Kaugummi: Was wirklich drin steckt & vier nachhaltige Alternativen

Kaugummi ist in aller Munde. Beim Blick auf die Inhaltsstoffe vergeht einem jedoch schnell die Lust am Kauen. Was in herkömmlichem Kaugummi steckt und welche Alternativen es gibt.

Kaugummi: So sehr schadet er uns und vier gute Alternativen
Es klebt nicht nur gut, sondern sorgt auch für frischen Atem – aber wie gesund ist Kaugummi? Foto © Sergii Gnatiuk / iStock / Getty Images Plus
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Kaugummis sind praktisch, keine Frage. Dank ihnen haben wir nach jedem Essen einen frischen Atem, ausserdem soll die klebrige Masse Gehirnleistung und Verdauung anregen. Aber die wenigsten haben sich schon mal gefragt, was sie da zwischen den Zähnen haben, wenn sie Kaugummi kauen? Wir haben genauer hingeschaut.

Im Artikel:

Die Geschichte des Kaugummis

Kaugummikauen ist keineswegs eine neuzeitliche Erscheinung: Bereits vor über 9'000 Jahren sind die Menschen auf den Geschmack des Gummis gekommen. Damals nutzten Skandinavier Birkenholz, die Mayas kauten auf einem gummiartigen Stoff namens Chicle herum, der aus dem Breiapfelbaum gewonnen wurde. 

Der Breiapfelbaum wird auch Kaugummibaum genannt
 Der Breiapfelbaum, auch Kaugummibaum wächst in Zentralamerika. Foto © arif hidayatullah / iStock / Getty Images Plus

Letzterer ist heute besser bekannt unter dem Namen «Kaugummibaum». Aus der Masse, die aus dem Saft des Baumes gewonnen wird, bestand auch der Kaugummi, für den der US-Amerikaner Amos Taylor 1869 das erste Patent anmeldete. Heute besteht Kaugummi nur noch in seltenen Fällen und zu kleinen Teilen aus Chicle.

Woraus Kaugummi heute besteht

Der Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe auf Kaugummi-Packungen ist selten aufschlussreich: «Kaumasse» als Zutat ist schliesslich nicht besonders präzise.

Fakt ist: Diese Kaumasse besteht zumeist aus Kunststoffen, letztlich also aus Erdöl-Produkten. Sie enthält künstliche Polymere wie Polyvinylether oder Polyvinylacetat und Butylkautschuk. Darunter können Sie sich nichts vorstellen? Zur Veranschaulichung: Klebstoffe und Gummihandschuhe etwa bestehen aus sehr ähnlichen Substanzen.

Kurz um, bei konventionellem Kaugummi besteht nicht nur die Packung aus Plastik. Wenn wir Kaugummi kauen, haben wir also Kunststoff im Mund.

Schadet Kaugummi Umwelt und Gesundheit?

Die Zutaten in herkömmlichem Kaugummi lassen vermuten, dass Kaugummi ungesund ist und die Umwelt belastet. Da ein Streifen Kaugummi nicht wenig Kunststoff enthält, ist er nicht biologisch abbaubar und verrottet kaum. Deshalb gehören alte Kaugummis erst recht nicht auf den Gehweg oder auf den Kompost, sondern müssen ordentlich entsorgt werden.

Gewusst? In Singapur ist nicht nur das Kauen, sondern auch der Verkauf von Kaugummi illegal.

Ob Kaugummi dem Körper schadet, hängt vor allem damit zusammen, wie oft Sie ihn kauen. Gerade zuckerfreie Kaugummis erhalten oft den Zuckeraustauschstoff Sorbit, der eine abführende Wirkung und hat und bei übermässigem Verzehr Durchfall verursachen kann. Das synthetischen Süssungsmittel Aspartam (E951) hingegen hat keinen Einfluss auf den Darm, wird jedoch auch industriell hergestellt und ist daher keine natürliche Zutat. Wie das Kantonale Labor Zürich festhält, ist Aspartam ausserdem nicht für Menschen geeignet, die an der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie leiden. Deshalb müssen Lebensmittel mit Aspartam mit dem Hinweis «enthält eine Phenylalaninquelle» versehen sein.

