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Umweltfreundlich renovieren

Wenn du das Raumklima in deiner Wohnung verbessern willst, lohnt sich schadstoffarmes Renovieren besonders: Viele Produkte für Wände und Böden geben flüchtige Stoffe an die Raumluft ab – und gerade Kinder reagieren darauf oft empfindlicher. Hier findest du eine aktualisierte, alltagstaugliche Orientierung, wie du Farben, Tapeten, Bodenbeläge und Kleber auswählst, Schimmel vermeidest und Abfälle in der Schweiz korrekt entsorgst.

Für umweltfreundliches Renovieren sollten Sie lösemittelfreie Farbe verwenden.
Achten Sie beim Kauf der neuen Wandfarbe darauf, dass sie lösemittelfrei ist. Foto: monkeybusinessimages / iStock / Thinkstock

Quick-Check: So erkennst du schadstoffarme Produkte

Im Laden wirkt vieles «ökologisch» – entscheidend sind aber messbare Kriterien. Drei Dinge helfen dir, zügig gute Entscheidungen zu treffen:

  • Auf Emissionen achten (VOC/Innenraumluft): Viele Renovationsprodukte können flüchtige organische Verbindungen (VOC) an die Raumluft abgeben. Wenn möglich, wähle Produkte, die ausdrücklich für Innenräume mit sehr niedrigen Emissionen ausgelobt sind und gib frisch renovierten Räumen konsequent Zeit zum Auslüften.
  • Labels als Orientierung nutzen: Der «Blaue Engel» bleibt eine hilfreiche Orientierung für bestimmte Produktgruppen. Für Klebstoffe, Spachtelmassen und Unterlagsmaterialien ist EMICODE in der Praxis ebenfalls verbreitet, weil es die Emissionsarmut kennzeichnet. Labels ersetzen kein Lesen des Datenblatts – sie helfen dir aber beim Vorausfiltern.
  • Technisches Merkblatt/Sicherheitsdatenblatt prüfen: Achte auf Hinweise wie «für Innenräume», «emissionsarm», «lösemittelfrei», aber auch auf mögliche Konservierer (wichtig bei Allergien) und auf Verarbeitungshinweise (Trocknungszeit, Lüftung, Temperatur).

Eltern-Extra: Plane Renovationen wenn möglich so, dass Kinder (und auch Schwangere) in den ersten Tagen nach dem Streichen/Verlegen nicht dauerhaft im frisch behandelten Raum schlafen. Auch «lösemittelfrei» heisst nicht automatisch «geruchsfrei» oder «reizfrei».

Farben & Lacke

Worauf achten? 

Wandfarben und Lacke beeinflussen die Innenraumluft besonders stark, weil sie grossflächig eingesetzt werden. Für ein gutes Raumklima sind drei Eigenschaften zentral:

  • Wasserdampfdurchlässigkeit: Das unterstützt den Feuchteausgleich der Wand. Das ist kein Schimmelschutz «von allein», hilft aber, dass Feuchtigkeit nicht unnötig eingesperrt wird.
  • Niedrige Emissionen: Bevorzuge Produkte, die ausdrücklich emissionsarm sind und für Innenräume deklariert werden.
  • Konservierungsstoffe bedenken: Wasserbasierte Farben enthalten teils Konservierer, damit sie im Topf nicht verderben. Wenn in deiner Familie Kontaktallergien, Asthma oder Neurodermitis ein Thema sind, kann es sinnvoll sein, gezielt nach konserviererarmen oder entsprechend deklarierten Produkten zu suchen und sehr gut zu lüften.

Naturfarben können eine Option sein (z.B. Kalk-, Kasein-, Leim- oder Silikatfarben). Wichtig ist dabei eine realistische Erwartung: Manche Naturfarben sind weniger abriebfest, nicht für jede Oberfläche geeignet oder können bei falschem Wandaufbau problematisch sein. Bei Silikatfarben gilt ausserdem: Sie sind robust und diffusionsoffen, benötigen aber geeignete Untergründe und fachgerechte Verarbeitung.

Checkliste vor dem Kauf 

  • Ist die Farbe/Lackierung für Innenräume ausgewiesen?
  • Ist sie lösemittelfrei oder sehr emissionsarm deklariert?
  • Findest du im Merkblatt klare Angaben zu Trocknungszeit und Lüftung?
  • Gibt es Hinweise zu Konservierern (relevant bei Allergien)?
  • Passt das Produkt zur Fläche (Kinderzimmer: eher robust, gut reinigbar, aber trotzdem emissionsarm)?
  • Planst du genug Zeit ein: streichen – trocknen – mehrere Tage stosslüften?

