Bio aus dem Supermarkt: Wie gut ist günstig?

Bio ist längst keine Produktnische mehr, sondern gehört heutzutage in jeden Supermarkt. Nur: Wo liegen die Preisunterschiede? Und wie gut sind günstige Bio-Lebensmittel?

Bio aus dem Supermarkt: Wie gut ist günstig?
Bio-Lebensmittel sind im Supermarkt keine Seltenheit mehr. Doch wie gut ist die Qualität dieser billigeren Produkte? Foto: voloshyna, iStock, Thinkstock
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Bio boomt weiterhin. Wie Bio Suisse berichtet, hat sich die Anzahl der Landwirte, die per Anfang 2013 auf diese Anbaumethode umstellten, gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt (auf 245 Betriebe). Insgesamt arbeiteten in 2012 landesweit 5731 Betriebe nach den Richtlinien der Öko-Organisation und ihrer Marke Knospe. Der Marktanteil von Bioprodukten stieg von 6,0 auf 6,3 Prozent. «Qualitativ hoch stehende Lebensmittel aus naturnaher Produktion entsprechen dem Bedürfnis nach mehr Umwelt- und Tierfreundlichkeit, nach Produktionsnähe, Sicherheit und Swissness», kommentiert Marketingleiter Jürg Schenkel den Aufwärtstrend. Für den Handel bedeutet diese Entwicklung: Bio aus dem Supermarkt ist Standard und das Angebot dürfte weiter zunehmen.

Vor allem Grossverteiler

Einer Studie zufolge sind Coop und Migros die dominanten Händler von Bio-Produkten am Markt. Mehr als 75 Prozent des Schweizer Gesamtumsatzes mit Bio-Produkten entfallen auf diese beiden Supermarkt-Ketten. Coop hat mit seiner Eigenmarke «naturaplan» mittlerweile rund 1 600 Bio-Produkte in ihrem Sortiment. Das „Bio“-Sortiment von Migros umfasst rund 1 000 Produkte. Auch diese Produkte sind mit der «Knospe» zertifiziert, und die Rückverfolgbarkeit soll zur Qualitätssicherung beitragen. Preislich liegt das Angebot in der Regel unter dem von kleineren Bio-Läden.

Allerdings wirkt sich diese Entwicklung auch auf die Händler-Vielfalt im Lande aus. Viele der kleinen Anbieter können dem Preisgefälle nicht standhalten. Hohe Ladenmieten und Personalkosten machen der Branche zu schaffen. Die Folgen bekam Vatter, der nach eigenen Angaben «erste Bio-Supermarkt der Schweiz» im Jahr 2011 zu spüren: Nach 18 Jahren musste der Laden in der Berner Altstadt schliessen. 47 Angestellte verloren ihre Stelle.

Bioläden teurer als Supermärkte

Laut einer Erhebung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) liegen die Preise der Bio-Läden rund 20 Prozent über denen der grossen Detailhändler. Dazu Andreas Höhener vom Baseler Biofachgeschäft «Höheners»: «Wir sind nur teuer, weil die anderen billiger geworden sind.» Der Einzelhändler kritisiert, dass Bioprodukte zu Dumpingpreisen angeboten werden. «Wo führt die Billigmentalität hin? Diese Entwicklung schadet doch nur der Qualität.»
 

Bio aus dem Supermarkt: Wie gut ist günstig?

Die Qualität von Bio-Produkten aus dem Supermarkt steht der aus Bioläden in nichts nach. Allerdings gibt es eine kleiner Auswahl in Supermärkten. Foto: gigishots, iStock, Thinkstock

Neben den Grossverteilern bauen auch Discounter wie Lidl, Aldi und Denner ihr Biosortiment aus. Bereits in 2008 hatten sie ihren Umsatz mit Bioprodukten mehr als verdoppelt. Das deutsche Konsumentenmagazin Ökotest sowie der Schweizer K-Tipp kommen zu dem Ergebnis, dass diese Märkte qualitativ unter dem Strich nicht zurück stehen. «Discountmarken sind durchschnittlich nicht besser oder schlechter als Markenprodukte und selbst mit ihren Bioprodukten schneiden die Discounter nicht schlechter ab als die spezialisierten Biosupermärkte und Bioläden.» Dies bezieht sich auf die Produktqualität. Es bedeutet nicht, dass die Bio-Labels dieselben Kriterien in Sachen Nachhaltigkeit erfüllen wie zum Beispiel Bio aus dem kleinen Hofladen. Auch die Auswahl im Discounter ist per se begrenzter.

Alnatura: Deutsche Bio-Supermarkt-Kette kommt in die Schweiz

In Deutschland sind die «Super Natur Märkte» des Unternehmens Alnatura in nahezu allen Städten vertreten. Viele Konsumenten bevorzugen sie, weil es dort «alles in bio» gibt und das zu vergleichsweise günstigen Preisen. Neben den Labels grosser Bio-Anbieter wie Demeter sind Produkte der oftmals preiswerteren Eigenmarkte «alnatura» erhältlich. Das gibt es nun auch in der Schweiz. Der erste Alnatura Bio-Supermarkt im Alpenland wurde am 30. August 2012, in Zürich-Höngg eröffnet. Weitere Märkte in anderen Städten sind geplant.

Auch hinter diesem Supermarkt steht der Grossverteiler Migros. Das Angebot umfasst rund 5 000 Produkte von Alnatura, von Migros Bio sowie von nationalen und internationalen Bio-Marken. Stimmt bei dieser Masse noch die Qualität, fragen sich manche Konsumenten. Nach eigenen Angaben von Alnatura durchaus. Achtet man auf die Wortwahl, gibt es indes Einschränkungen in Sachen Nachhaltigkeit: «Möglichst viele Frischeprodukte wie Gemüse, Obst, Brot und Eier stammen aus der Region Zürich. Kurze Transportwege schützen die Umwelt und garantieren grösstmögliche Frische», teilt der Marktbetreiber mit. Die landwirtschaftlichen Zutaten aller Alnatura Produkte stammen «bevorzugt von Bauernhöfen der bekannten ökologischen Landbauverbände wie Demeter, Bioland und Naturland.» Entsprechende Siegel auf der Verpackung der Alnatura Produkte weisen darauf hin. Wer genau wissen möchte, welchen Hintergrund die einzelnen Produkte haben, muss also genau hinsehen.

 

Quellen: Coop, Migros, Alnatura, bionetz, Schweizer Radio und Fernsehen, Ökotest, K-Tipp, Natürlich online

Text: Christine Lendt