Digital Detox: 9 Tipps, wie der Handy-Entzug besser klappt

  • 7

Ständig erreichbar sein, kann anstrengend werden. Trotzdem fällt es schwer, länger nicht aufs Handy zu sehen. So überlisten Sie sich für mehr Zeit ohne Smartphone.

Digital Detox: 9 Tipps, wie Sie den Handy-Entzug schaffen
Foto: © nensuria / iStock / Thinkstock

Whatsapp, Twitter und diverse andere Apps lassen unser Handy andauernd klingeln, vibrieren oder leuchten. Und dann ruft auch noch der nervige Telefon-Verkäufer an, um sein neues Abo loszuwerden. Oder der Chef will sogar weit nach Feierabend unbedingt eine Frage beantwortet haben.

Einfach mal nicht erreichbar zu sein wird immer schwieriger. Doch genau deshalb lohnt es sich, bewusst ab und zu mal ein Digital Detox einzulegen und sich vom eigenen Smartphone zu befreien. Und so klappt das auch ohne Entzugserscheinungen:

1. Das Handy einfach mal abschalten – mit Ansage

Wenn Sie das Handy ganz weglegen, könnten Sie etwas verpassen? Fürchten Sie, wichtige Nachrichten nicht zu bekommen, dann informieren Sie Ihre Familie, Freunde oder auch den Chef darüber, dass Sie etwa ein Wochenende mal nicht erreichbar sein werden. In Ihren sozialen Netzwerkenn können Sie es im Status angeben und auf Ihrer Smartphone-Mailbox einen Hinweis aufsprechen. So brauchen Sie nicht befürchten, dass jemand Ihnen die Zeit offline übel nimmt.

2. Mails nach dem Briefkasten-Prinzip abrufen

Zum Briefkasten gehen Sie sicher nicht alle fünf Minuten. Wenn es hoch kommt, schauen Sie in der Regel zwei oder drei Mal am Tag nach der Post. Genauso können Sie auch mit Ihren Mails halten, vielleicht nicht während der Arbeitszeit, aber zumindest wenn Sie frei haben. Gerade am Wochenende lohnt das, denn so gibt es wieder einen Grund weniger, ständig nach dem Handy zu greifen oder den PC laufen zu lassen.

3. Dahin gehen, wo das Handy nicht reinkommt

Wenn Sie Ihre Bahnen im Schwimmbad ziehen, vermissen Sie Ihr Handy bestimmt nicht. Und auch im Kino, beim Klettern im Hochseilpark oder bei einer Theateraufführung sind Smartphones tabu. Vielleicht gehen Sie auch einfach mal spazieren und «vergessen» dabei das Handy zu Hause. Das beschert Ihnen mehr oder weniger unfreiwillig einige Zeit ohne auf das Display zu starren.

4. Newslettern und Spam den Laufpass geben

Es kann wirklich nerven, ständig mit Newslettern vollgespamt zu werden. Oft löschen wir die einfach nur. Aber genau das kann im Laufe der Zeit zu einer Flut an Mails führen, die Sie überhaupt nicht lesen möchten. Nehmen Sie sich deshalb hin und wieder mal die Zeit, knallhart auszusortieren.

Melden Sie sich von Newslettern ab und verschieben Sie ungewollte Mails in den Spamordner. Kommt noch mal ein Spam vom gleichen Absender, erkennt das Ihr Programm später und lässt die Mail gar nicht erst durch bis zum Posteingang.

Dieses Entrümpeln kostet Sie zwar einmal einiges an Zeit. Aber danach haben Sie länger mal Ruhe und einen deutlich schlankeren Posteingang, sodass Computer oder Handy nicht alle paar Minuten wieder neue Mails signalisieren.