Lüften als wirksamster Sofort-Hebel: Während und nach dem Streichen gilt: mehrmals täglich Stosslüften (querlüften, wenn möglich) ist in der Praxis eine der effektivsten Massnahmen, um Gerüche und flüchtige Stoffe schneller aus der Wohnung zu bringen.

Boden & Kleber

Emissionen & Pflege: Was wirklich zählt

Böden sind langlebige Entscheidungen. Für Familien sind neben der Ökobilanz vor allem Emissionen, Reinigung, Reparierbarkeit und die Frage wichtig, ob beim Einbau Kleber nötig ist. Grundregel: Wo es geht, sind klickbare/steckbare Systeme oft im Vorteil, weil weniger Klebstoffe eingesetzt werden.

Mit klickbarem Parkett renovieren Sie umweltfreundlich.
Wer Parkett verlegen möchte, sollte klickbares Material wählen für das kein Leim notwendig ist. Foto: Pixland / Pixland / Thinkstockphotos

PVC bleibt aus Gesundheits- und Umweltsicht problematisch, unter anderem wegen Additiven und der schwierigen Entsorgung. Wenn du Alternativen suchst, sind diese Optionen oft praxistauglich:

Vergleichstabelle: typische Bodenoptionen im Familienalltag

Material Pluspunkte Worauf du achten solltest Für welche Räume?
Holz (Dielen/Parkett) Reparierbar, warm, langlebig, kann nachgeschliffen werden Holz aus nachhaltiger Produktion; Oberflächenbehandlung emissionsarm; möglichst klickbar/verschraubt statt vollflächig geklebt Wohn- und Schlafzimmer, Kinderzimmer
Kork Fusswarm, trittschalldämmend, elastisch Auf emissionsarme Versiegelung achten; besser klickbar; ausreichend Dicke, wenn späteres Abschleifen relevant ist Kinderzimmer, Wohnräume
Linoleum Robust, aus nachwachsenden Rohstoffen, pflegeleicht Auf Produkte ohne problematische Kunstharze achten; emissionsarme Verlegung (Kleber/Unterlage) klären Flur, Kinderzimmer, Küche
Teppich (Naturfasern) Schalldämmung, warm, gemütlich Auf schadstoffarme Ausrüstung/Färbung achten; regelmässig gründlich saugen (Feinstaub/Allergene); bei Milbenallergie sorgfältig abwägen Schlaf- und Kinderzimmer (je nach Allergien)
Fliesen Sehr langlebig, gut zu reinigen, geeignet bei Allergien Hoher Energiebedarf in der Herstellung; Fugenmaterial emissionsarm wählen; kalte Oberfläche (Teppiche/Matten überdenken) Bad, Küche, Eingangsbereich

Kleber & Unterlagen: Wenn du kleben musst (z.B. bei gewissen Linoleum- oder Teppichlösungen), wähle emissionsarme Produkte und halte dich exakt an die Verarbeitung (Menge, Ablüftzeit, Raumtemperatur). Gerade bei Unterlagsmaterialien (Trittschalldämmung) lohnt es sich, ebenfalls auf Emissionsarmut zu achten.

Tapeten & Wandaufbau

Schimmel vermeiden: Diffusion, Feuchte, Alltag

Tapeten können funktionieren, aber sie verändern den Wandaufbau: Je nach Material und Beschichtung wird der Feuchtetransport gebremst. In Haushalten mit wenig Lüftung, vielen Personen oder häufiger Wäschetrocknung kann das das Schimmelrisiko erhöhen. Deshalb gilt: Erst Feuchte- und Lüftungssituation klären, dann Oberflächen wählen.

Wenn du auf Tapeten nicht verzichten möchtest, helfen diese Grundsätze:

  • Meide Vinyl- und stark beschichtete Tapeten, wenn dir ein feuchteausgleichender Wandaufbau wichtig ist.
  • Unbedruckte, einschichtige Papiertapeten sind oft die unkritischere Wahl.
  • Flüssigtapeten/Faserputze aus Naturmaterialien können die Feuchteregulation unterstützen, müssen aber zum Untergrund passen.
  • Nutze Zellulosekleber und achte auf emissionsarme Produkte; übermale mit natürlichen, lösemittelfreien Farben, wenn du tapezierte Flächen später streichen willst.
  • Alte Tapeten weichst du am besten mit Wasser ein und verzichtest auf aggressive Ablöser, wenn es nicht nötig ist.

