Bio-Fisch: Welches Label überzeugt wirklich?

Fast jede Packung Tiefkühlfisch und jede Thunfischdose trägt ein Symbol, das zum guten Gewissen verleitet. Doch hinter den einzelnen Zertifizierungen befinden sich höchst unterschiedliche Richtlinien. Welches Label steht für was und wo steckt wirklich Bio-Fisch drin?

Welches Bio-Fisch-Label schneidet am besten ab?
Nicht alle Bio-Fisch-Label halten das, was sie versprechen. Foto: kabVisio, iStock, Thinkstock
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Es gibt mehrere Gründe, bei Fisch auf Nachhaltigkeit zu achten: Den Schutz des Tieres an sich, sprich Fangmethoden, die möglichst kein Leid verursachen. Dabei gilt es auch zu verhindern, dass ungewollte Fischarten als «Beifang» im Netz landen. Denn auf diese Weise können zum Beispiel Meeresschildkröten qualvoll verenden. Eine andere Sache ist der Schutz des Bestandes (Stichwort: Einhaltung der Fangquoten). Und genau diese Vielschichtigkeit des Themas ist das Problem, denn die bekannten Bio-Fisch-Labels konzentrieren sich jeweils nur auf einen Teil der Aspekte.

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Der Afrikanische Wels gilt im Fischratgeber als «grundsätzlich empfohlen». «Nicht empfehlenswerte Ausnahmen» sind Fische mit dem Herkunftsland: Brasilien, Deutschland, Niederlande, Thailand, Ungarn, Vietnam. Foto: © Zippyzoo / iStock / Thinkstock

Der Afrikanische Wels gilt im Fischratgeber als «grundsätzlich empfohlen». «Nicht empfehlenswerte Ausnahmen» sind Fische mit dem Herkunftsland: Brasilien, Deutschland, Niederlande, Thailand, Ungarn, Vietnam. Foto: © Zippyzoo / iStock / Thinkstock

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MSC: Bekanntes Fisch-Label

Drei Buchstaben sieht man häufig auf den Packungen von Fischstäbchen & Co.: MSC bedeutet Marine Stewardship Council, was wiederum so viel heißt wie «Meeresverwaltungsrat». Neben dem WWF steht dahinter Unilever, der weltgrösste Produzent von Tiefkühlfisch. Die Produkte wie Pazifik-Lachs, britische Makrelen und westaustralische Langusten gibt es in der Schweiz zum Beispiel bei Migros und Coop.
Das MSC-Label gewährleistet eine Beschränkung der Fangmengen, wodurch sich die Fischbestände wieder erholen können. Damit soll es eine nachhaltige Fischerei fördern. «Eigentlich kein Anlass für ein Label, sondern eine Selbstverständlichkeit für jede Industrie, die sich den eigenen Ast nicht absägen will», findet Greenpeace Schweiz. Das MSC-Label schütze vielleicht die Art, nicht aber das Tier.

Im Klartext bedeutet das: Zwar konzentriert sich das Label darauf, die Bestände bestimmter Fischarten zu erhalten, die Fangmethoden indes sind grundsätzlich mit denen in der übrigen industriellen Fischerei zu vergleichen. Für MSC werden nicht einzelne Fischer oder Schiffe zertifiziert, sondern alle Fischereien einer ganzen Meeresregion und für bestimmte Fischarten. «Für den einzelnen Fisch ist es nicht angenehmer, in einem MSC-Netz hängen zu bleiben», bringen die Umweltschützer es auf den Punkt. Auch hier werde er in der Masse erdrückt, ersticke an Bord oder gerate noch halb lebend in die Filettiermaschine.

Delfin-Label: Thunfische als Beifang

Ähnlich missverstanden wird das gleichermaßen bekannte Fisch-Label «dolphin-safe». Laut Greenpeace schützt es zwar Delfine, nicht jedoch Thunfische. Die aber landen oft mit in den Netzen, weil sich Delfine an der Meeresoberfläche häufig über Thunfisch-Schwärmen tummeln. Als vermeintlich nutzloser Beifang werden sie tot oder verletzt wieder ins Meer geworfen. Immerhin hat die «dolphin-safe»-Kampagnen zu einer selektiveren Fischerei mit erheblich kleinerem Beifang geführt. Dennoch, heißt es in dem Bericht, setze auch dieses Label nicht bei den Ursachen der Zerstörung an, also bei der Logik der industriellen Fischerei, sondern versuche lediglich, deren Folgen zu mildern.

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