Trend Selbstversorger: Wie man auf wenig Platz viel anbauen kann

Um zumindest teilweise zum Selbstversorger zu werden, braucht es kein riesiges Grundstück. Auf auch kleinem Raum kann man Einiges bestens für den eigenen Bedarf selbst produzieren, ob nun Gemüse im Garten oder auch Strom auf dem Dach.

Tipps für Selbstversorger und wie es auch teilweise mit kleinem Garten klappt
Foto: © Giorgio Magini, iStock, Thinkstock
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Ein Selbstversorger ist der Definition nach Jemand, der sich selbt mit dem Lebensnotwendigen versorgen kann. Heute lässt es in der Regel die Situation nicht mehr zu, dass man alle Bedürfnisse aus eigener Bemühung abdecken kann. Wenigstens zum Teil könnte aber fast Jeder zum Selbstversorger werden.

Warum Selbstversorger zu sein im Trend liegt

Viele Lebensmittel enthalten heute Schad- oder Zusatzsstoffe, der Betrieb einer Heizung ist oft teurer als das Warmwasser von der Solarthermie auf dem Hausdach und der Strom von den eigenen Solarzellen kommt wenigstens nicht aus dem Atomkraftwerk. Solche und ähnliche ökologische, gesundheitliche oder auch ökonomische Beweggründe führen dazu, dass sich immer öfter Menschen dafür entscheiden, auf einer oder auch mehreren Ebenen zum Selbstversorger zu werden.

Wie populär das Selbermachen inzwischen ist, zeigt auch die rasant wachsende Anzahl Mitglieder der noch jungen Facebook-Gruppe www.die-selbstversorger.de. Obwohl in Deutschland entstanden, vereint sie inzwischen über 8'000 Mitglieder auch aus der Schweiz, Österreich und Luxemburg. Die Gründerin Susanne Umbach bringt ein für Selbstversorger weiteres, sehr wichtiges Argument auf den Punkt: Der Spass daran. Und das Planen, Säen, den Pflanzen beim Wachsen zuschauen sowie das Ernten und anschliessende Geniessen macht dazu noch stolz auf die eigene Zucht. 

Wie wird man zum Selbstversorger?

Viel Platz, ein wenigstens halbwegs grüner Daumen und Zeit sind nötig, um wirklich als Selbstversorger nahezu autark vom eigenen Anbau zu leben. Die grösste Gartenzeitung Europas, Mein schöner Garten, beziffert die pro Person benötigte Fläche für die Vollversorgung mit Gemüse und Salat mit etwa 60 Quadratmetern. Hinzu kommt Raum für Obstbäume und -Sträucher. Der Getreideanbau ist hier mal ausgeschlossen, weil er sehr flächen- und maschinenintensiv ist.

Und auch nur bei Obst und Gemüse kompletter Selbstversorger zu sein, bedarf auf der angegebenen Fläche einer genauen Planung, Bepflanzung und Ausnutzung der Beetflächen. Einfrieren, einmachen oder einlegen ist dann ein Pflichtprogramm, um sich mit der reichen Sommerernte im Winter selbst zu versorgen.

Nun muss aber nicht Jeder zum gänzlich autarken Selbstversorger werden. Auch auf kleinem Platz mit überschaubarem Planungs- sowie Zeiteinsatz kann man durchaus Einiges anbauen und sich so zumindest teilweise selbst versorgen.

Tipps, um zumindest teilweise Selbstversorger zu werden

Im kleinen Garten kann man zumindest teilweise zum Selbstversorger werden. Der Trick: Auch hier genau planen und jeden Platz nutzen. Man kann zum Beispiel, wie übrigens auch auf dem Balkon, lieber die grosse Fleischtomate anstatt die Cocktailtomate mit geringem Ertrag anbauen. Bestimmte Pflanzen, wie Mangold, Radieschen oder Schnittsalat, kann man zudem mehrmals abernten oder regelmässig nachsäen und sich damit auch auf kleinem Raum über das ganze Gartenjahr hinweg selbst versorgen. Andere Gemüse, wie Buschbohnen, sind ideal für kleine Gärten, selbst für den Balkon, denn sie brauchen nur wenig Platz und ermöglichen trotzdem eine reiche Ernte. Zudem sollte Schnellwachsendes zum Selbstversorger-Anbau gehören. Neben Schnittsalat und Radieschen gehört dazu unter anderem Rucola.

