Jana Keller: «Designer-Mode kann auch nachhaltig sein!»

Jana Keller verbindet mit ihrem Modelabel «RoyalBLUSH» Luxus und Öko. Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht sie über die Herausforderung, faire Mode zu produzieren und darüber, warum nachhaltige Designer-Mode dennoch eine Selbstverständlichkeit werden sollte.

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Modedesignerin Jana Keller, Foto: privat
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Jana Kellers Modelabel «RoyalBLUSH» hat durchschlagenden Erfolg. Die studierte Modedesignerin fertigte 2006 ihre erste Ledertaschen-Kollektion auf einer Bernina Haushaltsnähmaschine an, heute sind diese in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den skandinavischen Ländern und in vielen anderen Ländern der Welt erhältlich. Auch einige Hollywoodstars sind bereits auf den Geschmack gekommen und tragen die «Handtaschen mit Gewissen» von «RoyalBLUSH» zur Schau. Im Gegensatz zu den industriell gefertigten Taschen, deren Leder meist mit chemischen Mitteln gegerbt werden, wird das von Jana Keller zu Taschen verarbeitete ausgesuchte Leder nach einem alt überlieferten Rezept mit Rinde und Wurzeln gegerbt. Dadurch wird jedes Stück zu einem nachhaltigen Unikat.

Nach den ersten Gehversuchen auf Designermessen und bei grünen Messen entschloss sich Jana Keller zusammen mit Magdalena Schaffrin, einer berliner Designerin von nachhaltiger Mode, eine eigene Ausstellung aufzubauen, um nachhaltigen Designern eine Plattform zu geben. Einmal im Jahr während der Berlin Fashion Week findet nun der von Keller initiierte «Green Showroom» statt. Dabei werden qualitativ hochstehende grüne Kleidung, Accessoires oder Kosmetika präsentiert.

Im Interview mit nachhaltigleben.ch erklärt Jana Keller ihre Motivation, sich auch im alltäglichen Leben für eine nachhaltigere Gesellschaft einzusetzen. Ausserdem spricht sie über ihren Einsatz dafür, dass Konsumenten erfahren, wo sie hochwertige nachhaltige Mode einkaufen können.

Wer ist Ihr ökologisches Vorbild? Und was zeichnet dieses Vorbild für Sie aus?

Im Grossen sind es etablierte Firmen, die ihre Möglichkeiten ausschöpfen und ihren Einfluss nutzen, um etwas zu bewegen. Denn als grosser Abnehmer kann man auch das Angebot steuern. Im Kleinen sind es Menschen, die versuchen, ihren Alltag so umweltfreundlich und ressourcenschonend wie möglich zu gestalten! Es ist so einfach, FSC Papier zu verwenden, den Lichtschalter auszuknipsen, elektronische Geräte nicht auf Stand-by zu halten, das Fahrrad zu benutzen, regionale und saisonale Produkte einzukaufen, die Einkaufstüten beim Einkauf von zu Hause mitzubringen, die Toilette nicht für Beautyabfälle zu benützen...etc.

Wie stark hat die in den letzten Jahren zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit Ihr Leben verändert?

Ich handle im Alltag bewusster, benutze wenn möglich das Fahrrad und den Zug!

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Wenn ich sehe oder lese, wie wir Raubbau an der Erde betreiben, also die natürlichen Ressourcen im Hochgeschwindigkeitstempo für kurzfristige Gewinne ausschöpfen.

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Die alltäglichen Themen im Bereich Nachhaltigkeit waren ständig aktuell und wurden vorgelebt. Zu meinem Leidwesen musste ich teilweise auch die Kleider meiner grösseren Schwester austragen.

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen Sie diese trotzdem?

Wenn ich mir unterwegs einen Salat zum Mitnehmen bestelle und dieser in einer riesigen Plastikverpackung daher kommt. Oftmals ist die Alternative ein Sandwich, welches auf Dauer nicht meiner Vorstellung von gesunder Ernährung entspricht. Die Pappverpackung, die meistens edler aussieht, gibt es ja schon, ist aber wahrscheinlich etwas teurer und deshalb nicht so verbreitet.

