Warum Städte die nachhaltigste Siedlungsform sind – aber dennoch nicht optimal

Viele verbinden nachhaltiges Leben mit einem sehr ländlichen Dasein. Hier, wo man unter anderem vieles entweder selbst produzieren oder wenigstens über kurze Distanzen beschaffen kann. Betrachtet man Nachhaltigkeit, dazu den Schutz von Klima, Umwelt und Natur sowie das Thema Ressourcen und deren Verbrauch, jedoch aus einem viel grösseren Massstab – etwa auf einen Kanton bezogen, die ganze Schweiz oder gar Europa im Gesamten – dann sind Städte aus vielerlei Gründen und zumindest theoretisch deutlich nachhaltiger. Ganz besonders gilt das für zeitgenössisches Leben. Allerdings sind urbane Gemeinden dennoch nicht das absolute Optimum.

die Stadt Zürich von einem Hügel her fotografiert
© Adobe Stock / Silvan
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Denn wirkliche Nachhaltigkeit bedingt, Menschen, Einwohner, Verbraucher als grössere Gruppe zu betrachten; ausserdem das, was jeder Einzelne von ihnen für seine gesamte Existenz benötigt. Auf den Einzelnen bezogen wäre beispielsweise ein kleiner Selbstversorgerhof in der Natur eine sehr nachhaltige Lebensform.

Betrachtet man sich das gesamte Thema jedoch aus einem regelrecht globalen Massstab, steht rasch eine Tatsache im Raum: Wenn wir in unserem Land, auf diesem Kontinent, ja sogar dem gesamten Planeten maximal nachhaltig existieren möchten, dann führt an urbanen Siedlungen kaum ein Weg vorbei. Doch selbst wenn viele Experten das so sehen, so haben Städte aus verschiedenen Gründen Limitierungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Attraktivität. 

Warum Landleben keine grossmassstäblich nachhaltige Option ist

Die wohl nachhaltigste Form, zu leben, bestünde wohl darin, alles, was man zum Leben braucht, selbst herstellen zu können – und sich zurückzuhalten. Das ist der Grund, warum das Landleben durchaus nachhaltig sein kann. Heute allerdings müssen wir die dortigen Siedlungsformen unter dem Aspekt derzeitiger, zeitgenössischer Lebensgewohnheiten betrachten.

eine ländliche Landschaft mit einem Dorf im Blickfeld
© Stock Adobe / Jan

Hier das grosse Problem: Viele Länder sind bei Weitem zu dicht besiedelt, um jedem Einwohner genügend Platz für ein derartiges Leben zu ermöglichen. Insgesamt betrachtet ist dafür sogar die Weltbevölkerung längst schon zu zahlreich – ganz besonders, wenn man die Tatsache einbezieht, wonach es sich längst nicht an jedem Ort gleichermassen optimal in Selbstversorgermanier leben lässt.

Das ist ein wichtiger Hauptgrund, der gegen ländliche Siedlungsformen als nachhaltigste Möglichkeit spricht – es gibt also zu viele Menschen und zu wenig Platz. Allerdings gibt es noch mehrere weitere Gründe dafür:

  1. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt sind die Distanzen. Genauer: Landleben ist stets stark zersiedelt. Es leben also verhältnismässig wenige Menschen auf einer gegebenen Fläche. Dadurch werden die Wege automatisch weiter und vielfältiger. Es ist also beispielsweise nötig, nicht nur für jeden Einkauf ein Fahrzeug nutzen zu müssen, sondern die Fahrstrecken sind aufgrund besagter Zersiedelung gross.
  2. Ebenfalls aufgrund der Zersiedelung ist es nötig, viele Elemente des täglichen Daseins mehrfach aufzubauen und zu betreiben. Stell dir beispielsweise einen theoretischen Kanton vor, der aus 100 kleinen Dörfern besteht, die alle einige Kilometer voneinander entfernt sind. Dann benötigt dieser Kanton beispielsweise 100 Primarschulen, 100 Bäckereien (also ebenso viele einzelne Gebäude), muss einen sehr umfassenden Nahverkehr betreiben, benötigt viel mehr Stromleitungen etc.
  3. Tendenziell tendieren die allermeisten Menschen in einer eher ländlichen Umgebung dazu, mehr Wohnfläche pro Person zu besitzen und es gibt viel mehr Einfamilienhäuser. Tatsächlich gilt hierbei grob: Je ländlicher, desto mehr Quadratmeter pro Kopf. Das kannst du sogar beim Bundesamt für Statistik nachlesen. Diese Fläche ist in Einfamilienhäusern ungeachtet des Bauzeitraums merklich grösser als in (eher urbanen) Mehrfamiliengebäuden. Das bedeutet mehr Baumaterial, mehr Heizenergie und einiges andere.
  4. Wir leben in einer Zeit, in der selbst ein zurückhaltender Lebensstil vergleichsweise aufwendig ist. Jeder will beispielsweise elektrischen Strom und sauberes warmes und kaltes Wasser haben. Ebenso würden nur wenige auf irgendeine Form von Automobilität verzichten wollen – selbst, wenn sie kein eigenes Auto besitzen, sondern nur auf Bus und Bahn setzen. Nicht zuletzt wollen die meisten Menschen eine gewisse kulturelle, medizinische und vielfältige geschäftliche Infrastruktur haben. Für all das ist das Landleben ebenfalls anspruchsvoller.

