«Auf der Verpackung muss die Ökobilanz der Produkte ersichtlich sein.»

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Um die Auswirkungen meines eigenen Verhaltens auf die Umwelt und damit auf die Zukunft unseres Planeten besser abschätzen zu können, bräuchte ich einen persönlichen Ressourcenplaner. Wenn wir das Ziel einer 2000 Watt (noch besser 1000 Watt) Gesellschaft schaffen wollen, müsste jeder wissen, wie seine persönliche Bilanz betreffend Ressourcenverbrauch aussieht und welche Massnahmen er treffen kann, beziehungsweise sollte, um seine persönliche Bilanz zu verbessern. Bei Nahrungsprodukten sollte beispielsweise auf der Verpackung bereits ersichtlich sein, wie viele Ressourcen für deren Produktion, Verpackung und Transport verbraucht wurden. Ein «Ressourcenmesser» sollte an unserem Einkaufswagen angebracht sein, der ständig erfasst, wie meine Ökobilanz mit dem entsprechenden Einkauf aussieht. Oder bereits zu Hause erhalten der Hausmann und die Hausfrau per Knopfdruck für ihren Standort einen Menutipp, der nach Ressourceneffizienz zusammengestellt wurde und anzeigt, wo die Zutaten am besten beschafft werden können.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit der Umwelt belohnen und einen ressourcenverschleissenden Umgang unattraktiv machen. Heute ist das eine scheinbar noch zu teuer und das andere zu billig. Die Politik muss hier lenkend eingreifen. Im Moment bin ich schon zufrieden, wenn die Politik guten Ideen nicht im Wege steht!

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Im Privaten werde ich sicher weiter an meiner Ökobilanz arbeiten und mein Konsumverhalten besonders bei der Ernährung anpassen. Damit arbeite ich persönlich mit an der 2000 Watt Gesellschaft. Ich werde dabei sicher nicht auf positive Signale irgendeiner UN-Konferenz zu Klima, Fischfang und Abholzung von Regenwäldern warten!

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Einer der grössten Hemmschuhe für eine nachhaltige Entwicklung besteht darin, dass die Kosten und unerwünschte Nebenwirkungen von nicht nachhaltiger Ressourcen-Ausbeutung auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, während die dabei anfallenden Gewinne privat abgeschöpft werden. Heute spielen sich die verschiedenen Staaten getrieben durch einzelne Interessensgruppen gegenseitig aus und blockieren einander. Reflexartig werden immer dieselben Feindbilder bedient. Stattdessen sollten wir es wagen, neue gesellschaftliche Denkansätze und Lebenskonzepte zu entwickeln, zu diskutieren und umzusetzen. Die Bekämpfung von Korruption ist sicher eine weitere grosse Herausforderung vieler Staaten.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?.

Wer sagt, dass es keine ästhetischen Lösungen für Solarzellen in einem historischen Stadtbild gibt? Es sollen städtebauliche Lösungen gefunden werden, die Solarzellen aber auch Windkraft in das moderne Bauen integrieren. Es geht nicht um alt gegen neu, sondern um eine geschickte Kombination von beidem.

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

Herrn Pablo J. Medina, Philippinischer Reisbauer. Ich denke er würde den Kopf schütteln und mir den Vogel zeigen und sagen: «Deine Probleme möchte ich haben». Nein, natürlich würde er das nicht tun, denn das würde ihm seine Höflichkeit verbieten.


Quellen: prospecierara.ch, Interview: Lea Schwer