Kleinkraftwerke: umweltverträgliche Stromgewinnung

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Kleinwasserkraftwerke werden gefördert um Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen zu können. Foto: belskar / iStock / Thinkstock

Einen umweltverträglichen Kompromiss stellen Kleinkraftwerke dar. Sie haben eine Leistung von bis zu zehn Megawatt, worin sich ein großes Potenzial versteckt. Gab es vor hundert Jahren noch 7000 Anlagen, ist deren heutige Zahl auf 1000 geschrumpft. Seit der Einführung der Einspeisevergütung kommt es nun zu einer Wiederbelebung alter Anlagen. Darüber hinaus sind auch neue Projekte geplant. Umweltverbände sehen diese Pläne teils kritisch, da die Kleinkraftwerke auch in naturnahen Schutzgebieten gebaut werden sollen. Eine WWF-Studie belegt, dass nicht jeder Tropfen der Schweizer Wasserkraft genutzt werden muss, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Trotz dieser Kritik schätzen Umweltverbände diese Art der Stromgewinnung als ökologisch sinnvoll ein.

Zwei Anwendungen versprechen echten Ökostrom: Trinkwasser- und Abwasserkraftwerke

Aus dem Gefälle von Trink- und Abwasserleitungen lässt sich Strom gewinnen. Bisher verpuffte die Energie in den Druckreduzierventilen. Nun wandeln Turbinen den Druck in Strom um. Würde die Schweizer Wasserversorgung mit dieser findigen Idee ausgestattet, könnte sie etwa ein Drittel der jährlichen Stromproduktion des Atomkraftwerks Mühleberg ersetzen (Schweizer Energie-Stiftung).

Das etwas andere Wasserkraftwerk

Eine weitere Neuentwicklung ist das Wasserwirbelkraftwerk. Dabei wird das Wasser in ein Becken geleitet. Über einem Abfluss entsteht ein Wasserwirbel, der eine Turbine antreibt. Bisher fehlen Studien, die belegen, ob Fischwanderungen problemlos möglich sind. Zudem befürchten Umweltschützer, dass die bisher ungenutzten flachen Fliessgewässer mit Wasserwirbelkraftwerken verbaut werden. Fazit: Der Bach wird baulich verändert und in das Ökosystem eingegriffen. Es muss sich erst zeigen, wie umweltfreundlich Wasserwirbelkraftwerke sind.

Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik bei Pro Natura, erklärt: «Es gibt aber gravierende Unterschiede zwischen Erneuerbarer Energie und wirklich ökologisch gewonnenem Strom. Für wirklichen Ökostrom muss auch die Naturverträglichkeit gegeben sein.» Als extremes Beispiel führt er den Bau des chinesischen Drei-Schluchtendamm am Jangtsekiang an. Zwar werde Erneuerbare Energie aus Wasserkraft gewonnen, doch verursache das Projekt nicht zu kompensierende Zerstörungen in der Natur, Umwelt und auch in der Gesellschaft. Blickt man nun wieder in die Schweiz, bei welchen Anbietern können Verbraucher den echten Ökostrom einkaufen?

Ökostrom: Label garantiert umweltfreundliche Wasserkraft

Umweltschutz beginnt zu Hause. Verbraucher sollten deshalb bei der Wahl des Stromanbieters auf das Ökostromlabel achten. Dazu meint Michael Casanova von Pro Natura: «Wer in der Schweiz einen Beitrag für Ökostrom leisten will, sollte beim Strombezug das Label «naturemade star» berücksichtigen, welches unter anderem Wasserkraftwerke und Produkte bezeichnet, die hohe ökologische Anforderungen erfüllen.» So sind beispielsweise Fischtreppen und eine naturnahe Ufergestaltung wichtige Kriterien für das Stromlabel «naturemade star», was im internationalen Vergleich sehr gut abschnitt. Wer ein gelabeltes Stromprodukt abonniert, unterstützt damit den Ausbau Erneuerbarer Energien und fördert auch den Bau weiterer umweltfreundlicher Kraftwerke. Wer zu echten Ökostrom wechseln möchte, kann sich über Topten.ch (www.topten.ch) über die besten Schweizer Angebote informieren.

Weiterführende Links

  • Schweizerische Energie-Stiftung - Die Stiftung, die kompetent über den Energiebereich informiert.
  • Pro Natura - der Verein, der sich für die Belange der Schweizer Natur einsetzt.
  • «naturemade star» ist das Qualitätszeichen für ökologisch produzierte Energie und Energie aus erneuerbaren Quellen.

 

 

Text: Kerstin Borowiak Quellen: BAFU, Schweizerische Energie-Stiftung, Pro Natura, WWF, VuE, BFE