5. Ohne App geht's auch – zum Joggen mal ohne Technik

Auf der Joggingrunde oder der Velotour kann Ihr Handy nicht nur Ihre Lieblingsmusik spielen, sondern Sie auch über den Kalorienverbrauch, Ihren Puls sowie die zurückgelegten Kilometer und Höhenmeter auf dem Laufenden halten. Wenn Sie kein Profisportler sind, oder auf ein wichtiges Ereignis hin trainieren, sind all diese Daten aber bestenfalls eine interessante Beobachtung.

Statt mit Ihrer Lauf-Musik oder der Stimme Ihres Smartphones im Ohr, die Sie zum Weitermachen animiert, könnten Sie deshalb auch einfach die Natur um sich herum geniessen. Also versuchen Sie doch mal, wie es sich mit dem Smartphone in der Tasche statt direkt am Ohr läuft und fährt.

6. Schritt für Schritt zum Digital Detoxer werden

Die Handy-Sucht hat Sie bereits fest im Griff? Dann gehen Sie den Entzug eventuell langsam an, um nicht zu schnell wieder aufzugeben. Schalten Sie Ihr Handy beispielsweise erst mal für eine Stunde aus. Wer es dabei nicht sehen möchte, kann das Smartphone auch in eine abschliessbare Schublade oder einen Schrank einsperren. Danach steigern Sie die Zeit ohne Handy langsam weiter, bis Sie auch mal einen ganzen Tag ohne es auskommen. Sie werden sehen, es lohnt sich.

Tipp: Kriegen Sie das selbst nicht hin, können Sie das Handy oder den Schlüssel zum eingesperrten Gerät auch stundenweise an jemand anderen abtreten. Für ganz schlimme Fälle gibt es zudem professionelle Hilfe. Dazu mehr weiter unten.

7. Öfter mal virtuell in den Flieger steigen

Für Digital Detox müssen Sie aber nicht immer ganz auf Ihr Handy verzichten. Schliesslich dient Sie Ihnen vielleicht als Uhr oder Schrittzähler. Möchten Sie etwas mehr Ruhe haben, ohne das Smartphone gleich auszuschalten, gehen Sie einfach offline. Im Flugmodus ist jeglicher Datentransfer gestoppt.

Sie bekommen keine Mails, Chat-Nachrichen, Anrufe oder SMS mehr. Das bedeutet kein Kotakt mehr zur Aussenwelt über das Handy. Alle internen Funktionen, die kein Internet benötigen, können Sie aber noch ausführen.

8. Fast schon ironisch: Für Digital Detox gibt`s eine App

Klingt komisch, gibt es aber wirklich. Eine App soll uns beibringen, wieder massvoll mit Computern und Smartphones umzugehen. Die App sperrt Sie deshalb auch mal aus Anwendungen aus und blockiert Anrufe. Offtime heisst die App. Aber aufpassen, denn während der Nutzung können Kosten entstehen.

9. Fortgeschrittene machen Digital Detox-Ferien

Eine ganze Woche ohne Medien ist ein Traum für Sie? Der kann an diversen Orten in Erfüllung gehen. So gibt es Kloster, bei denen Sie in Ruhe relaxen können, ohne das überall Handys klingeln. Auch auf vielen Berghütten heisst es rundum Natur statt piepen und klingeln. Oder Sie gehen in ein Digital Detox-Hotel. Bereits setzen nämlich einige Ferienhäuser bewusst auf Wlan- und Empfangs-freie Zonen.

Wenn doch besser ein Profi helfen soll

Wer so gar nicht mehr mit seiner Online- und Smartphone-Nutzung zurechtkommt, kann sich etwa in Zürich bei RADIX, einem Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte, melden. Wie auch andere Suchtberatungszentren, ist das eine gute erste Anlaufstelle. Die Beratung von Radix ist kostenlos.

Auch spezielle ambulante Therapien für Digitalsüchtige werden von verschiedenen Einrichtungen angeboten, wie beispielsweise vom UPK Basel.

Quellen: upkbs.ch, Sucht Schweiz, Swisscom, de.statista.com

Autoren: Jürgen Rösemeier-Buhmann, Bianca Sellnow