Milchersatz: So gesund und nachhaltig ist Pflanzenmilch wirklich

Pflanzenmilch ist so beliebt wie nie. Das Angebot in den Supermärkten reicht von Mandel- über Sojamilch bis zu Dinkel- und Hafermilch. Doch wie gesund und nachhaltig ist der vegane Milchersatz?

 Milchersatz: So gesund und nachhaltig ist Pflanzenmilch wirklich
Pflanzenmilch ist immer nachhaltiger als Kuhmilch. Foto: © Aamulya / iStock / Getty Images Plus
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Immer mehr Menschen verzichten auf Kuhmilch und greifen zu veganem Milchersatz. Ein Grund ist die Motivation, etwas für das Klima tun zu wollen, denn die Produktion tierischer Milch verbraucht ein Vielfaches der natürlichen Ressourcen, die für die Herstellung veganer Milch gebraucht wird.

Laut der Organisation Water footprint sind für ein Glas Kuhmilch (200 ml) rund 200 Liter Wasser nötig. Das Wasser wird für das Futter, das Putzen des Stalls, das Tränken der Tiere und die Milchproduktion selbst gebraucht.

Daneben greifen immer mehr Leute zu Pflanzenmilch, weil sie um das Tierwohl besorgt sind. Um herkömmliche Milch zu produzieren, werden Kühe jedes Jahr künstlich befruchtet. Dabei werden sie bis kurz vor der nächsten Trächtigkeit weiter gemolken. Nach der Geburt wird den Kühen ihr Kalb meist innert wenigen Stunden weggenommen, um die Milch für die Milchproduktion verwenden zu können.

Kühe haben eine natürliche Lebenserwartung von etwa 22 Jahren. Milchkühe werden laut Animal Rights aber selten älter als fünf Jahre. Sobald ihre Leistung nachlässt, haben sie für die Milchproduktion keinen Wert mehr und landen im Schlachthof.

Widerlegt: Der gesundheitliche Aspekt

Lesetipp:

Während früher unbestritten war, dass Kuhmilch gesund ist und dank dem hohen Kalziumgehalt Osteoporose vorbeugt, gilt diese Annahme heute als widerlegt. Im Gegenteil wird vermutet, dass viele Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck mit der Unverträglichkeit tierischer Eiweisse zu tun haben. Auch zeigen Untersuchungen, dass ein hoher Konsum von Milchprodukten mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht.

 

«Pflanzendrink» statt «Pflanzenmilch»

Per Gesetz dürfen Hersteller von Milchersatzprodukten, ihre Getränke seit 2017 nicht mehr «Milch» nennen. Zum Schutz der Milchindustrie wurde der Begriff rechtlich geschützt. Aus diesem Grund kaufen Sie heute im Geschäft «Sojadrink» statt «Sojamilch».

Sojamilch: der Klassiker unter den Pflanzendrinks

 Milchersatz: So gesund und nachhaltig ist Sojamilch

Sojamilch ist die beliebteste unter den Milchalternativen. Foto: © karinsasaki, iStock / Getty Images Plus

Geschmacklich ist Milchersatz aus Soja vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Die Pflanzenmilch auf Basis von Soja hat jedoch viele Vorteile.

Rezept-Tipp:

Sie enthält wichtige Nährstoffe und etwa den gleichen Proteingehalt wie Kuhmilch, dabei aber einen geringeren Fettgehalt.

Sojamilch lässt sich problemlos als Milchersatz zum Backen, Kochen oder im Kaffee einsetzen und kann sogar aufgeschäumt werden. Aus Soja gibt es zudem unzählige Produkte, die herkömmliche Milcherzeugnisse ersetzen, wie zum Beispiel Joghurt, Quark, Käse oder Rahm. 

Umstrittene Isoflavone

Oft in der Kritik war Sojamilch aufgrund der in Soja enthaltenen Isoflavone. Das sind Pflanzenstoffe mit einer ähnlichen Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen. Während früher vermutet wurde, Isoflavone würden das Krebsrisiko steigern, gilt dies heute als wissenschaftlich wiederlegt. Im Gegenteil wird sogar eine positive Wirkung auf hormonabhängige Krebserkrankungen angenommen.

Achten Sie beim Kauf von Pflanzendrinks aus Soja auf Bio-Produktion aus Europa. Dann hat Sojamilch auch in Punkto Nachhaltigkeit die Nase vorn. Denn im Vergleich zu Kuhmilch benötig Sojamilch für die Produktion weniger als die Hälfte an Wasser. Zudem entsteht bei der Herstellung von einem Liter des veganen Milchersatz auf Sojabasis fünfmal weniger CO2.

