Blauregen pflegen: So blüht die Glyzinie besonders üppig

Blauregen, auch als Glyzinie oder Wisteria bekannt, ist dank seiner üppigen Blütenpracht ein Hingucker. So pflanzen und pflegen Sie Glyzinien richtig. Und der richtige Rückschnitt.

Blauregen: Diese Pflegemassnahmen benötigen Glyzinien
Welche Pflegemassnahmen benötigt der schöne Blauregen im Garten? Foto: iStock / Thinkstock
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Blauregen braucht ein sehr stabiles Gerüst

Bei Blauregen handelt es sich um eine schlingende Kletterpflanze, strenggenommen ist die Pflanze ein Kletterstrauch, die sich an Pergolen, Hauswänden oder anderen Stützhilfen locker 7, 8 Meter und mehr in die Höhe und gerne auch mehrere Meter in die Breite schlingt. Dabei können die anfangs sehr flexiblen, jungen Triebe sich in wenigen Jahren zu stark wachsenden, kräftigen Ästen entwickeln, die ihre Rankhilfe einfach zerdrücken oder zum Einsturz bringen. Eine stabile Kletterhilfe, an Hauswänden bewährt sich ein stabiles, in der Wand verankertes Stahlseilsystem, ist für die Wisteria daher ganz wichtig. 

Wie stark die Pflanze ist, zeigt die ehemalige Verwendung in einem zerklüfteten Gebiet Japans. Dort wurde dicke Äste der Pflanze ineinander verflochten und über Flüssen fixiert. Mit Holzbrettern darauf wurden so Brücken für die Bevölkerung gebaut.

Aufgrund ihrer Kraft sollte die Glyzinie im Auge behalten werden, denn Dachrinnen und Regenrohre kann die Kletterpflanze einfach zerdrücken und Dachziegel anheben. Selbst Geländer werden durch die Kraft der Pflanze verbogen. Interessant ist, dass sich die schlingenden Triebe der Pflanze stets linksherum drehen.

Glyzinie im Garten: Gängige Sorten

Gängige Sorten sind die japanischen Sorten Wisteria floribunda und Wisteria brachybotrys, chinesischer Blauregen Wisteria sinensis sowie der Amerikanische Blauregen, Wisteria frutescens, eine weniger bekannte Art.

Ob Wisteria sinensis, Wisteria floribunda oder eine andere Sorte: Alle haben sie gemeinsam, dass sie zwischen Mitte April und Juni blühen mit ihren meistens duftenden, unzähligen und herabhängenden Blütentrauben den Betrachter begeistern. Mit etwas Glück blühen die Pflanzen ein zweites Mal. Dann aber weniger üppig.

Wisteria brachybotrys, auch Seiden-Blauregen genannt, wächst bis zu einer Höhe von knapp 20 Metern. Sie ist die weniger bekannte Ausnahme in ihrer Gattung, denn ihre Blüten sind reinweiss. Es gibt mehrere ausgezeichnete Züchtungen dieses Japanischen Blauregens wie etwa 'Okayama', die im Garten oder gerne auch im Eingangsbereich begeistern. Dieser Blauregen benötigt einen zuverlässig feuchten Boden im Garten.

Wisteria sinensis, Chinesischer Blauregen, ist weitaus gängiger. Diese Glyzinie hat typisch hellblau bis blauviolett gefärbte Blütentrauben. Besonderheit: Die einzelnen Blüten sind mit etwa 2 Zentimetern grösser als die der japanischen Vertreter. Auch die Wisteria sinensis begeistert mit ihrem Duft. Diesen Blauregen gibt es auch als Züchtung 'Alba', der ebenfalls weiss blüht.

Wisteria frutescens, der Amerikaner unter den Blauregen, ist mit 5, 6 Metern Wuchshöhe eher zurückhaltend. Auch diese Wisteria bildet eine blauviolette, duftende Blüte, die Blütentrauben sind, passend zu ihrem geringerem Höhenwuchs, etwas kleiner als sie etwa Chinesischer Blauregen aufweist. Sie gilt als die pflegeleichteste Pflanze in der Familie der Blauregen.

Wisteria floribunda bildet Blütentrauben in XXL und von lila-blau bis hellrosa. Es gibt auch rein rosablühende Pflanzen dieser Art, deren deutscher Name, Langblütige Glyzinie, Programm ist. Denn mit bis zu einem halben Meter Länge sind sie die Stars und den Wisterias. 8 - 10 Meter wachsen sie in die Höhe.

