Aus Lebensrettern werden Taschen, Gürtel und Co.

Zwei Brüder beweisen, dass nachhaltiges Denken und trendiges Styling zusammen passt. Die zündende Idee: Taschen und Accessoires aus Feuerwehrschläuchen. Martin und Robert Klüsener leiten zusammen das Unternehmen Feuerwear.

Gebrüder Klüsener: Aus Lebensrettern werden Taschen & Co.
Die Brüder Robert und Martin Klüsener. Foto: feuerwear.ch
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Anstatt als Sondermüll die Umwelt zu belasten, werten sie das Outfit ihrer Trägerinnen und Träger auf: Gebrauchte Feuerwehrschläuche verwandeln sich in trendige Taschen und Accessoires. Sie heissen dann zum Beispiel Bill, Jack, Ted oder Scott, so wie kernige Kerle einer amerikanischen Löschzug-Staffel. Mit seinen unterschiedlichen Aufdrucken und Einsatzspuren ist jedes der handgefertigten Feuerwear-Produkte ein Unikat.

Eine zündende Idee

Schon als Kind hatte der spätere Firmengründer Martin Klüsener das Textilhandwerk für sich entdeckt. Viele Stunden verbrachte er an der Nähmaschine im Keller seines Elternhauses. Die Idee für sein nachhaltiges Taschenlabel kam ihm während des Studiums der Bekleidungstechnik. «Ich wollte beweisen, dass umweltbewusste Mode auch stylisch sein kann», sagt der 34-Jährige. Damit stand das Thema für seine Diplomarbeit fest. Er kreierte seine ersten Umhängetaschen aus Segeltuch und verkaufte sie unter dem Namen «Luv». Doch mit dem Material war er noch nicht zufrieden, weil es vergleichsweise selten ist. Die aufwendige Beschaffung erfüllte nicht dem selbst gesetzten Anspruch der Nachhaltigkeit.

«Ich suchte daher nach einem Material, das ich in ausreichender Menge vor Ort finden konnte», berichtet Martin Klüsener. Sich nach weiteren Möglichkeiten umschauend, entdeckte er bei einer Feuerwehrwache ausgemusterte Schläuche, die in die Sondermülldeponie wandern sollten. Viel zu schade um das robuste Material mit seiner heldenhaften Geschichte, fand der Jungdesigner. Er packte ein Stück Schlauch ein und machte sich auf den Heimweg, um die Idee auszubrüten, die bereits in seinem Kopf zu arbeiten begonnen hatte. Eine Tasche, in die auf jeden Fall ein DIN A4-Block hineinpasste. Er fertigte einen ersten Prototypen an und testete ihn im Alltag. Das Ergebnis überzeugte, auch der passende Name für das neue Label war schnell gefunden: Feuerwear. Ein befreundeter Grafiker entwarf das Firmenlogo in den Einsatzfarben Rot und Weiss.

Unterstützung durch den Bruder

Mehr als 40 000 Produkte verkauft das Unternehmen inzwischen jährlich. Martin Klüsener glaubt, dass es auch am Material liegt. «Man muss kein Feuerwehrmann sein, um etwas von den heldenhaften Einsätzen zu sehen oder zu spüren, an denen es beteiligt war.» Um die wachsende Nachfrage stemmen zu können, holte er bereits im Jahr 2008 seinen Bruder Robert mit ins Boot. Der hatte Medientechnik und Betriebswirtschaft studiert, sich anschliessend auf den Bereich Business Development spezialisiert: Als Angestellter in Beratungsfirmen konzentrierte er sich auf den Aufbau kleinerer Start-Up-Firmen beziehungsweise auf die Einrichtung neuer Abteilungen in grösseren Unternehmen. Dann beschloss er eigene Wege zu gehen.

Taschen aus Feuerwehrschlauch

Die Carl Messenger Bag bestehen aus recyceltem Feuerwehrschlauch. Foto: feuerwear.ch

«Ich traf mich abends mit meinem Bruder», erinnert sich Robert Klüsener, «und wir überlegten, in welchen Bereichen ich mich selbstständig machen könnte.» Nachdem die beiden viele Ideen diskutiert hatten, trafen sie sich am nächsten Morgen erneut. Da überraschte ihn Martin mit dem Angebot, sein Unternehmen als Partner mit zu führen. «Dort sollte ich den Vertrieb übernehmen und seine Vision unterstützen.» Bald gab es Nägel mit Köpfen. Robert Klüsener analysierte das Potenzial der Marke und suchte nach neuen Vertriebsmöglichkeiten. «Das erste halbe Jahr habe ich komplett am Telefon verbracht und potenzielle Händler angerufen.» Sein Ehrgeiz zahlte sich aus, mittlerweile führen mehr als 250 Händler weltweit die Taschen des deutschen Labels Feuerwear.

Nachhaltige Produktion

Martin Klüsener kann sich nun ganz auf das Design der Produkte konzentrieren, die er nach wie vor selbst entwirft. Das erforderliche Material kommt von Feuerwachen aus ganz Deutschland. Mit dem blossen Recycling sei es jedoch nicht getan. «Wir versuchen überall so nachhaltig zu agieren, wie es uns möglich ist.» Dazu gehöre auch der ausschliessliche Einsatz von Ökostrom und der Ausgleich von CO2-Emissionen über «atmosfair». Zur Reinigung der Schläuche werden umweltverträgliche Waschmittel aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet. Eine vom TÜV erstellte Ökobilanz soll dazu beitragen, den Beitrag zum Umweltschutz noch weiter zu optimieren.

Feuerwear in der Schweiz

Die Taschen und Accessoires aus Feuerwehrschläuchen sind auch in der Schweiz erhältlich unter www.feuerwear.ch.

 

Text und Interview: Christine Lendt

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