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Was du über organische Dämmstoffe wissen musst

«Organisch» klingt nach Natur pur – bei Dämmstoffen ist der Begriff aber breiter. Organische Dämmstoffe können aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Zellulose, Holzfaser, Hanf) oder aus synthetischen organischen Stoffen (z.B. erdölbasierte Kunststoffe) bestehen. Wenn du nachhaltig sanieren oder bauen willst, hilft dir weniger die Begriffswelt als ein klarer Vergleich: Welche Dämmung passt zu welchem Bauteil, wie verhält sie sich bei Feuchte und Hitze, wie steht es um Brandschutz, Schallschutz, Gesundheit und Kosten – und worauf solltest du in der Schweizer Praxis achten?

Einige grosse Säcke mit Schafwolle als organischer Dämmstoff
Schafwolle zählt zu den organischen Dämmstoffen auf natürlicher Basis. © AStarphotographer / iStock / Getty Images Plus

Organische Dämmstoffe – das Wichtigste in Kürze:

  • «Organisch» sagt noch nichts über Nachhaltigkeit: Entscheidend sind Rohstoff, Herstellung, Einbauqualität, Rückbaubarkeit und Emissionen.
  • Für viele Familien sind drei «Öko-Klassiker» besonders relevant: Zellulose (meist Einblasdämmung), Holzfaser (Platten/Matten) und Hanf (Matten/Stopfwolle).
  • Feuchte- und Schimmelschutz hängen vor allem von Planung und Ausführung ab (Luftdichtheit, Anschlussdetails, Baustellenfeuchte) – nicht nur vom Dämmstoff.
  • Für die Offerte zählen Details wie Einbaudichte (bei Einblasdämmung), Winddichtung, Brandschutzaufbau und Nachweise für Emissionen/Labels.

Was sind organische Dämmstoffe?

Zu organischen Dämmstoffen zählen sehr unterschiedliche Materialien. Entscheidend ist, woraus die Grundsubstanz besteht: aus nachwachsenden/biogenen Rohstoffen oder aus organischen synthetischen Polymeren.

Organische Dämmstoffe aus natürlichen Rohstoffen

Dazu gehören Dämmstoffe aus Holz (z.B. Holzfaser), Zellulose (aus recyceltem Papier), Hanf, Flachs, Kork, Schafwolle, Stroh oder Kokosfaser. Viele davon sind nachwachsend oder bestehen aus Recyclingrohstoffen und können – je nach Produkt – mit vergleichsweise niedriger «grauer Energie» hergestellt werden.

Wichtig für deine Entscheidung: Auch «natürliche» Dämmstoffe werden häufig aus Gründen des Brandschutzes, des Schädlingsschutzes oder der Feuchtebeständigkeit behandelt (z.B. mit Salzen, Harzen oder Wachsen). Das ist nicht automatisch schlecht – aber du solltest im Datenblatt und in der Umweltdeklaration nachsehen, welche Zusatzstoffe enthalten sind und welche Emissionsnachweise vorliegen.

Organische Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen

Werden Rohstoffe bei der Herstellung chemisch zu Kunststoffen umgebaut, spricht man von organischen Dämmstoffen auf Basis synthetischer Rohstoffe. Dazu zählen Polyesterfasern, Expandiertes Polystyrol (EPS), Polyurethan-Hartschaum (PUR) und andere Kunstharze. Sie dämmen pro Dicke oft sehr gut und sind mechanisch robust. Gleichzeitig basieren sie häufig auf Erdöl, sind in der Entsorgung anspruchsvoller und passen nicht immer zu einem konsequent nachhaltigen Baukonzept.

Organische und anorganische Dämmstoffe: Der Unterschied

Organische Dämmstoffe bestehen aus pflanzlichen bzw. biogenen Stoffen oder aus organischen (kohlenstoffbasierten) Kunststoffen. Anorganische Dämmstoffe bestehen aus mineralischen Stoffen (z.B. Perlite, Schaumglas, Steinwolle). Für die Praxis heisst das: Die «Materialfamilie» gibt Hinweise auf Brandschutz, Feuchteverhalten und Rückbau – ersetzt aber nicht den Blick in Datenblatt, Nachweise und Aufbauplanung.