In Kaugummi stecken viele künstliche Zusatzstoffe
 Zuckerfreier Kaugummi enthält meist synthetische Süssungsmittel. Foto © Eva-Katalin / E+

Aber auch andere Substanzen im modernen Kaugummi machen skeptisch: Die Weichmacher (Phtahlate) etwa, die dem Kunststoff zugesetzt werden, stehen unter Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Das Pigment Titandioxid (E171), das viele Kaugummis weiss färbt, wird sogar als möglicherweise krebserregend eingestuft. In Frankreich ist Titandioxid in Lebensmitteln deshalb vorerst für ein Jahr verboten. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicher und Veterinärwesen (BLV) liefert die zugrundeliegende Studie zum Zusatzstoff jedoch noch nicht ausreichend begründete Kenntnisse, um den Stoff auch hierzulande zu verbieten. Gerade solche Kaugummis, die weissere Zähne versprechen, sollten Sie trotzdem mit Vorsicht – oder besser gar nicht – geniessen. 

Vor allem Kinder bekommen oft zu hören, dass sie Kaugummi keinesfalls runterschlucken sollten. Die synthetischen Zusatzstoffe gelangen jedoch bereits über die Schleimhäute in den Körper. Wer die klebrige Masse doch mal verschluckt, hat nichts zu befürchten: Bis auf den Zucker und die Aromen ist es nicht verdaulich und durchwandert einfach unseren Körper. 

Natürliches Kaugummi als Alternative zu Wrigleys & Co.

Wer zur Zahnpflege zwischendurch oder für einen frischen Atem gerne Kaugummi kaut, greift am besten zu natürlichem Kaugummi ohne Plastik, Weichmacher, Aspartam und anderen E-Nummern.

Diese Hersteller bieten Kaugummis mit natürlicher Kaumasse und ohne Aromen oder Farbstoffen an:

1 Real Gum

Chocolat Frey, der Schweizer Hersteller von Kaugummis und Schokolade, kündigt aktuell ein neues, ganz natürliches Kaugummi an, das bald auf den Markt kommen soll. Real Gum besteht aus natürlichem Baumsaft, Carnaubawachs, wird mit Birkenzucker (Xylit) gesüsst und ist vegan. Die Kaumasse besteht ausserdem aus Gummi arabicum, einem natürlichen Rohstoff aus Akazien-Bäumen.

Real Gum wird in den Geschmacksrichtungen Spearmint, Zitrone, Pfefferminz und Zimt angeboten. Letzteres ist sicher ein guter Ersatz für alle, die das würzige Big Red Kaugummi lieben.

2 Alpengummi

Der natürliche Alpengummi aus Österreich kommt ebenfalls ohne Sorbit, Aspartam, Weichmacher und andere Zusatzstoffe aus. Die Kaumasse wird aus heimischem Harz und Bienenwachs gewonnen und mit Xylit gesüsst. Auch die Verpackung kommt ohne Plastik aus.  Das regionale Kaugummi ohne Zucker gibt's mit Erdbeer- und Waldminze-Geschmack. Erhältlich ist es online etwa im Essential-Foods-Shop.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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3 True Gum

Das Startup aus Dänemark produziert Kaugummis aus Chicle. Der Rohstoff für die Kaumasse wird in einem ressourcenschonenden Verfahren gewonnen, für das keine Bäume gerodet werden. Die Zutatenliste von True Gum ist übersichtlich: Chicle, Xylit und Stevia, Glycerin und natürliche Aromen. Es wird in den vier Geschmacksrichtungen Himbeere & Vanille, Minze & Matcha, Lakrize & Eukalyptus und Ingwer angeboten und ist etwa bei The Sage online erhältlich.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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4 Forest Gum

Der Gründer von Forest Gum hat es sich ebenfalls zum Ziel gemacht, zuckerfreies Kaugummi aus rein natürlichen Zutaten und ganz ohne Plastik herzustellen. Die Kaugummis sind vegan und frei von Asparatam, Titandioxid und Aromen. Stattdessen bestehen sie aus Carnaubawachs und Chicle und werden mit Xylitol und Stevia gesüsst. Mit dem nachhaltigen Abbau der natürlichen Kaumasse unterstützt das Start-Up lokale Bauern, die seit Jahrzehnten den Saft des Breiampfebaums in den Tropen Zentralamerikas ernten, ohne den Bäumen zu schaden.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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