Kurz zusammengefasst

Wenn du als Einzelner oder mit deiner Familie sehr ländlich und insgesamt reduziert lebst, nicht viel pendelst und möglichst viel selbst erzeugst, dann ist das tatsächlich eine nachhaltige Lebensweise. Grossmassstäblich betrachtet kann und will jedoch nicht jeder so leben. Zudem gibt es dafür vielerorts deutlich zu viele Einwohner. Dadurch ist das Landleben keine universell besonders nachhaltige Art zu leben.

Warum Städte heutzutage die nachhaltigere Siedlungsform sind

Du hast es im vorangegangenen Kapitel vielleicht schon erkannt: Zu einem gewissen Grad handelt es sich hierbei um ein „Gegenwartsproblem“. Bedeutet, gäbe es nicht so viele Menschen und würden wir alle nicht so ressourcenintensiv leben, wie es heutzutage selbst bei grosser Zurückhaltung der Fall ist, könnte Landleben äusserst nachhaltig sein.

ein Pärchen schlendert durch die Gassen einer Einkaufsmeile in der Altstadt
© Stock Adobe / William

Wohl niemand würde bestreiten, dass beispielsweise ein Bauer im Jura des frühen 20. Jahrhunderts einen extrem geringen Fussabdruck hatte.

  • Der Bauer musste selten bis nie in die Stadt, teils musste er sogar monatelang nicht einmal das Dorf verlassen.
  • Er ging nur zu Fuss oder fuhr mit einem Ochsen- oder Pferdekarren.
  • Er stellte vieles selbst her und konnte den Rest bei anderen Leuten in seiner Umgebung bekommen, etwa dem Dorfschmied. Zudem benötigte er insgesamt sehr wenig.
  • Ausserdem lebte er trotz wahrscheinlich aus heutiger Sicht grosser Kinderschar in einem kleinen Gebäude, in dem definitiv nicht jeder ein eigenes Zimmer hatte.

Bloss frag dich selbst: Möchtest du so leben wie ein Bauer des frühen 20. Jahrhunderts? Wahrscheinlich nicht.

Wohl bedeutet Nachhaltigkeit stets einen gewissen Verzicht beziehungsweise ein Umdenken. Wenn es jedoch darum geht, möglichst vielen Menschen ein «zeitgenössisches Dasein» mit seinen ganzen Realitäten und Annehmlichkeiten zu ermöglichen, dann ist eine Stadt die tatsächlich nachhaltigere Siedlungsform. Doch warum genau?

Die Distanzen

Eine der wichtigsten Tatsachen praktisch jeder Stadt auf dem Planeten ist das Verhältnis von Fläche zu Einwohnerzahl. Nehmen wir dazu beispielsweise Bern. Unsere Bundesstadt bringt es auf zirka 134‘500 Einwohner auf einer Fläche von knapp 52 Quadratkilometern.

Anders formuliert: Fast 135‘000 Menschen leben hier in einem Quadrat mit gerade einmal 7,2 Kilometern Seitenlänge. Das ergibt eine Einwohnerdichte von etwa 2‘600 Personen pro Quadratkilometer.

Als Gegenbeispiel die Gemeinde Schiers im Kanton Graubünden. Die bringt es auf knapp 62 Quadratkilometer, dort leben jedoch nur rund 2‘860 Menschen – macht 46 Einwohner pro Quadratkilometer.

Das bringt uns direkt zum Thema städtische Distanzen: Die Bewohner von Bern dürfen sich sicher sein, auf diesen 52 Quadratkilometern praktisch alles vorzufinden, was sie zwischen Änderungsschneider, Musikgeschäft und Zahnarzt benötigen – wohingegen die Bewohner vieler ländlicher Gemeinden schon allein einige Kilometer zurücklegen müssen, um einen Supermarkt oder eine Schule zu erreichen.