Blauregen: Standort, Ansprüche und richtig pflanzen

Auch wenn die Pflanze anspruchslos ist und Minusgrade gut verträgt, sollten Sie sie an einem etwas geschützten Standort in der Sonne oder maximal im Halbschatten pflanzen.

Um Blauregen zu pflegen, bereiten Sie ein Pflanzloch vor, indem Sie die Erde mit Kompost verbessern. Eine stabile Rankhilfe montieren Sie gleich beim Pflanzen. Möchten Sie direkt am Haus Blauregen pflanzen, installieren Sie ein festes Drahtsystem an der Wand und halten Sie mit dem Pflanzloch etwas Abstand zur Hauswand ein.

Die ideale Pflanzzeit ist im Frühjahr oder Herbst. Das Erdreich sollte einen durchlässigen Boden haben. Mit normalem Gartenboden ist der Blauregen völlig zufrieden. Die Glyzinie mag es feucht, das sollte an dem Standort gewährleistet sein. Regelmässiges Giessen ist zudem wichtig. Mehr und dafür nicht so oft ist hier besser, um eine Wurzelbildung in tiefere Regionen zu fördern. Das macht die Pflanze auch unempfindlicher bei Trockenheit. Tipp: Gönnen Sie der Glyzinie einen ausreichend grossen Giessrand. Das erleichtert das Giessen und es kommt mehr Wasser direkt an die Wurzeln.

Gönnen Sie der Pflanze in den ersten 2, 3 Jahren einen Winterschutz an der Basis. Mulch ist hier optimal. Je nachdem wie die Kletterpflanze später wachsen soll, ist nach dem Pflnazen zudem ein Schnitt nötig. Wie dieser funktioniert, das lesen Sie weiter unten.

Blauregen ist giftig

Ja, Blauregen ist giftig, aber bei richtigem Umgang mit der Wisteria geht von ihr keinerlei Gefahr aus. Die Glyzinie enthält in allen Pflanzenteilen sogenannte Alkaloide, die schwach giftig auf den Menschen wirken. In den Samen und deren Hülsen, die sich nach der Blüte bilden, sind zudem Lektine enthalten. Das sind Stoffe,  die zwar auch in zahlreichen Gemüseosrten wie Gartenbohnen vorkommen, bei diesen wird er allerdings durch den Kochprozess neutralisiert. Mensch und Tier sollten weder die Hülsen, noch die Samen essen.

Giftig ist schliesslich eine Wistarin genanntes Glykosid, die in den Wurzeln und der Rinde vorkommt. Wer sich nach der Arbeit an der Glyzinie, zum Beispiel dem Rückschnitt der Kletterpflanze, die Hände wäscht, geht keinerlei Gesundheitsrisiko ein.

Die Folgen, gerade des Verzehrs der Samenkapseln: Magenbeschwerden, Erbrechen, Durchfall oder Kreislaufprobleme, bis hin zum Kollaps. Bereits 2 Samenkapseln können diese Symptome bei Kindern auslösen. Daher: Unbedingt Kinder aufklären!

Junge Blauregen mit Erziehungsschnitt formen

Wird Blauregen nicht in Form gebracht, in dem jedes Jahr einzelne Triebe herausgenommen werden, dann haben Sie in nur wenigen Jahren jede Menge wild durcheinander wachsende Triebe. Sie möchten die Pflanze an einer Wand hinaufziehen und sie soll einen Teil oder gar die ganze Fassade mit den Jahren fächerförmig erobern? Das klappt, wenn Sie die Glyzinien richtig schneiden.

Hierzu kürzen Sie zunächst den Haupt- oder Leittrieb der jungen Pflanze etwa auf einen Meter und über einem kräftigen Auge ein. Alle Seitentriebe werden entfernt und der Leittrieb mit einer stabilen Stütze Richtung spalier geführt. Im nächsten Jahr lassen Sie lediglich 2 der neuen Haupttriebe stehen. Diese werden im 45-Grad-Winkel am Spalier fixiert und wiederum bei maximal einem Meter, oder etwas weniger und über einem kräftigen Auge eingekürzt. Die einjährigen Triebe hieran kürzen Sie auf etwa 15 Zentimeter ein und binden Sie nach unten. so verfahren Sie jedes Jahr, bis sich das Spalier fächerförmig und gleichmässig mit kräftigen, aber wenigen Haupttrieben füllt.

