Bio-Landwirtschaft: Wie gut und teuer sind Schweizer Biolebensmittel?

Die Bio-Landwirtschaft erfreut sich wachsender Beliebtheit in der Schweiz – bei Bauern und Verbrauchern. Produkte aus der biologischen Landwirtschaft sind gesünder und fördern die Artenvielfalt. Doch der ökologische Anbau gemäss Bio Suisse-Richtlinien macht sich auch im Preis bemerkbar.

Die Bio-Landwirtschaft erlebt in der Schweiz einen Boom.
Die Bio-Landwirtschaft erlebt in der Schweiz derzeit einen Boom. oticki, iStock, Thinkstock
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Jeder Schweizer gibt durchschnittlich 211 Franken für Bioprodukte aus. Laut einer repräsentativen Umfrage der Universität St. Gallen sind fast zwei Drittel der Verbraucher bereit, für nachhaltig produzierte Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen. Das verdeutlicht, dass Produkte aus der Bio-Landwirtschaft sehr beliebt sind und die Bio-Erfolgskurve sich weiterhin steil nach oben bewegen wird.

Biologische Landwirtschaft in der Schweiz

Besonders in den letzten Jahren ging die Zahl der Biobetriebe zurück. Anlass gaben die oftmals strengen und häufig wechselnden Richtlinien; das kaum verbesserte Einkommen und die teuren Kontrollen, die die tägliche Arbeit erschwerten. Doch langsam gewinnt die Bio-Landwirtschaft wieder an Boden zurück. Inzwischen werden rund elf Prozent der gesamten Ackerfläche biologisch bewirtschaftet. In Bergregionen liegt der Anteil mit 19 Prozent deutlich höher. In diesem Jahr produzieren knapp elf Prozent der Bauern nach Bio Suisse Vorgaben, was sich unter anderem durch verbesserte Erzeugerpreise begründen lässt. Trotzdem kann die Biolandwirtschaft nicht mehr der wachsenden Nachfrage nachkommen. Dieses Problem muss durch Importe gelöst werden. 2009 zertifizierte Bio Suisse deshalb über 130.000 Tonnen Ökoprodukte aus dem Ausland, doch nur, wenn sie strengen Richtlinien genügten und ohne Flugzeug transportiert wurden. Dennoch ist das Bestreben, den biologischen Landbau in der Schweiz weiter zu entwickeln. In den letzten Jahrzehnten holte die konventionelle, beziehungsweise integrierte Landwirtschaft weiter auf und setzt unter anderem weniger belastende Dünger und Spritzmittel ein. Infolgedessen kristallisiert sich die Biodiversität als ein Kernthema der Bio-Landwirtschaft heraus, da sie sich massgeblich durch den positiven Umwelteinfluss vom konventionellen Anbau unterscheidet.

«Grün» essen ist besser. Aber auch teurer.

«Grün» essen ist beliebt. Öko-Lebensmittel haben aber ihren Preis. © Anobis - Fotolia.com

Was bedeutet Bio-Landwirtschaft?

Nachhaltigkeit ist keine Einbahnstraße, sondern beruht auf einem ganzheitlichen Ansatz und verbindet ökologische, ökonomische und soziale Aspekte im Rahmen der biologischen Landwirtschaft. Grundlegend sollen Biobauern schonend mit Unkräutern und Schädlingen umgehen sowie Boden, Wasser und Luft so wenig wie möglich belasten. Aus diesem Grund sind ausschliesslich organische Dünger und wechselnde Fruchtfolge erlaubt, was die Fruchtbarkeit des Erdbodens beibehält. Um die Artenvielfalt zu fördern, muss mindestens die Hälfte der gesamten Ackerflächen in den Wintermonaten begrünt werden. Das ermöglicht heimischen Tieren und Pflanzen einen angemessenen Lebensraum. Für den Verbraucher ist ausschlaggebend, dass Biolebensmittel schonend, ohne Gentechnik, Farb- und Aromastoffen oder Hilfsstoffe hergestellt werden. Bio Suisse fordert auch soziale Mindeststandards bei der Beschäftigung von Arbeitskräften ein, die der Dachverband neben Produktionsverfahren und Lagerung regelmässig kontrolliert. Dabei spielt auch der lückenlose Nachweis der Wege von Waren und Rohstoffen eine Rolle. Wer sich an die ganzheitlichen Vorgaben hält, darf mit dem Gütesiegel Bio Knospe Suisse produzieren.

Bio Suisse bündelt die Kräfte der alternativen Landwirtschaft

Der Dachverband Bio Suisse versammelt 32 Mitgliederorganisationen, wie zum Beispiel Demeter und KagFreiland. Neben dem Gütesiegel Bio Knospe Suisse bewerteten der WWF, der Konsumentenschutz und der Schweizer Tierschutz STS die Biolabels von Demeter und KAGFreiland mit einem «sehr empfehlenswert». Alle arbeiten nach strengen Vorgaben, doch Demeter-Betriebe gehen noch einen Schritt weiter und pflegen Pflanzen, Böden und Tiere ganzheitlich, sodass diese ihre Lebenskräfte auf ideale Weise entfalten können. KAGFreiland steht für artgerechte Tierhaltung.

