Schweizer Bio-Getreide: von Dinkel bis Weizen gesünder essen

Von Tomaten und Äpfeln in Bioqualität liest man häufig. Weitaus seltener spricht man über Bio-Getreide, obwohl wir Schweizer täglich 135 Gramm Brot und andere Backwaren essen. Nur wenige Gramm sind davon aus Bio-Getreide hergestellt. Es lohnt sich aber Bio-Dinkel, Weizen oder Roggen zu verwenden.

Bio-Getreide ist gesünder
Brot aus Bio-Getreide enthält weniger Schad- und mehr Nährstoffe. Foto: Pavel Timofeyev, iStock, Thinkstock
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Dank Biosiegel trennen wir bei vielen Lebensmitteln sprichwörtlich die Spreu vom Weizen. Doch warum achten wir ausgerechnet beim Getreide eher selten darauf? Und das, obwohl die Körnerfrüchte im Schweizer Biolandbau sehr gefragt sind. Besonders Bio-Weizen und Bio-Dinkel werden häufig angebaut. Doch bisher deckt das heimische Bio-Korn nur etwa 20 bis 40 Prozent des eigentlichen Bedarfs ab. Es fehlt weiterhin an Bio-Bauern.

Wie baut man Bio-Getreide in der Schweiz an?

Bio-Getreide kommt, wie andere ökologische Produkte, ohne chemisch-synthetischen Dünger und Unkrautvernichtungsmittel aus. Das wird besonders beim ungeschälten Vollkorn wichtig. Dieses enthält nachweislich weniger Pestizide und Nitrate, aber dafür mehr Mineral- und Ballaststoffe. Für den Bio-Landwirt bedeutet es, abwechslungsreiche Fruchtfolgen und maschinelle Bodenbearbeitung gegen das Unkraut einzusetzen. Daher ist es wichtig, die Bio-Getreidefelder während der Hauptwachszeit täglich zu prüfen, den Boden entsprechend zu pflügen und Pflanzenreste einzuarbeiten. Der Landwirt wendet damit mehr Zeit auf, spart aber wiederum das Geld für Pestizide ein.

Bio-Getreide schützt die Artenvielfalt

Der Verzicht auf Pestizide kommt auch der Flora und Fauna zu Gute. Die ökologische Landwirtschaft fördert nachweislich die Biodiversität. Auf einem Bioacker leben bis zu 50 Prozent mehr Mikroorganismen, Insekten, Kleintiere und Vögel. Das Einzige was beim Bio-Getreide unerwünscht ist, ist der Pilzbefall. Das kann man durch geeignete Standortwahl, optimierte Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, robuste und langstielige Sorten sowie trockene Lagerung eindämmen. Resistente Sorten sind häufig alte Getreidearten, die nicht gentechnisch verändert werden müssen. Vor allem Mais als Vorfrucht begünstigt den Befall von Feldpilzen. Darauf greift meist die herkömmliche Landwirtschaft zurück, die Mais als Futterpflanze benötigt. Weiter wirken ungepflügte Böden und mineralische Spätdüngung förderlich für gesundheitsgefährdende Schimmelpilze.

Durch natürlichen Dünger essen Sie gesünder

Um den Boden mit Nährstoffen zu versorgen, setzt man im Bio-Landbau auf Gründüngung, Gülle, Geflügelmist und Kompost. Deshalb fördert Biosuisse gemischte Betriebe, die neben Bio-Getreide auch Tiere züchten. Damit verhindert man, dass die Pflanzen unerwünschte Antibiotika aufnehmen, was nicht nur den Verbraucher sondern auch das Trinkwasser schützt.

Auf einem Blick: Gründe für Bio-Getreide

Untersuchungen wiesen nach, dass Bio-Weizen, Bio-Roggen, Bio-Dinkel und andere Getreidearten einen höheren Gehalt an essenziellen Aminosäuren haben. Man stellt zudem geringere Rückstände von Pestiziden und Schwermetallen fest. Auch fällt die Belastung durch giftige Stoffwechselprodukte des Schimmelpilzes (Mytoxin) geringer aus. Die Bio-Landwirtschaft untersagt die Verwendung von Vorratsschutzmitteln und die Begasung mit beispielsweise Phosphorwasserstoff. Man setzt Kohlendioxid gegen Schädlinge ein, was jedoch einen höheren Zeitaufwand bedeutet.

Bio-Getreide wird ständig kontrolliert

Bio-Getreide wird durchgehend kontrolliert, um die Qualität zu sichern. Foto: OLEKSANDR SHEVCHENKO, iStock, Thinkstock

Cadmium im Getreide

In den letzten Jahren mehren sich Berichte über Cadmium in herkömmlichem Getreide und Gemüse. Cadmium kommt auch natürlich in der Umwelt vor. Erhöht wird dessen Menge jedoch durch Klärschlamm oder Düngemittel. Eine hohe Menge von diesem Stoff kann über einen langen Zeitraum unter anderem zu Nierenschäden oder zu Osteoporose führen. Laut Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der Ergebnisse des Kantonalen Laboratoriums Basel Stadt befinden sich die ermittelten Belastungen noch im Rahmen der Toleranzwerte. Doch nicht alle Sorten sind davon gleichermassen betroffen. Weizen nimmt sehr leicht Cadmium aus dem Boden auf. Wer hingegen zu Bio-Weizen greift, verringert die Zufuhr des Schwermetalls. Das erklärt sich über den Verzicht von phosphathaltigem Dünger und Klärschlamm beim Anbau in der biologischen Landwirtschaft.

Wo kann man Bio-Weizen, Roggen und Dinkel kaufen? 

Regionalität steht bei Bio-Produkten hoch im Kurs. Deshalb ist Bio-Getreide beim ökologisch wirtschaftenden Bauern direkt erhältlich. Biosuisse bietet dazu beispielsweise eine Datenbank an. Demeter informiert mit einer allgemeinen Liste von allen Produzenten, die jedoch nicht nach Produkten sortiert sind. Ferner stellen sich auch einzelne Biohöfe im Internet vor, wie der Hofladen Birkenhof, der Biohof Hänni Noflen, der Biohof Schüpfenried oder der Biohof Zaugg. In der Schweiz gibt es noch Bio-Getreidemühlen wie zum Beispiel die Mühle Schönenbühl, die ihre Produkte auch über einen Onlineshop vertreiben. Wer keinen Hofladen in der Nähe hat, findet sich ein breites Angebot in Reformhäusern, Bioabteilungen der Supermärkte und Bioläden. Dazu bietet beispielsweise die Marke Biofarm eine schweizweite Suche nach Fachgeschäften. Auch Online kann man Biogetreide kaufen. Dazu gibt es verschiedene Anbieter, wie den Green-Shop.

Linktipps:

Vebu – Cadmiumproblematik bei Vegetariern

Cadmium in Lebensmitteln – BfR bietet eine Broschüre zum Thema

Videotipp: Biosuisse Kino

 

 

Quellen: BLW, BfR, LID, Biosuisse, Fibl, Bioaktuell, gesundheitsschutz-bs.ch, Kantonales Laboratorium Basel Stadt und Basel Land, Bio Ernte Austria «Ist Bio wirklich besser?» Ergebnisse einer Studie von Dr. Alberta Velimirov und Dr. Werner Müller (2003), vebu.de, strickhof.ch, bayreuther-bio-brauer.de

Text: Kerstin Borowiak