Vieles ist in einer Stadt fussläufig zu erreichen. Wo das nicht genügt, ist oftmals ein Fahrrad (gegebenenfalls mit Anhänger) eine völlig ausreichende Alternative. Selbst in weitläufigeren Städten wie etwa Stuttgart in Deutschland (207 km², 635‘000 Einwohner, 3‘053 pro km²) genügt darüber hinaus meistens der öffentliche Nahverkehr.

Kurz zusammengefasst

In den meisten Städten liegt alles zum Leben Nötige sehr dicht beieinander. Daher müssen die Einwohner keine so weiten Wege reisen und können ausserdem häufiger schadstoffarme Mobilitätsformen nutzen.

Die Gebäudearten

Weiter oben konntest du bereits lesen, dass die Pro-Kopf-Wohnfläche in Mehrfamilienhäusern geringer ist als in Einfamilienhäusern. Bereits diese simple Tatsache bedeutet eines:

Selbst bei ansonsten gleichen Vorzeichen ist für einen Stadtbewohner unter anderem weniger Baumaterial erforderlich. Der Einzelne macht hierbei vielleicht nicht viel aus. Wenn man es jedoch auf einige Tausend Menschen hochrechnet, sind das enorme Materialmengen und Energie zu deren Abbau bzw. Herstellung. Ebenfalls gilt das hinsichtlich der Infrastruktur: Ein grosser städtischer Supermarkt ist deutlich effizienter als viele kleinere auf dem Land.

Das Thema Gebäude und Wohnen zieht jedoch noch deutlich weitere Kreise:

  1. Durch den städtisch üblichen Hochbau leben auf einer beliebigen Fläche, die ein Gebäude einnimmt, meist wesentlich mehr Menschen. Dadurch ist der Flächenverbrauch pro Person auf einer weiteren Ebene geringer.
  2. Eine bestimmte Art von Baumerkmal oder Infrastruktur kann viel mehr Menschen versorgen bzw. steht diesen zur Verfügung. Denke dazu etwa an die Zentralheizung in einem Mehrparteiengebäude, an dessen Dacheindeckung oder an einen einzelnen Bäcker.
  3. Es gibt beim städtischen Wohnen nicht so grosse Erwartungen hinsichtlich des persönlichen Besitzes rings um das Wohnumfeld. Auf dem Land wird beispielsweise kaum ein Einfamilienhausbesitzer auf Garten und Garage verzichten wollen. In der Stadt sind diese Attitüden geringer ausgeprägt. Bedeutet: Es wird dort mehr Fläche für das eigentliche Wohnen aufgewendet.

Persönliche Einstellungen sind zudem ein weiteres wichtiges Stichwort: Stadtbewohner sind vielfach deutlich aufgeschlossener, was «alternative» beziehungsweise «innovative» Wohnkonzepte betrifft. Die Wohngemeinschaft etwa ist in weiten Teilen ein urbanes Phänomen. Ebenso bieten sich die städtischen architektonischen Realitäten viel eher dafür an. Hierzu sei besonders die sogenannte Cluster-Wohnung genannt. Sie ist eine grossmassstäblichere Erweiterung des WG-Konzepts.

Eigene private Wohneinheiten gruppieren sich hierbei um Gemeinschaftsflächen wie etwa Küchen herum. Im Gegensatz zur klassischen WG geschieht das jedoch auf der Ebene ganzer Gebäude oder zumindest Stockwerke; nicht nur in einzelnen Wohnungen.

Dieser Gedanke wurde unter anderem in Zürich auf dem Hunziker-Areal am Stadtrand bereits ab 2010 praktisch umgesetzt und konnte dabei überzeugen.

Kurz zusammengefasst

Städte bieten aufgrund der hier gängigen Architekturen und der Einstellungen vieler Bewohner deutlich mehr Ansätze, den Flächen-, Energie- und Materialverbrauch pro Kopf geringer zu halten.

eine Wohnsiedlung mit sehr ähnlichen Blocks
© Stock Adobe / ah_fotobox

Das Umland

Keine Stadt kann ohne Umland existieren, also alles selbst erzeugen, was sie verbraucht. Bedeutet, es wird noch für sehr lange Zeit nicht ohne Dörfer, Gehöfte usw. funktionieren. Das entscheidende Detail ist jedoch folgendes:

Stell dir einmal ein diesbezüglich idealisiertes Land vor. Darin gäbe es lediglich eine Handvoll recht grosser Städte und ringsherum gerade genug andere besiedelte Flächen, um die Zentren ausreichend zu versorgen. Denke etwa an einen „Gürtel“ von landwirtschaftlichen Betrieben direkt jenseits der Stadtgrenzen.  

