Öko-Hotels locken Gäste in die Schweiz

Aufgrund des starken Frankens meiden in diesen Tagen auch nachhaltig denkende Schweizer die hiesigen Hotels. Doch mit Hilfe der Sonne wollen Öko-Hotels wieder Gäste anlocken. Mit einer Solaranlage auf dem Dach oder Wanderungen zu Anlagen von erneuerbaren Energien setzen sie ein Zeichen.

Ein Öko-Hotel mit Solarzellen.
Dieses Öko-Hotel bezieht seinen Strom aus Solarenergie. Foto: ©iStockphoto.com / Pi-Lens
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Schweizer Hotels setzen vermehrt auf Sonnenenergie und machen diese zu einem ihrer Markenzeichen. Am 24. Juni ging im Oberengadin das bisher grösste Projekt dieser Art ans Netz: Von Mitte Mai bis Mitte Juni hatte man auf dem Flachdach eines der Gebäude des Hotels Europa in Champfér die grösste Photovoltaikanlage auf einem Hotel in der Schweiz installiert. Die 138 Module sollen pro Jahr 49.000 Kilowattstunden erzeugen, soviel, wie zehn durchschnittliche Einfamilienhäuser verbrauchen. Doch die Idee ist nicht neu: Das älteste Ökohotel der Schweiz, das Biohotel Ucliva bei Brigels in Graubünden, setzt schon lange auf Solarenergie und wurde in diesem Jahr für das unermüdliche Engagement belohnt: Im Januar 2011 hat die Zeitschrift GEO Saison es als eines der hundert besten Hotels in Europa 2011 erkoren.

Wanderungen zu Anlagen erneuerbarer Energien

Für David Stickelberger, Geschäftsleiter von Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie, stellen Hotels und Solarenergie ein perfektes Paar dar. Der Anteil der Energie am Umsatz betrage immerhin drei Prozent, wobei momentan erst zwei Prozent der Schweizer Hotels über Solaranlagen verfügen würden - in Österreich seien es bereits sieben Prozent. Um den Anteil zu erhöhen, arbeitet der Verband nun enger mit Hotels zusammen. Auf der Internetseite von Swissolar sind schon über 50 Solarhotels verzeichnet, die auf Energie von oben setzen.

Die Gäste sollen jeweils direkt erleben, was es heisst, in einem Solarhotel zu wohnen. Das Europa-Hotel bietet beispielsweise «Solarwochen» mit Pauschalpreisen an. Zudem werden im Oberengadin Wanderungen zu Anlagen erneuerbaren Energien organisiert. Die Clean Energy Tour führt von St. Moritz bis auf den Piz Nair in der Höhe von 3.057 Metern. Die berauschende Wanderung soll auch Gelegenheit bieten, über alle Möglichkeiten der erneuerbaren Energien im Gebirge zu informieren.

Warmes Wasser durch Solarenergie.

Das Wasser im Öko-Hotel wird durch Solarenergie geheizt. Foto: Makfuz / iStock / Thinkstock

Duschwasser durch Solarenergie heizen

Die Gäste wissen dabei selten, dass derlei Projekte nicht von heute auf morgen entstehen: Im Falle des Europahotels hat die Vorbereitung drei Jahre gedauert, denn unter anderem mussten 145 Eigentümer überzeugt werden. Dabei waren die Voraussetzungen gut. Das Flachdach hatte ohnehin renoviert werden müssen. Vier Jahrzehnte nach dem Bau des Gebäudes war es an der Zeit, die 825 Quadratmeter zu sanieren. Das Hotel hatte zudem bereits Erfahrung mit Solarenergie: Seit 2008 ist auf dem Dach des Nachbargebäudes eine Warmwasseranlage in Betrieb. Obendrein stand ein Abnehmer für den Strom bereit: St. Moritz Energie, der Energieversorger von St. Moritz, Celerina und eines Teils von Champfér, sagte die Abnahme des Stroms während 25 Jahren für einen garantierten Preis zu. Während der Strom der Photovoltaikanlage ganz an St. Moritz Energie abgegeben wird, wird das warme Wasser aus der Solarthermieanlage im Hotel selbst genutzt: Für die Duschen, die Küche, das Schwimmbad. Laut Hotelverwalter Armin Bützberger werden damit pro Jahr 50.000 Tonnen Heizöl eingespart.

Nachhaltige Ferien geniessen

Was es heisst, Ideen Realität werden zu lassen, sieht man am Biohotel Ucliva in Graubünden nur zu gut. Vor 28 Jahren bereits hatte der Gründer des ersten Ökohotels der Schweiz die Vision von nachhaltigem Tourismus in den Bergen. Heute hat dieses hundert Quadratmeter Sonnenkollektoren zu bieten. Seit März 2010 sind Katrin Häubi und Frank Rumpe als Gastgeber dabei, diesen Weg konsequent weiter zu gehen. Neben klimaneutralem Heizen mit der Sonne gehört natürlich auch das Angebot lokaler Speisen und Flyer-Elektrobikes mit Kinderanhängern dazu. Das Ucliva ist zertifiziert von Bio-Hotel, einem Label, das 2011 sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Ein anderes Beispiel sind die Sunstar Hotels an neun Standorten in der Schweiz, deren Namen schon keinen Zweifel darüber geben, wie das Duschwasser erwärmt wird. Die Betreiber haben sich in die Statuten geschrieben, dass ausschliesslich CO2-freier Strom aus erneuerbaren Energieträgern verwendet wird. So hat das Viersterne-Hotel von Sunstar in Zermatt eine solarthermische Anlage mit 49 Quadratmeter Flachkollektoren zu bieten.

Text: Steffen Klatt

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