«Gebäude werden zu Bäumen, Städte zu Wäldern»

Laut Michael Braungart, Chemiker und Gründer der EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg, sollte der Mensch daran arbeiten, einen positiven Fussabdruck zu hinterlassen, statt seine negativen Auswirkungen auf den Planeten zu reduzieren. Für die Architektur hiesse das etwa, Gebäude in Zukunft als CO2-absorbierende Rohstoffdepots zu konzipieren.

„Gebäude werden zu Bäumen, Städte zu Wäldern“
Foto: © gianliguori / iStock / Thinkstock
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Unsere negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft ins Gegenteil verkehren: Gemäss Michael Braungart, Professor, Chemiker und Unternehmer, geht das ganz einfach. Vor 30 Jahren hat er zusammen mit einem amerikanischen Architekten ein Konzept entwickelt, das die Welt retten soll. Das Cradle to Cradle® Design (C2C) definiert und entwickelt kreislauffähige Produkte, d.h. Produkte, die am Ende des Lebenszyklus nicht im Abfall landen, sondern wiederverwertet werden können. Im Gegensatz zum Recycling bleibt dabei der Wert des Rohstoffes erhalten, was wiederum bedeutet: Kein Abfall, alles ist Nährstoff.

„Gebäude werden zu Bäumen, Städte zu Wäldern“

Michael Braungart am Anlass von öbu und ABS am 9. Februar 2017 in Zürich, Foto: © öbu

Michael Braungart durfte seine Ideen als einziger nicht-Architekt 2016 an der Architektur-Biennale in Venedig vorstellen. In einem Bericht über den Anlass und C2C in der Architektur schreibt er:

«Mit dem Cradle to Cradle-Designkonzept können wir unsere bebaute Umwelt verändern und Gebäude wie Bäume und Städte wie Wälder gestalten. Es ist möglich, Gebäude zu kreieren, die nützlich für den Menschen und die Natur sind: Gesunde Materialienbanken, die Artenvielfalt und Ökosysteme fördern. BauherrInnen investieren nicht mehr nur in Büro oder Wohnraum, sondern auch in Rohstoffe, die aufgrund der Qualität und Flexibilität wieder für neue Projekte eingesetzt werden können.» (Siehe: Nährstoff – Das Magazin des Cradle to Cradle e.V. ,Ausgabe 2, 2016/2017)

„Gebäude werden zu Bäumen, Städte zu Wäldern“

Michael Braungart am Anlass von öbu und ABS am 9. Februar 2017 in Zürich, Foto: © öbu

Am in Hamburg gegründeten Institut EPEA Internationale Umweltforschung mit Tochterunternehmen u.a. in der Schweiz, den Niederlanden und Taiwan, werden zusammen mit Unternehmen laufend neue Produkte entwickelt, die den Ansprüchen des C2C gerecht werden. Die Palette reicht von WC-Papier über Reinigungsmittel bis hin zu Möbeln und Teppichfliesen. Heute gibt es bereits über 10‘000 Produkte, die das C2C-Label tragen. Ein ganzes Haus, das C2C-zertifiziert ist, gibt es heute allerdings noch nicht. Doch Michael Braungart ist überzeugt: Bis im Jahr 2035 wird sich die Welt nach den Kreislauf-Prinzipien verändert haben.

Weitere Beispiele für kreislauffähige Produkte finden Sie bei EPEA Switzerland oder bei einem unserer Zukunftsgestalter, der Vögeli AG, die als erste Schweizer Druckerei C2C-zertifizierte Produkte anbietet.

Autorin: Simone Nägeli, öbu – Der Verband für nachhaltiges Wirtschaften
 

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