Doch was wäre ausserhalb davon? Genau, dort könnte sich im Lauf der Zeit eine immer ursprünglichere Natur (zurück-)bilden. Natürlich dauert es, bis die menschlichen Ab- und Eindrücke verschwunden sind. Damit beispielsweise die Schweiz mit ihren nur wenigen Flecken völlig unberührter Natur wieder so werden könnte wie vor der Industrialisierung, wären Jahrhunderte nötig – zumal manches nie wieder ganz ursprünglich würde. Etwa durch eingeschleppte Neophyten und ausgestorbene Arten.

Jedoch: Je mehr Menschen in Städten leben, desto grösser sind die Chancen für die restliche Fläche, zu einem ursprünglicheren Zustand zurückzukehren. Das ist ebenfalls ein Teil von Nachhaltigkeit.

Kurz zusammengefasst

Je mehr Menschen in Städten leben, desto mehr kann das Land ausserhalb davon zu einer maximalen Ursprünglichkeit zurückkehren.

Warum Städte dennoch nicht das Optimum sind

Es gibt viele Autoren, die unterstellen einer Stadtbevölkerung generell eine umwelt- beziehungsweise klimaschonendere oder allgemein nachhaltigere Lebens- und Denkweise. Seriös halten lässt sich das jedoch nicht. Fleischarm ernähren kann man sich ebenso im kleinsten Dorf wie in der grössten Stadt. Umgekehrt gibt es selbst in Grossstädten eine Menge Menschen, die das Auto für jeden Weg nehmen, der länger als der Wagen selbst ist.

Das, was wir beim Wohnen angesprochen haben, ist eher eine Ausnahme von der Regel: Wer in die Stadt zieht, erwartet meist aufgrund der dortigen Realitäten (etwa Grundstückspreise) nicht, dort wie ein dörflicher Einfamilienhausbewohner leben zu können – und möchte es vielleicht sogar nicht.

Tatsächlich gibt es jedoch andere Gründe, warum Städte nicht der grundsätzliche Garant für Nachhaltigkeit sind – selbst, wenn sie sehr gute Ansätze dafür haben.

ein belebter Platz in einer historischen Altstadt
© Stock Adobe / BRIAN_KINNEY

1) Viele doppelte oder „überflüssige“ Angebote

In der Stadt mag alles auf kurzen Wegen zu erreichen sein. Doch gerade, weil hier so viele Menschen (lies: potenzielle Kunden/Nutzer) leben, etablieren sich hier eine Menge Dinge, die der Nachhaltigkeit zuwiderlaufen. Entweder generell oder weil sie in der Stadt zu häufig vorhanden sind.

Auf dem Land genügt vielleicht ein grosses Kino (und somit ein Gebäude), um die Bewohner mehrerer Dörfer zu versorgen. In einer Stadt hingegen buhlen nicht nur verschiedene Kinos, sondern obendrein meist noch diverse Supermärkte und andere Händler mit einem ähnlichen Sortiment um denselben Kundenkreis.

Ebenso existieren in Städten Dinge, für die es auf dem Land so vielleicht gar nicht gibt. Denke etwa an zahlreiche Restaurants, von denen sich jedes auf bestimmte landestypische Spezialitäten fokussiert. Oder beispielsweise Museen, Clubs und sonstige Kultureinrichtungen. Sie mögen zwar das Stadtleben für viele erst so richtig interessant machen. Aus Sicht von Nachhaltigkeit sind sie jedoch überflüssig.

Der finnisch-isländische Wissenschaftler Professor Jukka Heinonen nannte das in einer Forschungsarbeit eine urbane Parallel Consumption, also Parallel-Konsum. Es bedeutet, dass in Städten a) viele Infrastrukturmerkmale unnötigerweise mehrfach vorhanden sind und b) viele Merkmale erst aufkommen, weil es sich um eine Stadt handelt.

Kurz zusammengefasst

Weil so viele Menschen in Städten leben, sind dort viele Angebote überflüssigerweise mehrfach vorhanden oder existieren überhaupt nur weil es so viele potenzielle Nutzer gibt.

2) Kein grenzenloses Wachstum möglich

In vielen Ländern der Erde sind die Grenzen einer jeden Kommune exakt festgelegt ; ähnlich, wie es die Staatsgrenzen sind. Um nochmals Bern als Beispiel zu bemühen: Die Stadt könnte ihre Grenzen also nicht beliebig auf das Gebiet von Wohlen oder Köniz ausweiten – zumindest nicht ohne grosse politische und verwaltungsrechtliche Anstrengungen auf unterschiedlichen Ebenen.