So liest du Dämmstoff-Datenblätter 

Wenn du Offerten vergleichst, wirken Datenblätter schnell wie eine Fremdsprache. Diese Kennwerte helfen dir, die wichtigsten Unterschiede zu verstehen:

  • Wärmeleitfähigkeit λ (Lambda): Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Material (bei gleicher Dicke). In der Praxis sind kleine Unterschiede oft weniger entscheidend als eine saubere, lückenlose Ausführung.
  • Rohdichte (kg/m³): Höhere Rohdichte kann beim sommerlichen Hitzeschutz und beim Schallschutz helfen. Sie bedeutet aber nicht automatisch «besser» – es kommt auf Bauteil und Aufbau an.
  • Wärmespeicherfähigkeit: Relevant, wenn du im Dachgeschoss Hitzespitzen abfedern willst (z.B. in Süd-/Westlagen). Hier schneiden viele Holzfaserprodukte gut ab.
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand µ: Beschreibt, wie stark ein Material Wasserdampf bremst. «Diffusionsoffen» ist nicht gleich «schimmelsicher» – kritischer ist meist, ob warme Innenluft durch Undichtheiten in kalte Schichten gelangt.
  • Brandschutzklasse / Brandverhalten: Für deinen konkreten Aufbau (Dach/Fassade/Innen) zählen die geforderten Klassierungen und das Gesamtsystem (Bekleidungen, Schichten, Anschlüsse) – nicht nur der Dämmstoff alleine.

Zellulose, Holzfaser, Hanf: Kurzprofil der drei beliebtesten Öko-Dämmstoffe

Viele Eltern suchen eine Lösung, die ökologisch sinnvoll ist und gleichzeitig robust im Alltag: kein «Spezialfall», sondern gut planbar, verfügbar und bezahlbar. Diese drei Dämmstoffe sind dafür in der Schweiz besonders verbreitet.

1. Zellulose (Einblasdämmung): Stärken, Grenzen, typische Anwendungen

Wofür sie oft ideal ist: Zellulose wird häufig als Einblasdämmung eingesetzt – besonders in Dachschrägen, zwischen Sparren, in Holzbalkendecken oder in schwer zugänglichen Hohlräumen. Wenn richtig geplant und mit passender Einbaudichte eingeblasen, füllt sie Hohlräume sehr gut aus und reduziert das Risiko von Fugen und «Kältebahnen».

Worauf du achten solltest: Entscheidend ist die Einbaudichte (damit sie nicht nachsetzt) und eine saubere Luft- und Winddichtung im System. Zellulose kann Feuchte puffern, ist aber kein Freipass für feuchte Bauteile: Wenn Wasser durch Lecks oder Baufeuchte dauerhaft im Aufbau bleibt, steigt das Schimmelrisiko – wie bei anderen Dämmstoffen auch.

Typische Grenzen: Für Bereiche mit dauerhafter Durchfeuchtung oder direktem Erd-/Spritzwasserkontakt ist sie meist nicht die erste Wahl. Bei sehr dünnen Konstruktionen, wo maximale Dämmwirkung pro Zentimeter gebraucht wird, sind andere Materialien manchmal im Vorteil.

2. Holzfaser: Sommerlicher Hitzeschutz & Plattenlösungen (Dach/Fassade)

Wofür sie oft ideal ist: Holzfaser gibt es als Matten und als druckfeste Platten. In vielen Dachaufbauten (z.B. Aufdachdämmung) und in Fassadenkonstruktionen (z.B. hinterlüftet) punkten Holzfaserplatten mit guter Hitzedämpfung im Sommer und solider Schalldämmung – ein Plus, wenn Kinderzimmer unterm Dach liegen oder wenn es aussen laut ist.

Worauf du achten solltest: Holzfaser ist in Systemen gedacht, die konstruktiv trocken bleiben. In Fassaden ist die korrekte Planung von Winddichtung, Hinterlüftung (bei VHF) und Schlagregenschutz entscheidend. Bei Innenanwendungen kommt es auf passende Schichten (z.B. feuchtevariable Dampfbremsen im richtigen Aufbau) an, nicht nur aufs Material.

Typische Grenzen: Je nach Produkt und Aufbau kann die nötige Dämmstärke grösser sein als bei Hochleistungsdämmstoffen. Bei sehr feuchtebelasteten Sockel-/Perimeterbereichen sind meist andere Lösungen gefragt.

3. Hanf: Matten, Stopfwolle – wo er Sinn ergibt

Wofür er oft ideal ist: Hanf wird häufig als Matte oder Stopfwolle eingesetzt – z.B. in Holzständerwänden, in Dachschrägen (zwischen Sparren) oder für kleinere Ausbesserungen, wo Einblasdämmung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Er lässt sich gut zuschneiden und ist bei korrektem Einbau angenehm zu verarbeiten.

Worauf du achten solltest: Wie bei anderen Naturfasern sind Angaben zu Brandschutzbehandlung, Emissionen und Systemaufbau zentral. Bei unsauberem Zuschnitt entstehen schnell Fugen – und die kosten in der Praxis mehr Wärme als ein etwas «schlechterer» λ-Wert im Labor.