Der Aufpreis lässt sich mit der aufwendigeren Arbeit erklären.

Bio-Landwirtschaft ist teurer, weil die Arbeit viel aufwendiger und sorgfältiger zu bewältigen ist. Foto: KayTaenzer, iStock, Thinkstock

Gründe für Biolandwirtschaft

Verschiedene Studien belegen, dass es nachweislich Unterschiede zwischen konventionell produzierenden und Biobetrieben gibt:

  • Durch die Bio-Landwirtschaft lebt fast ein Drittel mehr Tier- und Pflanzenarten auf den Ackerflächen.
  • Da auf künstlichen Dünger verzichtet wird und der Boden mehr Kohlendioxid bindet, verbessert sich die Ökobilanz.
  • Biobetriebe senken den Energiebedarf um knapp 15 Prozent.
  • Weil man in der biologischen Landwirtschaft auf Dünger und Pestizide verzichtet, spart man der Allgemeinheit Kosten, zum Beispiel für die Trinkwasseraufbereitung.

 

Bioimporte mit gewohnter Qualität und Preisunterschieden

Bei vielen Bioprodukten fehlt es noch an heimischen Produzenten. So muss Brotgetreide wie Weizen, Roggen und Dinkel zu mehr als 50 Prozent importiert werden. Auch bei Eiern und Rapsöl gibt es eine Lücke zwischen Nachfrage und Angebot. Bei Importen legt Bio Suisse grossen Wert auf nachhaltige Qualität und umweltschonende Produktionsweisen. Deshalb kommt es sowohl für einheimische als auch bei importierten Bioprodukten zu Preisunterschieden gegenüber konventionell hergestellten Lebensmitteln.

Mehrarbeit - höherer Verkaufspreis

Wenn Biobauern auf Pestizide verzichten, müssen sie händisch das Unkraut pflücken – wobei etwa 300 Arbeitsstunden für einen Hektar angenommen werden. Zudem verringern sich die Erträge um bis zu 30 Prozent, weil sie ausschliesslich organischen Dünger einsetzen. Die Anforderungen der artgerechten Tierhaltung, der strengen Kontrollen und die Dokumentationspflicht erhöhen weiterhin die Kosten. Darüber hinaus steht Bio Suisse auch für faire Handelsbeziehungen ein. Damit möchte man den Preisdruck in der biologischen Landwirtschaft reduzieren. Langfristig lohnt sich der Mehraufwand, bestätigt Agroscope. Ein Biobetrieb nimmt jährlich 5300 bis 8800 Franken mehr ein als ein konventioneller.

Wie teuer sind Biolebensmittel?

Laut Coop gibt es einen Preisunterschied von zehn bis 30 Prozent, der sich über das gesamte Sortiment an Bioprodukten erstreckt. Schweizer Verbraucher sind bereit, diesen Aufpreis zu zahlen. Sie wissen, dass der umweltschonende Anbau in der Schweiz seinen Preis hat: Bio ist gesünder und kostet entsprechend mehr Zeit, Geduld und Arbeitskraft. Die Westschweizer Konsumentenorganisation rechnete nach und verglich einen Warenkorb mit verschiedenen Bioprodukten. Sie stellten fest, dass sich die Preise für konventionelle und Bio-Lebensmittel im Einzelhandel um durchschnittlich 68 Prozent unterschieden. Laut Bio Suisse kann sich der Konsument zwischen einer breiten Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten - Hofladen, Detailhandel, Fachhandel oder Versandhandel - und den jeweiligen Kosten entscheiden. Unser Tipp: Wer direkt beim Landwirt kauft, der kann sich preiswert mit Biolebensmitteln eindecken.

Wer die Bio-Landwirtschaft mit seinem Einkauf unterstützt, hilft letztlich auch die Schweizer Natur – und seine Heimat - zu schützen.

CO2-Ausstoss von Biolebensmitteln

Eine FIBL-Studie belegt, dass Lebensmittel aus ökologischem Landbau eine nachweislich bessere Ökobilanz vorweisen. So verursacht ein Kilogramm von Bio-Milchprodukten zehn bis 21 Prozent weniger Kohlendioxid, ein Kilogramm Weizenbrot spart rund ein Viertel des Treibhausgases und die gleiche Masse an Öko-Gemüse reduziert den CO2-Ausstoss um ein Drittel.

 

Obst-Bauer Olivier Schopbach berichtet hier über seinen Anbau im Wallis.

Linktipps:

  • FIBL bietet umfassende Informationen über biologische Landwirtschaft.
  • Eccofood - Die Landkarte, die bei der Suche nach lokalen Bioprodukten hilft.
  • www.codecheck.info  - Liefert Experteninformationen via Website und App welche Bio-Labels besonders empfehlenswert sind.

 

Quellen: FIBL, Agroscope, Bio Suisse, Westschweizer Konsumentenorganisation, Bioaktuell, LID, COOP, FRC

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