Angenommen, eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Ich würde meine Garderobe nur noch mit Kleidungsstücken nachhaltiger Designer ausstatten. Das heisst ich würde generell weniger aber hochwertiger, und somit langlebiger Einkaufen.

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Mehr Gold-Produkte die das Gütesiegel Fairtrade verdienen! Es gibt aktuell zu wenige Designer, die damit arbeiten. Auch weil es praktisch keinen Zwischenhandel für Ketten, Verschlüsse, Anhänger etc. in Fairtrade Gold gibt. Grosse Firmen müssten ihren Einkauf auf Fairtrade Gold umstellen um diesen Sektor anzutreiben! Auf www.transparencedesign.ch können sich Designer und Konsumenten über fair gehandelte Gold-Produkte informieren.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Nachhaltigkeit sollte in der Schule als Thema behandelt werden. Gerade für Kinder, welche dies nicht in der Familie mit auf den Weg bekommen. Es wäre gut, wenn man mit den Kindern das Verhalten und deren Konsequenzen diskutieren würde.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Den GREENshowroom in Berlin (Fachmesse für grüne Mode & Lifestyle im gehobenen Segment, mehr Informationen unter www.green-showroom.net) weiter zu etablieren und international auszubauen. Es ist wichtig, dass die Einkäufer und Endkonsumenten wissen, dass es hochwertige und auch avantgardistische Mode mit ökologisch korrekten Materialien gibt und wo sie diese bekommen können. Weiterhin möchte ich mit meinem Label RoyalBLUSH beweisen, dass es möglich ist, eine Weltmarke mit gutem Gewissen zu etablieren– deshalb auch «Accessories with a conscience»!

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Es gibt bereits ein enormes, rasant wachsendes, internationales Angebot an hochwertigen Designer Labels, welche mit derselben Vision arbeiten. Design steht nach wie vor an erster Stelle und Nachhaltigkeit ist eine Selbstverständlichkeit. Der nächste Schritt wäre nun, dass der gesamte Markt mitzieht und diese Produkte in sein Sortiment integriert (ob man den grünen Aspekt nun Kommunizieren mag oder nicht), um das Bestehen dieser positiven Entwicklung weiter zu fördern!

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Also in der Mode ist es ganz klar. Wenn die Ästhetik und die Passform eines Kleidungstück nicht stimmt, kauft man es nicht, auch wenn es zu hundert Prozent aus biologischer Baumwolle besteht!

Bei Solarzellen fände ich es besser, diese gebündelt auf grossen Feldern aufzustellen, als sie über das ganze Land verteilt auf Dächer zu montieren. Ich habe kürzlich im WWF Magazin gelesen, dass es theoretisch möglich wäre, mit einem Solarzellenfeld in einer afrikanischen Wüste (die Grösse schien relativ klein) die ganze Weltbevölkerung mit Strom zu versorgen. Noch dazu hätte Afrika eine zusätzliche Einkommensquelle. Wegen der Kriege und Unruhen wäre dies jedoch ein schier unmögliches Unterfangen.

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

C&A, H&M, Mango und Zara. Es würde mich interessieren, inwiefern sich Grossunternehmen über den Einkauf von organischer Baumwolle hinaus engagieren. Aktuell findet viel «Greenwashing» statt. Dabei produzieren Unternehmen beispielsweise ihre Kleidung aus organischer Baumwolle, lassen die T-Shirts aber nach wie vor in China unter schlechten Arbeitsbedingungen fertigen. Der Einsatz von organischer Bio-Baumwolle ist keine konsequente nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens, sondern kann als eine Marketingstrategie angesehen werden. Natürlich ist eine Umstellung auch nicht von heute auf morgen machbar, es wäre aber schön zu wissen, dass die Planung bereits steht.