Dadurch ist die Wachstumsrate einer jeden Stadt limitiert. Die einzige Ausnahme kannst du beispielsweise erneut in Deutschland beobachten: Im dortigen Ruhrgebiet gibt es mehrere grosse Städte, die direkt aneinandergrenzen. Mit der Zeit geschah das an vielen Stellen auf eine Weise, durch die man nur noch anhand des Ortsschilds erkennen kann, ob man sich beispielsweise noch in Bochum befindet oder bereits in Essen.

Doch wie gesagt: Das ist eine Ausnahme. Dadurch gerät jede Stadt irgendwann in eine Zwangslage.

Kurz zusammengefasst

Die Kommunalgrenzen von Städten sind begrenzt. Aus diesem Grund können sie nicht einfach per Federstrich vergrössert werden.

mehrere grosse Wohnblöcke in einer Stadtsiedlung
© Adobe Stock / holger.l.berlin

3) Verdichtung kontra Lebenswertigkeit

Die Schweiz mag viel Natur haben. Insgesamt betrachtet ist sie jedoch ein recht dicht besiedeltes Land. Angesichts dessen existiert auch bei uns die Diskussion rings um das Thema Nachverdichtung schon seit längerer Zeit.

Unter dem Aspekt, wonach die wenigsten Städte in die Breite wachsen können, gibt es drei Optionen:

  1. Es werden auf bisherigen Freiflächen, etwa Parks, neue Gebäude errichtet; gegebenenfalls als Erweiterungsbauten.
  2. Bestehende Gebäude werden um weitere Stockwerke nach oben erweitert.
  3. Es werden bestehende Gebäude abgerissen und an deren Stelle grössere, höhere oder anderweitig zur Aufnahme von mehr Menschen geeignete Gebäude errichtet.

Die Schwierigkeit hieran: Nichts davon ist eine wirklich optimale Lösung.

  • Das Reduzieren von Freiflächen wirkt sich stark auf die Lebensqualität aus. Ausserdem kann das sowieso häufig bereits „schwierige“ urbane Klima samt Luftqualität weiter verschlechtert werden – etwa, weil die neuen Gebäude Winde blockieren.
  • Das Erweitern bestehender Gebäude in die Höhe ist statisch längst nicht immer machbar. Zudem sind höhere Skylines ebenfalls oft schwierig zu vermitteln und in Sachen Mikroklima problematisch.
  • Abriss und Neuerrichtung sind sehr teuer und erfordern zudem noch, die bisherigen Bewohner zeitweise umzusiedeln.

Vielleicht fragst du dich nun, warum die oberen Führungsgremien einer Nation dann nicht einfach gestatten oder sogar anordnen, die Stadtgrenzen nach aussen zu verschieben? Einmal abgesehen davon, wie schwierig eine solche Aktion unter demokratischen Gesichtspunkten sein kann (schliesslich haben die Gemeinden rings um die Stadt ja ebenfalls Rechte), sei erneut auf die Stadtbewohner verwiesen:

Viele möchten in Städten leben, jedoch will längst nicht jeder in einer grossen Metropole oder gar einer Megalopolis leben, die sich über hunderte oder noch mehr Quadratkilometer erstreckt.

An dieser Stelle sei einmal der Vergleich gezogen: Die etwa 52 Quadratkilometer von Bern entsprechen fast genau der Landfläche des New Yorker Stadtteils Manhattan (59 km²). Darin leben jedoch zirka 1,63 Millionen Menschen – etwa 28‘500 pro Quadratkilometer.

Schon das wäre für viele ein eher abschreckender Gedanke. Zudem ist Manhattan bloss ein Teil von New York City. Insgesamt ist diese Riesenstadt fast 740 Quadratkilometer gross und beherbergt 8,8 Millionen Menschen mit einer Dichte von etwa 11‘150 Personen pro Quadratkilometer. Das wäre in etwa so, als würden alle Einwohner der Schweiz (8,81 Millionen) nur im Kanton Solothurn (790 km²) leben.

Natürlich ist das ein Extrembeispiel. Aber es zeigt dir sehr gut auf, warum selbst grössere Städte, in denen eine aufgelockerte Bebauung mit viel Grün möglich wäre, längst nicht jedem zusagen.

Kurz zusammengefasst

Viele Optionen, die mehr Menschen in einer Stadt wohnen lassen, sind teuer und häufig dazu geeignet, die Lebensqualität durch die höhere Menschendichte zu reduzieren. Selbst wenn eine Stadt nach aussen wachsen könnte, könnte sie für viele Menschen schlicht zu gross werden.

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