Holzmöbel mit Öl und Wachs pflegen schlägt chemische Mittel

Besonders im Aussenbereich brauchen Holzmöbel regelmässige Pflege, um ihre Farbe zu erhalten. Dafür gibt es diverse chemische Mittel, aber es geht auch sehr gut ganz natürlich durch Ölen oder Wachsen.

Holz ölen oder wachsen? So wird Holz rein natürlich gepflegt
Die Natur hält einige Stoffe parat, mit denen Sie Holz ölen oder wachsen können, rein natürlich. Die besten Mittel und ein paar Praxistipps. Foto: © Kay Taenzer / iStock / Thinkstockphotos
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Ein Holzschutzanstrich, gleich aus welchen Inhaltsstoffen, soll pflegen und schützen, das Holz auch noch nach Jahren wie neu aussehen lassen. Denn was ärgert man sich, wenn der schöne Massivholztisch unansehnliche Flecken von der letzten Feier hat oder die armen Garten- und Balkonmöbel immer grauer werden.

Wer bei der Holzpflege auf chemische Inhalte im Anstrich verzichten will, kann zu ganz natürlichem Schutz greifen. Massnahmen wie das Ölen oder Wachsen lassen das Holz dann nicht nur wieder ansehnlich werden, sondern sind auch gesundheitlich völlig unbedenklich.

Leinöl ist ideal zum Auffrischen von Holz

Wer sein Möbelstück aus Holz mit Ölen behandeln möchte, kann dabei auch gleich auf mehrere natürliche Produkte zurückgreifen. Manche der Öle enthalten jedoch schwach wirkende Farbpigmente, die den natürlichen Farbton ein wenig verändern.

Eine besonders bewährte Methode ist das Holz mit Leinöl zu ölen. Das reine Leinöl für die Holzpflege wird auch als rohes Leinöl bezeichnet und ist nicht mit dem Salatöl zu verwechseln. Dieses ist wegen nicht gefilterter Schwebstoffe sogar eher ungeeignet, da es insbesondere im Aussenbereich Pilzbefall verstärken kann. Rohes Leinöl hingegen ist ideal, um im Innen- wie im Aussenbereich Holz zu ölen. Es ist sehr langlebig, witterungsbeständig und verströmt einen angenehmen Duft. Zu kaufen ist es unter dem Namen Leinölfirnis, nur mit natürlichen Bestandteilen etwa bei Hornbach.

Dünn aufgetragen zieht Leinöl sehr tief in das Holz ein. Sieht man nach ein paar Stunden teils noch einen Glanz, ist hier das Öl nicht richtig eingezogen. Einfach mit einem Lappen abnehmen oder mit einem Pinsel verteilen (dies gilt für alle Öle und Wachse). Nach 24 Stunden sollte sich die Oberfläche glatt und fettfrei anfühlen. Ein bis zwei weitere Anstriche erhöhen die Haltbarkeit des Leinöls. Das Naturöl härtet nach einigen Tagen an der Luft völlig aus und bildet eine Schutzschicht.

Doch es ist auch Vorsicht geboten bei Leinöl: Pinsel und Lappen vom Holzölen können sich selbst entzünden! Daher Lappen im Freien auf nicht brennbarer Unterlage trocknen lassen oder in ein verschlossenes Schraubglas geben. Pinsel im Öl belassen oder gründlich reinigen. Zudem die Verarbeitungshinweise auf der Verpackung beachten.

Andere Öle und Mischungen bringen ähnliches Ergebnis

Neben Leinöl gibt es verschiedene andere natürliche Produkte, die sich für das Ölen von Holz eignen. Walnussöl oder das chinesische Holzöl Tungöl (erhältlich im Drechsler-Shop) gehören dazu. Ausserdem sind Mischungen von Ölen weit verbreitet. Ein bewährtes Produkt kommt von der Schweizer Firma Renuwell. Auch in Engeli's Naturshop hat es einen Mix aus Naturölen für die Holzbearbeitung.

Manche schwören zudem auf das Holz ölen mit Olivenöl. Vielleicht für den Esszimmertisch geeignet, scheint dies aber für den Aussenbereich nicht sonderlich langlebig. Zudem fällt das Öl durch die grüne Eigenfarbe und den teils starken Geruch auf. Aber wer das mag, sollte es einfach mal ausprobieren. Im Gegensatz zu den anderen Ölarten muss man hier jedoch auf Speiseöl zurückgreifen.

Holz wachsen geht mit Palmextrakt und Bienenwachs

Ein natürliches und sehr wirksames Wachs, welches Schreiner traditionell benutzen, ist eine Mischung aus Carnaubawachs (kommt von einer brasilianischen Palme) und Bienenwachs. Diese Kombination ist ideal, um Holz mit Wachs zu schützen. Zu finden ist es meist unter dem Namen Antikwachs wie unter anderem im Naturhaus-Shop.

Beide Pflegeprodukte sind auch getrennt erhältlich und wunderbar für den Innen- oder Aussenbereich geeignet. Dünn aufgetragen mit einem Tuch – Mikrofasertücher sind hier sehr gut geeignet –, strahlen Ihre Holzmöbel nach der Behandlung um die Wette und erhalten einen neuen, zarten Glanz.

Holz ölen und wachsen im Vergleich

Holz ölen oder wachsen ist vielleicht eine Glaubensfrage. Manchen gefällt die natürlichere Haptik des geölten Holzes, andere mögen die feine Wachsschicht, die Wasser wunderbar abperlen lässt. Beide Methoden sind jedenfalls eine natürlich sanfte, vor allem völlig unbedenkliche Methode, um Holz zu pflegen.

Soll jedoch Holz, etwa an einem Holzhaus, dauerhaft vor Witterungseinflüssen geschützt werden, dann geht es nicht ganz ohne Chemie, wie auch K-tipp in einem Test empfiehlt. Öle oder Wachse sollten zudem regelmässig erneuert werden. Ob an Holzmöbeln, Fenster, der Fassade oder von Dekorationen.

Chemie für die Holzpflege?

Noch 2011 warnte die Redaktion von Ökotest vor Holzschutzmitteln aus dem Baumarkt, insbesondere vor denen für den Aussenbereich. Sie rieten damals sogar völlig davon ab. Der Grund waren gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe. Einer davon wird kurz VOC genannt und ist gerade für den Innenbereich nicht geeignet. VOCs sind gesundheitsschädliche Chemikalien, deren Ausdünstung nicht nur so manchem Pilz oder anderen Schädlingen den Gar ausmacht, sondern auch dem Menschen und der Umwelt schaden kann.

Wenn Chemie verwendet werden soll, dann am ehesten auf Wasserbasis. Ideal sind hier mit natürlichen Siegeln zertifizierte Lacke oder Lasuren und gegebenenfalls jene, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind. Zudem immer gut darauf achten, das die Verwendung ganz klar gekennzeichnet ist und sie das richtige benutzen, je nachdem, ob Sie es im Innen- oder Aussenbereich anwenden möchten.

 

Quellen: Wikidorf.de, Leinoelpro.de, Ktipp, Ökotest, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann