Grüne Stadt: Wohnen im vertikalen Wald in Mailand bald möglich

Begrünte Hochhäuser? Ein vertikaler Wald? Alles Luftschlösser!, hätten wir wohl bis vor kurzem gesagt. Was bisher Utopie war, wird jetzt allerdings in Mailand Realität und zwar dank des Architekten Stefano Boeri. Der «Bosco Verticale» macht aus einer grauen Fläche ein nachhaltiges, urbanes Paradies.

«Vertical Forest»: Grün wohnen erhält neue Bedeutung.
Grün wohnen erhält durch das Projekt «Bosco Verticale» eine ganz neue Definition. Foto: © Stefano Boeri Architetti
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Mitten in der zweitgrössten italienischen Stadt soll bald der «vertikale Wald» fertiggebaut werden. Dieser besteht aus zwei 80 und 112 Metern hohen Blöcken, deren Aussenfassaden komplett mit knapp 17'000 Sträuchern und Bäumen bepflanzt werden sollen. Insgesamt bieten die stattlichen Gebäude rund 50'000 Quadratmeter Wohnfläche an.

Im «Vertical Forest», auf italienisch «Bosco Verticale», werden grosse Terrassen gebaut, die mit bis zu acht Metern hohen Bäumen bepflanzt werden können. Für die Auswahl der richtigen Bäume, wurden Experten der Landwirtschaftlichen Fakultät der Mailänder Universität herangezogen. Wie widerstandsfähig sind sie? Welche Bäume sind die pflegeleichtesten? Die idealen Gewächse werden während zwei Jahren in einem Treibhaus gezüchtet. Bewässert werden die Bäume durch ein ausgeklügeltes System, das aus dem Untergeschoss der Hochhäuser das Wasser hochpumpt. Bewacht werden die voraussichtlich noch 2012 bezugsbereiten Wohnhäuser von ferngesteuerten, elektronischen Sonden.

Die Vorteile des vertikalen Waldes seien vielfältig, verkündet der Architekt Stefano Boeri im Interview mit pressetext. Ein Beispiel: Klimaanlagen seien im Sommer nicht mehr von Nöten, da die schattenspendenden Pflanzen die Innentemperatur um mindestens zwei Grad Celsius senken würden. Im grössten Industriegebiet Italiens sei aber das Wichtigste, dass vom «Bosco Verticale» eine grosse Menge CO2 gebunden werden könne.

Nicht nur die Bäume und Sträucher machen das Projekt besonders «grün». Ökologisch ist auch die Stromversorgung. Auf insgesamt 500 Quadratmetern wurden Solarzellen installiert, Windräder aufgestellt und geothermische Sonden platziert. Ein grosser Teil des Stromverbrauches könne dadurch gedeckt werden, so Boeri. Der «Bosco Verticale» sei zudem nicht nur energieeffizient und nachhaltig, sondern setze mit seiner umweltfreundlichen Aussenfassade auch ein Zeichen gegen graue, einheitliche Stadtbilder.

Quelle: pressetext

Text: Sabrina Stallone