Weitere Tipps im Überblick

  • Eine ausreichend grosse Fläche für den Anbau, Sortenvielfalt für eine lange und reiche Ernte und rechtzeitig mit Samen eindecken und den Anbau planen.
  • Es sollte genügend Lagerplatz da sein, um Kartoffeln zu lagern, Wintergemüse einzuschlagen, konserviertes Obst und Gemüse dunkel und kühl aufzubewahren.
  • Gerade im kleinen Garten exakt planen und vor allem vorhandene Fläche ausnutzen. Mangold oder Fenchel, Kohlsorten wie Palmkohl oder Salat machen sich zudem auch sehr gut im Blumenbeet.
  • Für die Geniesser, die auch auf dem Balkon etwas anbauen möchten: Lieber grosse statt kleine Töpfe, grosse statt kleine Tomate, früher als später ernten (z. B. Gurke oder Zucchetti liefern mehr Gemüse pro Pflanze, wenn zeitig geerntet), Überschüsse nicht verschenken, sondern einkochen, einmachen oder tauschen.
  • Zudem gibt es Schrebergärten, Urban Gardening-Projekte und andere Initiativen, die das Gärtnern und eine teilweise Selbstversorgung ermöglichen

Faustregel für alle Anfänger: Erst klein anfangen und an den Aufgaben und Erfahrungen wachsen. Hier ein paar wichtige Tipps für den Gemüseanbau.

Eine Selbstversorgerin erklärt ihre Beweggründe

«Es war ein Kindheitstraum, auf dem Bauernhof mit Tieren zu leben und einen grossen Garten zu haben», schwärmt die Selbstversorgerin Susanne Umbach. Und den hat sie sich irgendwann wahr gemacht. Heute lebt sie im rauen Klima des westdeutschen Mittelgebirges Eifel und realisiert dort auf 8'000 Quadratmetern Land ihren Traum von der Selbstversorgung. Das Grundstück ist zwar zum grössten Teil mit Obstbäumen und –Sträuchern besetzt, dennoch ist sie sehr nah am Selbstversorger-Dasein. «Bis auf Exotisches wie Zitronen oder Bananen, versorge ich mich obsttechnisch zu 95 Prozent selbst. Auch klimaabhängig sind es 50 bis 70 Prozent in Sachen Gemüse und Salat, 99 Prozent bei Kräutern zum Kochen oder für Tinkturen. Zudem haben wir zwar einige Nutztiere, aber die werden nicht gegessen. Dafür bekomme ich einen guten Teil des Fleisches durch tauschen». Und das ist eines der weiteren Prinzipien der Selbstversorgung: Was man nicht hat wird mit Gleichgesinnten getauscht.

«Aber es ist nicht einfach, zum Teil- oder Selbstversorger zu werden», warnt Susanne. «Gesundes Essen aus eigenem Anbau ist nicht unbedingt günstiger. Erstmal muss das Land da sein – egal ob gekauft oder gepachtet – und dann benötigt man Gerätschaften oder später zum Einkochen jede Menge Kochutensilien, Gläser, Zutaten und so weiter». Es sei nicht günstiger, allerdings weiss man was frisch auf den Tisch kommt.

Zudem warnt die Selbstversorgerin davor, die Arbeit nicht zu unterschätzen. «Ohne den Willen hart zu Arbeiten und seine Zeit zu investieren wird das nichts mit dem Selbstversorger» lautet ihr Ratschlag. Aber wer Spass daran hat, der kann den Traum vom Teil- oder gar Selbstversorger bis zu einem gewissen Grad verwirklichen.

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann