So wird der Naturgarten fit für die kalte Jahreszeit

Ein Naturgarten braucht nur wenig herbstliche Pflege. Mit einigen Handgriffen wird der naturnahe Garten winterfest gemacht und für das kommende Frühjahr vorbereitet.

Auch in der kalten Jahreszeit lebt Ihr Naturgarten.
In den kalten Monaten braucht Ihr Naturgarten auf die neue Saison vorbereitet zu werden. Foto: Elenathewise, iStock, Thinkstock
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Ein naturnaher Garten lebt von ganz allein - auch im Herbst und Winter. «Doch kurz vor der kalten Jahreszeit bedarf es ein wenig Pflege», bestätigt auch Urs Streuli, Gartenberater von Bioterra. Statt die Grünfläche komplett auszuräumen, genügen aber einige Handgriffe, um den Naturgarten für die nächste Saison vorzubereiten.

Stauden im Naturgarten pflanzen

Einheimische Pflanzen sind pflegeleicht, weil sie sich an das Schweizer Klima und den Boden angepasst haben. Durch ihre Kälteunempfindlichkeit benötigen sie kein zusätzliches Verhüllen und Einpacken für frostige Zeiten. Stattdessen sollten Gärtner die Herbstmonate nutzen, um neue Stauden zu pflanzen und Wildblumenwiesen anzulegen. Die Aussaat ist noch bis Oktober möglich. Dabei sind ein bis vier Gramm Bio-Saatgut auf einem Quadratmeter Fläche mehr als genug.

Wer meint, seine bestehenden Blumen zusätzlich mit Laub und anderem «Grünzeug» düngen zu müssen, tut meist zu viel des Guten. Dazu erklärt Gartenexperte Urs Streuli: «Wo viel Grünmasse liegen bleibt, entsteht auch viel nährstoffreicher Humus und das ist in diesem Falle unerwünscht. Die intensive Blütenfülle von raren Wildpflanzen, die als Nahrung für viele Blütenbesucher dient, hält sich nur auf magerem Boden.» Viel Zeit spart man auch ein, wenn man die Wiese nicht mäht, sondern Gräser und verblühte Stauden stehen lässt. Darüber freuen sich zudem Vögel, die in den Stauden Futter finden.

Sträuchern oder Hecken anlegen und schneiden

Der Herbst ist die beste Jahreszeit, um eine Auswahl der knapp 20 heimischen Straucharten zu pflanzen. Wachsen bereits Hecken im Naturgarten, sollte man sie noch vor dem Winter schneiden. Das unterstützt den dichten Wuchs von sommer- und immergrünen Hecken. Welche Hecke Sie wie am besten Schneiden, erklärt das Spezial «Hecken und Sträucher im Garten».

Doch ein Bio-Garten ist auch der Lebensraum vieler Tiere. Während der Brutzeit dürfen Sträucher und Hecken deshalb in sehr geringem Mass geschnitten werden und nur, wenn keine besetzte Brutstelle vorhanden ist. Auch in den Herbstmonaten sollte man aber darauf achten, was so alles in der Hecke wohnt. Schneidet man radikal alles weg, fällt für einige Tiere eine wichtige Nahrungsquelle weg. So tragen etwa Weissdorn und Kornelkirsche im verschneiten Naturgarten noch Beeren, die von Waldmäusen und Rotdrosseln verzehrt werden.

Auf den Boden kommt es in Naturgärten an

Ein Naturgarten besteht nicht nur aus Magerwiesen, Hecken und Asthaufen, sondern auch aus Nutzfläche. Wer im nächsten Sommer eine gute Ernte einfahren möchte, bereitet den Erdboden auf das kommende Jahr vor - doch das komplett ohne Kunstdünger! Als Ersatz gibt es die Gründüngung, die ohne tiefes Umgraben auskommt. Dabei lockert der Gärtner sandige Böden mit einer Grabegabel auf.

