So extrem wird künftig das Schweizer Wetter

Trockene und noch heissere Sommer, dafür schneeärmere und regenreiche Winter: Diese Klimaszenarien prognostizieren Forscher der ETH und von MeteoSchweiz. Auf was wir uns vorbereiten müssen.

Klimaszenarien Schweiz 2018
Die Töss im Juli 2018 mit einem völlig ausgetrockneten Flussbett. Das wird künftig häufiger vorkommen. Foto: ©Andreas Haas/ iStock / Getty Images Plus
  • 20

Noch nie war der Blick in die Klimazukunft der Schweiz so genau, wie in der dritten Auflage der «Klimaszenarien Schweiz», welche Forschende der ETH Zürich, von MeteoSchweiz und vom Oeschger-Zentrum der Universität Bern diese Woche in Zürich vorgestellt haben.

Dank modernster Klimamodelle und Simulationen können die Forschenden genauere Zahlen liefern.

Das erwartet uns im Sommer

Bis Mitte des Jahrhunderts wird die längste Trockenperiode bis zu rund einer Woche länger dauern. Extreme Trockenheit, wie es sie bisher alle fünf bis zehn Jahre gab, kann es dann alle zwei Jahre geben. Die Böden werden trockener.

Bis Mitte des Jahrhunderts könnten die Sommer im Schnitt bis zu 4,5 Grad wärmer werden als heute. Kommt hinzu, dass die Zahl der sehr heissen Tage von heute einem Tag pro Sommer auf bis zu 18 steigen könnte.

Konkret: In einem durchschnittlichen Jahr würde das Thermometer in Genf am heissesten Tag 40 Grad anzeigen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz

Grafik: © zVg MeteoSchweiz/ETH

«Ausgepräge Hitzesommer wie 2018 werden zur Normalität», sagt Cornelia Schwierz von MeteoSchweiz.

Dafür wird es häufiger Starkregen geben, was Erdrutsche und Überschwemmungen zur Folge haben kann. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Niederschlagsmenge einzelner solcher Starkniederschläge um 12 Prozent zugenommen. Bis Mitte dieses Jahrhunderts können nochmals zehn Prozent dazu kommen.

Jahrhundertniederschläge könnten bis zu 20 Prozent mehr Regen bringen, heisst es im Bericht weiter.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz

Grafik: © zVg MeteoSchweiz/ETH

Das erwartet uns im Winter

Die winterliche Nullgradgrenze könnte von heute 850 Meter auf 1500 Meter steigen. Unterhalb von 1000 Metern wird es nicht mehr viel von der weissen Pracht geben. Denn bis Mitte des Jahrhunderts wird die Schneebedeckung hier um die Hälfte zurückgehen. Und bis Ende des Jahrhunderts sogar um mehr als 80 Prozent. Doch auch in höheren Lagen wird Schneefall seltener.

Was heute schon Tatsache ist

Bereits heute ist es in allen Landesteilen der Schweiz deutlich wärmer als früher. «Die bodennahe Lufttemperatur hat über die letzten 150 Jahre um rund zwei Grad Celsius zugenommen», heisst es im Bericht weiter. Das ist deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt. Zudem lagen neun der zehn wärmsten Jahre seit Messbeginn im 21. Jahrhundert.

In der Schweiz gibt es seit 1864 verlässliche Langzeitmessungen des Klimas. Diese Messungen zeigen unter anderem, dass Hitzewellen seit 1901 um rund 200 Prozent zugenommen haben und intensiver geworden sind. Frosttage dagegen haben im gleichen Zeitraum um 60 Prozent abgenommen. Die Nullgradgrenze ist allein in den letzten knapp 60 Jahren im Schnitt um 300 bis 400 Meter angestiegen. Das Gletschervolumen hingegen hat seit 1850 um 60 Prozent abgenommen.

Hier gibt's den gesamten Bericht als PDF.

Jeder kann etwas tun

Der Bericht macht auch Hoffnung: «Mit konsequentem Klimaschutz liessen sich bis Mitte des 21. Jahrhunderts etwa die Hälfte, bis Ende Jahrhundert zwei Drittel der möglichen Klimaveränderungen in der Schweiz vermeiden», sagt Klimaforscher Reto Knutti.

17 Tipps um den CO2-Fussabdruck zu verkleinern

Mehr zum Thema Klimaerwärmung