Wann du Tapeten/Anstriche stoppen und Ursachen prüfen solltest

  • Muffiger Geruch oder wiederkehrende «feuchte» Luft, besonders morgens.
  • Schwarze Punkte in Raumecken, hinter Möbeln oder an Aussenwänden.
  • Kondenswasser regelmässig an Fenstern (nicht nur an sehr kalten Tagen).
  • Abblätternde Farbe, wellige Tapeten, bröselnder Putz.
  • Häufige Atemwegsreizungen oder neue Beschwerden, die zu Hause stärker sind.

Wenn du solche Zeichen bemerkst, lohnt sich zuerst die Klärung von Feuchtequellen (Lüftung, Wärmebrücken, Leckagen) statt einfach «überzustreichen». Bei Unsicherheit kann eine fachliche Abklärung (z.B. Gebäudediagnostik) helfen.

Teppich

Teppiche können die Raumluft belasten, wenn sie Schadstoffe ausdünsten oder viel Staub binden. Wenn du Teppich möchtest, sind Naturfasern (z.B. Wolle, Ziegenhaar, Kokos, Sisal) häufig die bessere Wahl. Sie sind atmungsaktiv und dämmen Schall, kosten aber oft mehr. Für Familien wichtig: Achte auf emissionsarme Produkte und eine Reinigung, die zu eurem Alltag passt (regelmässig saugen, bei Bedarf fachgerecht reinigen).

Entsorgung in der Schweiz

Sonderabfall: Farbreste, Lösemittel, Lacke

Farben, Lacke, Lösungsmittel, gewisse Kleber sowie PVC-haltige Materialien gehören nicht in den Hauskehricht. In der Schweiz gibst du solche Reste als Sonderabfall bei den Sammelstellen deiner Gemeinde oder bei offiziellen Entsorgungsstellen ab. Auch leere Gebinde können je nach Restinhalt als Sonderabfall gelten (am besten im Merkblatt oder bei der Sammelstelle nachfragen).

Teppiche sind meist Sperrgut und werden über Recyclinghöfe oder die Sperrgutabfuhr entsorgt.

Sammelstellen finden

  • Schau auf der Website deiner Gemeinde/Stadt nach «Sonderabfall», «Problemstoffe» oder «Entsorgungshof».
  • Viele Kantone führen Online-Übersichten zu Sammelstellen und Annahmebedingungen (was ist gratis, was kostet, welche Mengen sind erlaubt).
  • Wenn du unsicher bist: Ruf kurz bei der Entsorgungsstelle an und frage konkret nach «Farbresten/Lack/Kleber/PU-Schaum».

Renovieren & Energiesparen verbinden

«Wenn du sowieso dran bist …»: 10 Quick Wins ohne Grossumbau

Wenn du schon Möbel rückst und Räume leerer sind, kannst du mit kleinen Massnahmen Energie sparen und den Komfort erhöhen – oft ohne grosse Baustelle:

  1. Dichtungen prüfen: Fenster- und Türdichtungen kontrollieren und bei Bedarf ersetzen (Zugluft spürbar reduzieren).
  2. Heizkörper freihalten: Vorhänge/Möbel nicht direkt davor platzieren, damit Wärme gut zirkuliert.
  3. Thermovorhänge gezielt nutzen: Besonders nachts in schlecht gedämmten Räumen kann das den Komfort erhöhen.
  4. LED wechseln: Wenn du Leuchten ohnehin abmontierst oder neu setzt, gleich auf effiziente LEDs umstellen.
  5. Steckdosenleisten mit Schalter: Für Unterhaltungselektronik im Familienalltag oft die einfachste Standby-Bremse.
  6. Warmwasser sparen: Beim Wiederanschrauben von Armaturen einen passenden Sparaufsatz prüfen (Komfort vs. Durchfluss abwägen).
  7. Richtig lüften einüben: Kurzes Stosslüften statt gekippter Fenster spart Wärme und hilft der Luftqualität.
  8. Möbelabstand zu Aussenwänden: Ein kleiner Abstand kann helfen, dass die Wand nicht auskühlt und Feuchte sich weniger staut.
  9. Dämmung von Heizungsrohren: Wenn zugänglich (z.B. Keller), ist das oft günstig und effektiv.
  10. Türschliesser/Spalten abdichten: Bei Wohnungstüren oder Zimmertüren kann das Zugluft und Gerüche reduzieren.

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