Blauregen, die Sie an einem Rosenbogen im Garten, einer Pergola, Balkon oder Vordach entlang ziehen möchten, behalten die 2, 3 kräftigsten Haupttriebe, die Sie um die Kletterhilfe wickeln und daran fixieren. Neu wachsende Triebe, mit denen die Pflanze das Gerüst erobern soll, Verlängerungstriebe genannt, werden jährlich (Sommer oder Winter) auf etwa einen Meter über einem Auge eingekürzt.Dies fördert die Verzweigung.

Bei jungen Pflanzen, die veredelt sind, schneiden Sie bodennahe Triebe regelmässig aus. Denn dies sind Wildtriebe, die aus der Unterlage wachsen und nichts mit der Pflanze darüber gemeinsam haben.

Rückschnitt: Zweimal im Jahr Glyzinie schneiden

Um Ihren Blauregen zu pflegen, greifen Sie zweimal im Jahr zur Schere. Der erste Schnitt erfolgt im Sommer, etwa im August. Die einhährigen Triebe, die am grünen Holz zu erkennen sind und im Frühjahr und Frühsommer blühten, werden auf 30 bis 50 Zenitmeter direkt über einem Blattaustrieb eingekürzt. Als Faustregel für diesen Schnitt rechnen Sie etwa 2 Monate nach der letzten Blüte. Dieser Schnitt nennt sich Erhaltungsschnitt und fördert die Ausbildung neuer Triebe.

Der zweite Schnitt erfolgt im Winter. Es werden dann alle Seitentriebe bis auf die am Haupttrieb sitzenden Knospen heruntergechnitten, damit der Blauregen in Form bleibt und im folgenden Frühjahr kräftig blüht. Mit der Zeit bilden sich an diesen Schnittstellen Verdickungen, an denen die Pflanze besonders gut austreibt und entsprechend mit jeder Menge Blüten begeistert. Sollte die Blühleistung des sehr langlebigen Kletterers nachlassen, dann werden nach und nach diese Verdickungen komplett bis an den Haupttrieb herausgeschnitten. Dann bilden sie neue Triebe und die Verdickung mit mehr Austrieben baut sich von Neuem auf.

Überwucherte Glyzinie mit Verjüngungsschnitt zähmen

Wenn der Blauregen zu gross geworden ist, können Sie die Pflanze nach und nach verjüngen. Hierzu nehmen Sie jedes Jahr immer nur einen der Haupttriebe bodennah weg und ersetzen ihn in der Rankhilfe durch einen Jüngeren. Theoretisch können Sie sogar einen Schnitt auf etwa einem Meter Höhe ansetzen und die Pflanze neu aufbauen. Aber das macht man wirklich nur, wenn die Pflanze völlig überwuchert ist und über etliche Jahre im schnittlosen Dornröschenschlaf lag.

Blauregen aus Samen ziehen?

Ja, das geht, aber es entstehen wohl nur selten blütenreiche, oft gar nicht blühende Kletterpflanzen. Selbst wenn man erfolgreich ist, dann dauert es bis zur Blüte 7 - 8 Jahre. Besser: Im Juli von der eigenen Pflanze Stecklinge schneiden oder, noch besser, Absenker machen. Stecklinge vom Blauregen schneiden Sie aus dem jungen Holz. Hierzu verwenden Sie 15 - 20 Zentimeter lange Triebe, die unter- und oberhalb einer Knospe geschnitten werden. Sofort in einen Topf mit Pflanzerde stecken und feuchthalten. Nicht wundern und gleich mehrere Stecklinge machen, denn diese wachsen nicht immer an.

Erfolgversprechender ist die Herstellung neuer Pflanzen durch Absenker. Hierzu leiten sie einen jungen, bodennahen Trieb auf den Boden und fixieren ihn mittig auf der Gartenerde. Mit Erde bedecken und abwarten. Im nächsten Jahr sollten sich an der Stelle mit Erdkontakt die Wurzeln der neuen Pflanze gebildet haben. und die neue Pflanze austreiben. Jetzt die junge Pflanze nur noch von der Mutterpflanze abschneiden, ausgraben und in durchlässigen Boden pflanzen.

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