September und Oktober sind die Monate, in denen die Gründüngung im Naturgarten ansteht. Dabei werden zum Beispiel Phacelia oberflächlich in den sandigen Erdboden eingearbeitet oder der lehmige Boden gemulcht. Während der Überwinterung sterben die Pflanzen ab und verbessern so die Bodenqualität. Die Reste werden im Frühjahr abgerecht. Mehr dazu lesen Sie hier: «Gartenboden durch Gründüngung nachhaltig verbessern»

Um den Boden vor Kälte zu schützen, werden die Beete im nachhaltigen Garten abgedeckt. Viele Gartenbesitzer verwenden Laub, doch Urs Streuli bevorzugt samenfreies Herbstgras oder Stroh. Allgemein sollte Laub und weitere Grünmasse auf knapp drei Viertel der gesamten Gartenfläche bodeneben abgeräumt werden. Das sei insbesondere an dicht bewachsenen und eher schattigen Stellen ratsam. Krautige Pflanzen freuen sich, wenn sie vor dem Abfrieren vom Laub befreit werden. Das «Grünzeug» landet dann auf dem Kompost oder als leicht gedeckter Haufen in eine ungestörte Ecke das Naturgartens.

Wie lockert man den Boden mit einer Grabegabel?

Die Grabegabel steckt der Hobbygärtner bis zum Anfang des Stiels in den Boden. Dann bewegt er das Gartengerät vor und zurück. In etwa zehn Zentimeter breiten Abständen wiederholt er diesen Vorgang. Dabei wird der Boden gelüftet, aber nicht alle Schichten durcheinander gewirbelt.

Bestimmtes Gemüse erhält erst nach dem ersten Frost Geschmack.

Erst nach dem ersten Frost landet Gemüse wie Randen auf Ihrem Teller. Foto: ivandzyuba, iStock, Thinkstock

Im Herbst bringen Gärtner die Nachsaat ein. Das kann beispielsweise Spinat, Feldsalat, Wintergetreide oder Zottelwicke sein. Mit diesen Pflanzen wäscht sich der Boden in den kalten Monaten nicht aus. Der Spätherbst ist aber auch Erntezeit. Im Oktober erntet man das Wurzel- und Wintergemüse. Denn erst nach dem ersten Frost erhalten Rosen- und Grünkohl ihren typischen Geschmack und landen dann auf den Tellern.

Naturnaher Garten als Herberge für Winterschläfer

Der Igel fühlt sich im naturnahen Garten ganzjährig wohl. Er sucht in Hecken und in Komposthaufen nach Käfern, Schmetterlingsraupen und Schnecken. Fallen die Temperaturen, ziehen sich die stacheligen Gartenbewohner in geeignete Quartiere zum Überwintern zurück. Das können Ast-, Laub- und Steinhaufen im Naturgarten sein. Dort siedeln sich auch Insekten und anderes Getier an, welche von den Igeln als Gaumenschmaus verzehrt werden. Oftmals wirken die Haufen wie unaufgeräumte Ecken, doch sind sie für Spitzmäuse, Reptilien und Amphibien kleine Paradiese im Naturgarten.

Wie baut man einen Asthaufen?

Ein Asthaufen nimmt etwa eine Fläche von zwei bis vier Quadratmetern im Naturgarten ein. Für einen guten Witterungsschutz muss er mindestens einen Meter hoch sein. Auf dem Erdboden stapelt der Gartenbesitzer dickere Äste auf. Damit schafft er Hohl- und Lebensräume für die Wintergäste. Dem folgen dünnes Geäst und Laub. Alle drei Schichten werden abwechselnd aufgeschichtet, damit mehrere Schlafmöglichkeiten im Naturgarten entstehen.

Vogelfutter aus dem Naturgarten

Vögel, die in der Schweiz überwintern, suchen in Parkanlagen und Vorgärten häufig erfolglos nach Futter. Den Hungerleidern helfen dann meist Futterhäuschen. Doch Naturgärten sind gute Alternativen. Dort finden sie Blütenreste oder überwinternde Insekten, die sich in Stauden verstecken. Ferner laben sie sich an Beeren von Weissdorn oder Schlehe und picken im bodenbedeckenden Laub nach Insekten, die darin Schutz vor der Kälte suchen.

Der naturnahe Garten ist im Winter nicht nur eine gute Schlaf- und Raststätte für die Tiere, der Gartenbesitzer erlebt dank ihm auch in der kalten Jahreszeit viele Augen- und Naturfreuden.

Quellen: bfnu, Natur im Garten, wwf, gartenland.ch, baselland.ch, umwelt-olten.ch, froschnetz.ch, pro-igel.ch Text: Kerstin Borowiak

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