Profi-Tipps für Veganer: Welcher Milchersatz sich wofür am besten eignet

Wir haben bei Bernadette Raschle von Swissveg nachgehakt:

Bernadette Raschle: «Ich wähle Hafermilch, weil ich den feinen, milden Geschmack mag. Auch im Kaffee ist mir Hafermilch am liebsten, es gibt ja mittlerweile sogar Haferrahm.

Wenn man auf das Kalzium achten will, sollte man allerdings besser zu Sojadrinks greifen. Milchersatzprodukte aus Soja sind oft mit Kalzium angereichert. Und sie kommen auch bezüglich Eiweiss besser weg als Hafermilch.

Zum Backen nehme ich aber eher Mandelmilch. Aufgrund des enthaltenen Lecithins, das Wasser und Öl bindet, eignet sich diese besonders gut zum Backen. Auch Pflanzendrinks aus Soja beinhalten Lecithin und können ohne Einbussen verwendet werden.»

Mandelmilch – der populäre zweite unter den Milchalternativen

 Milchersatz: So gesund und nachhaltig ist Mandelmilch

Als Milchersatz wird Mandelmilch immer beliebter. Foto: © jlcst / iStock / Getty Images Plus 

Mandelmilch ist inzwischen fast ebenso populär wie Sojamilch – wohl weil viele den leicht nussigen Geschmack mögen. Der Milchersatz aus Mandeln eignet sich daher auch zum Backen, für Desserts oder im Müesli.

Wenn Sie es nicht ganz so süss mögen, achten Sie beim Kauf besser auf ungesüsste Varianten.

Im Vergleich zum Pflanzendrink aus Soja hat Mandelmilch zwar weniger Proteine, dafür aber viele Spurenelemente und Vitamine.

Rezept-Tipp:

In Sachen Nachhaltigkeit ist Mandelmilch allerdings ein Problemfall: Mandeln brauchen enorm viel Wasser, wachsen aber vor allem in trockenem Klima und haben lange Transportwege. Ähnlich problematisch liegt der Fall übrigens bei Pflanzendrinks aus Cashewnüssen.

Nachhaltigkeitstipp unserer Vegan-Redaktorin Fabienne Leisibach 

Wer aufgrund der schlechten Ökobilanz Mandelmilch lieber meiden, aber dennoch nicht auf den leicht nussigen Geschmack im Pflanzendrink verzichten möchte, kann auf Milchersatzprodukte aus Hanf, Haselnüssen oder Süsslupinen zurückgreifen. Diese sind ebenso gesund und stammen  meist aus europäischer Produktion.

Hafer, Dinkel, Reis: Vegane Milch aus Getreide

 Milchersatz: So gesund und nachhaltig ist Hafermilch

Vegane Milch aus Hafer hat die beste Ökobilanz. Foto: © morisfoto / iStock / Getty Images Plus

Milchersatz aus Getreide lässt sich zum Kochen und Backen verwenden, wobei sich vor allem Hafermilch sogar perfekt Aufschäumen lässt. Dank der leicht süsslichen Note, die diese veganen Milchersatzprodukte auch in der ungezuckerten Variante aufweisen, eigenen sie sich hervorragend für Müesli und Desserts aller Art.

Ein Nachteil bei Hafermilch und Co. ist, dass sie in der Regel weniger Proteine und Nährstoffe beinhalten. Positiv ist, dass die Getreidesorten alle aus europäischer Produktion zu haben sind.

Nachhaltigkeitstipp: Wenn Sie Pflanzenmilch aus Getreide mögen, setzten Sie lieber auf Hafermilch oder Dinkelmilch, denn Reis hat mit Abstand den grössten Wasserverbrauch.

Das meint unsere Vegan-Redaktorin, Fabienne Leisibach

Vegane Milch hat in jedem Fall eine bessere Ökobilanz als Kuhmilch. In Bezug auf die Nachhaltigkeit schneiden Soja-, Hafer- und Dinkelmilch am besten ab. Auch Hanf- und Lupinenmilch werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, zumal sie in Sachen Inhaltsstoffen punkten können. Welche vegane Milch die richtige ist, ist Geschmacksache. Oft sind es auch Mischungen, zum Beispiel Soja-Hafermilch, die besonders überzeugen.

Was ist mit Kokosmilch?

Kokosmilch ist das einzige Milchersatzprodukt, dass sich auch offiziell «Milch» nennen darf. Mit ihrem fruchtig-nussigen Geschmack eignet sie sich zwar für Curries, Drinks oder Desserts, für den Alltag ist sie wohl aber vielen zu exotisch.

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