhebliche Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Benommenheit, Sehstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten am Tag. Bei Einschlafproblemen, so der Rat, sollte man unbedingt zuerst eine Therapie mit natürlichen Mitteln ausprobieren.

Natürliche Schlafmittel helfen

Ein Mittel der Wahl ist hochdosierter Baldrianwurzeltrockenextrakt. Studien zufolge wirkt er sich positiv bei nervösen Schlafstörungen aus, weil der Schlaf damit nicht erzwungen, sondern gefördert wird. Damit das natürliche Mittel seine volle Wirkung entfalten kann, sei jedoch die Einnahme über einen längeren Zeitraum erforderlich.

«Pflanzliche Arzneimittel stellen eine wissenschaftlich gut belegte Alternative zu zahlreichen chemisch-synthetischen Schlafmitteln dar», bestätigt Martin Koradi, Dozent für Pflanzenheilkunde in Winterthur. Nachweislich positiv bei Einschlaf- und Durchschlafstörungen sei zum Beispiel die Wirkung eines Kombinationspräparates aus Baldrian und Hopfen auf der Basis methanolischer Trockenextrakte.

Tees als Natürliche Schlafmittel

Auch manche Teesorten, wie beispielsweise Hopfen-, Lanvedel- oder Melissetee, können bei Schlafstörungen helfen. Foto © iStockphoto / Thinkstock

Wie der Experte Martin Koradi betont, ist Baldrian die am besten erforschte Heilpflanze im Bereich der Behandlung von Schlafstörungen. Relevante Studien gebe es allerdings ausschliesslich für Baldrianextrakt-Präparate, nicht für Baldriantee und Baldriantinktur. In der Pflanzenheilkunde bewährt hätten sich bei Schlafproblemen auch Lavendel (als Öl oder Bad), Melisse (Öl, Bad oder Tee), Hopfen (Tee oder Extrakt) sowie ein Extrakt aus Passionsblumenkraut. Interessante Alternativen seien zudem der in der Krankenpflege häufig angewendete Orangenblütentee sowie der bei Kindern beliebte Goldmelissentee. Zur Wirkung dieser beiden Tees gebe es allerdings keine fundierten Erkenntnisse.

Gesund schlafen mit einfachen Mitteln

Diese Tipps tragen zum Einschlafen ohne Medikamente bei:

  • Tagsüber für Bewegung sorgen, nach 20 Uhr jedoch keinen Sport mehr treiben
  • Jeden Abend ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett gehen
  • Vor der Nachtruhe Alkohol und schweres Essen vermeiden
  • Im Bett nicht Lesen, Essen, Fernsehen oder zum Beispiel E-Mails auf dem Smartphone checken
  • Kamillentee, ein warmes Bad oder eine Wärmflasche wirken entspannend und damit schlaffördernd
  • Auf ein dunkles, ruhiges und nicht zu warmes Schlafzimmer achten

 

Schlaffördernde Massnahmen

Oft geht es sogar ganz ohne Medikamente oder natürliche Schlafmittel. So berichtet Gesundheits-Tipp von den Erfolgen des Schlaftrainings. Die Betroffenen müssen sich an kurze, aber regelmässige Bettzeiten halten. Wer nach zehn Minuten nicht eingeschlafen ist, muss aufstehen und sich mit etwas anderem beschäftigen, bis er sich müde fühlt. Dem Bericht zufolge machen sich nach zwei Wochen erste Fortschritte bemerkbar. «Nach rund acht Wochen haben die meisten wieder zu einem normalen Schlaf gefunden», erklärte Jürg Schwander, Leiter der Klinik für Schlafmedizin in Zurzach, gegenüber dem Magazin. Er schätzt, dass etwa 85 Prozent der chronischen Schlafstörungen geheilt werden können, ohne Medikamente zu schlucken.

Quellen: Sprechzimmer, Martin Koradi, Gesundheits-Tipp

Text: Christine Lendt

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