Wie aus Biomasse nachhaltige Energie entsteht

Der Rüstabfall aus deiner Küche, Dünger aus der Landwirtschaft sowie nicht mehr gebrauchtes Holz haben eines gemeinsam: Sie zählen als Biomasse und stecken voller Energie. Daraus lassen sich Strom, Treibstoff und Wärme gewinnen. Biomasse gehört zu den erneuerbaren Energien und ist CO2-neutral. Wie Biomasse-Energie entsteht und was du tun kannst, damit diese Energie mehr genutzt wird.

Frau wirft Gemüsereste in einen Bioabfall in der Küche
Auch in deinen Küchenabfällen steckt Energie. © svetikd / E+
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Biomasse – das Wichtigste in Kürze:

  • Als Biomasse werden alle organischen Materialien bezeichnet, wie etwa Speisereste, Kuhmist und Grünabfälle. Definition
  • Biomasse gibt während der Gärungsprozesses Gase frei, die aufbereitet ins Erdgasnetz eingespeist werden. Zur Erklärung
  • In der Schweiz stehen heute 166 Biogasanlagen.
  • Jede Person kann etwas dazu beitragen, dass Biomasse-Energie mehr genutzt wird. Zu den Tipps

Vom Küchenabfall bis zum Pferdemist – aus Biomasse kann umweltfreundlich Strom, Wärme und Brennstoff gewonnen werden. Auf diese Weise werden Abfälle weiterverwertet und die Umwelt geschont.

Was ist Biomasse?

Biomasse bezeichnet alle organischen und nachwachsenden Materialien, also solche pflanzlichen und tierischen Ursprungs. Stoffe, die in der Natur entstanden sind, können sich auch wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen, sprich organische Reststoffe sind immer kompostierbar und vergärbar.

Zu diesen organischen Stoffen, die als Biomasse zählen, gehören neben deinem Bioabfall etwa Grüngut, Erntereste und Dünger aus der Landwirtschaft sowie Speisereste aus der Gastronomie.

Als CO2-neutral gilt Biomasse, weil bei der Erzeugung von Energie maximal so viel CO2 entsteht, wie die Pflanze (Grundlage der Biomasse) zuvor mittels Fotosynthese gebunden hat.

Wie aus Biomasse Energie wird

Um organische Abfälle für die Energieversorgung zu nutzen, werden sie in einen sogenannten Fermenter gefüllt. Darin findet ein chemischer Vergärungsprozess statt, bei dem Mikroorganismen die Biomasse zersetzen. Bei diesem Vorgang entstehen Gase wie Methan und Kohlendioxid und es wird Wärme freigesetzt. Die Gase werden aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist, wo sie den fossilen Rohstoff ersetzen.

Eine Biogasanlage mit mehreren Fermetern
Eine Biogasanlage © Vadym Terelyuk / iStock / Getty Images Plus

Wird das Biogas verbrannt, kann es mittels Turbinen zur Stromerzeugung genutzt werden. Auch die Abwärme, die dabei entsteht, fliesst wieder in den Kreislauf ein und kann zum Heizen genutzt werden, etwa in Wohnhäusern. Das verbleibende Material, also die vergorene Biomasse, kommt ebenfalls erneut zum Einsatz – nämlich als natürlicher Dünger in der Landwirtschaft.

Biomasse in der Schweiz

Für die Schweizer Energieversorgung wird Biomasse immer wichtiger. Schliesslich ist Bioenergie erneuerbar, wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und schliesst Stoffkreisläufe. Zudem ist Energie aus Biomasse die einzige erneuerbare Energie, mit der sowohl Wärme als auch Strom und Treibstoff erzeugt werden kann.

Aktuell stehen in der Schweiz 166 Biogasanlagen (Stand 2020, EnergieSchweiz). Insgesamt stammt ein Fünftel der erneuerbaren Energie in der Schweiz von Biomasse und im Jahr 2020 würden bereits 79'000 Haushalte mit Biogas versorgt.

Übrigens: der grösste Teil der Energie aus Biomasse – rund 85 Prozent – wird hierzulande aus Energieholz hergestellt. Energieholz bezeichnet unter anderem naturbelassenes Waldholz, Althoz, Holz aus der Landschaftspflege und Restholz aus der Holzverarbeitung. Daraus werden Schnitzeln, Pellets und Stückholz gefertigt, die in Fernwärmeheizzentralen und in Holzheizkraftwerken Wärme und Strom erzeugen.

Vorurteile gegenüber der Biomasse

Biomasse-Energie wird nicht selten mit Themen wie Nahrungsmittelkonkurrenz und Regenwaldabholzung in Verbindung gebracht. Das rührt daher, dass teilweise Energiepflanzen wie Mais und Raps an Stelle von Nahrungsmitteln für die Gewinnung von Biomasse angebaut oder Wälder zur Gewinnung von Biomasse gerodet werden. In der Schweiz wird Biomassen-Energie jedoch ausschliesslich aus organischen Reststoffen gewonnen.

Der Bund fördert die Gewinnung der Biomasse-Energie aus Abfällen und Restestoffen, da diese erneuerbare Energie beim Erreichen der Klimaziele eine grosse Rolle spielen. «Energiepflanzen hingegen werden in der Schweiz im Gegensatz zum Ausland nicht angebaut», schreibt Biomasse Suisse auf der eigenen Website.

Was du tun kannst, um den Gewinn von Biomasse-Energie zu steigen

Biomasse-Energie ist in der Schweiz zwar auf dem aufsteigenden Ast, dennoch kann jede einzelne Person etwas dazu beitragen, dass die erneuerbare Energie mehr genutzt wird. Wie? Ganz einfach:

Trenne deinen Bio-Abfall

Laut EnergieSchweiz enthält der durchschnittliche Schweizer Kehrichtsack heute noch immer einen Drittel vergärbare Biomasse. Indem zu Rüstabfälle beim Kochen und Backen sowie Speisereste in einem separaten Bioabfall statt im Kehrichtsack entsorgst, hilfst du dabei, dass organische Abfälle seltener in der Kehrsichtverbrennung landen. Denn dann können sie nicht mehr als Biomasse für die Energiegewinnung genutzt werden.

Heize mit Holz

Wenn du von einer Gas- oder Ölheizung auf ein erneuerbares Heizsystem umsteigen möchtest, prüfe auch die Möglichkeit, auf Holz umzustellen. Vielleicht lässt sich dein Haus auch an einen bestehenden Holzwärmeverbund anschliessen.

Setze auf Biogas zum Heizen

Wenn du deine Wohnung aktuell mit Erdgas beheizt, lohnt sich der Umstieg auf Biogas. Meistens bieten die lokalen Energieversorgen die Möglichkeit, deinen Wärmebedarf vollständig oder zumindest zum Teil mit Biogas zu decken. Erkundige dich einfach beim Energieversorger nach verschiedenen Optionen.

Wechsle jetzt zu Ökostrom

In einem Blockheizkraftwerk wird aus Biogas neben Wärme auch Strom. Die meisten Elektrizitätswerke bieten die Möglichkeit, Ökostrom zu beziehen – der auch Strom aus Biomasse enthält. Indirekt treibst du durch den Bezug von Ökostrom also den Ausbau von Biogasanlagen in der Schweiz voran.

Fahr mit Biotreibstoff

Laut EnergieSchweiz gibt es in der Schweiz aktuell bereits über 150 Erd- und Biogastankstellen – Tendenz steigend. Tankst du dein Gasauto mit Biogas, beeinflusst du deine CO2-Bilanz positiv.

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