Typische Grenzen: Für grosse, komplexe Hohlräume ist Hanf als Matte arbeitsintensiver als Einblasdämmung. Für druckbelastete Anwendungen brauchst du geeignete, dafür zugelassene Produkte.

Vergleich: Was zählt wirklich?

Die folgenden Punkte helfen dir, Zellulose, Holzfaser und Hanf pragmatisch zu vergleichen. Werte variieren je nach Hersteller und Produktlinie – nutze die Tabelle als Entscheidungshilfe, und prüfe danach die konkreten Datenblätter in der Offerte.

Kriterium Zellulose Holzfaser Hanf
Typische Form Einblasdämmung (Flocken) Matten und Platten (teils druckfest) Matten, Stopfwolle
Wärmedämmung (λ) Gut Gut bis sehr gut (produktabhängig) Gut
Sommerlicher Hitzeschutz Gut (bei ausreichender Masse und Aufbau) Sehr gut (oft Pluspunkt) Gut
Feuchteverhalten Puffernd; stark abhängig von Luftdichtheit und Einbaudichte Puffernd; im System konstruktiv trocken halten Puffernd; Fugenfreiheit entscheidend
Schallschutz Gut in Hohlräumen, wenn lückenlos eingebracht Gut bis sehr gut, je nach Rohdichte/Platte Gut in leichten Konstruktionen
Brandschutz (im System) Erfordert passenden Schichtenaufbau; Produktbehandlung möglich Erfordert passenden Schichtenaufbau; Platten oft in geprüften Systemen eingesetzt Erfordert passenden Schichtenaufbau; Produktbehandlung möglich
Typische Einsatzorte Dachschrägen, Decken, Hohlräume, Sanierungen Dach (auch Aufdach), Fassade (z.B. VHF), teils Innen Zwischen Sparren/Ständer, Innenwände, Detailstellen
Kosten (Tendenz) Oft sehr wirtschaftlich bei grossen Flächen (Einblasarbeit eingerechnet) Häufig höher (Material/Plattenarbeit), dafür vielseitig Mittel bis höher, stark abhängig vom Montageaufwand
Ökobilanz (Tendenz) Oft sehr gut bei Recycling-Zellulose; abhängig von Zusätzen/Transport Gut; abhängig von Bindemitteln/Herstellung Gut; abhängig von Verarbeitung, Zusätzen, Lieferkette

Wärmedämmung (λ) und Ziel-U-Werte – ohne Formelkoma

Im Familienalltag zählt am Ende: Wird es im Winter spürbar behaglicher, sinken die Heizkosten, gibt es weniger Zugluft? Dafür ist der Dämmstoff nur ein Teil. Fast noch wichtiger sind durchgängige Dämmebenen ohne Lücken, vermeidbare Wärmebrücken und eine luftdichte Ebene auf der warmen Seite (je nach Bauteil). Ein minimal besserer λ-Wert hilft dir wenig, wenn die Ausführung nicht stimmt.

Feuchteverhalten: diffusionsoffen, kapillaraktiv, Luftdichtheit

Ein häufiger Irrtum: «Diffusionsoffen» wird als «kann nicht schimmeln» verstanden. In Wirklichkeit entstehen Feuchteprobleme im Gebäude oft durch Konvektion – also wenn warme, feuchte Innenluft durch Fugen in kalte Schichten strömt und dort kondensiert. Darum lohnt es sich, bei der Planung und Ausführung besonders auf die Luftdichtheit (Anschlüsse, Durchdringungen) und auf Baustellenfeuchte (frischer Estrich, Putz, nasses Holz) zu achten.

Schallschutz: Rohdichte, Einbau & typische Missverständnisse

Für ruhigere Kinderzimmer ist Schallschutz oft genauso wichtig wie Wärmeschutz. Dafür gilt: Mehr Masse im System (z.B. durch schwerere Beplankungen) hilft oft mehr als ein Dämmstoffwechsel. Dämmstoffe in Hohlräumen verbessern den Schallschutz vor allem dann, wenn sie vollständig und fugenfrei eingebaut sind. Bei Trennwänden zählen zusätzlich Entkopplung (z.B. doppelte Ständer) und sorgfältige Randanschlüsse.

Brandschutz & Sicherheit in der Schweiz: was du wissen musst

Brandschutz ist ein Systemthema: Die gleiche Dämmung kann je nach Bekleidung, Luftschicht, Fassadenaufbau und Detailausbildung sehr unterschiedlich beurteilt werden. Für dich als Bauherr:in oder Elternteil ist wichtig, dass die Fachfirma den gesamten Aufbau nach den in der Schweiz geltenden Vorgaben plant und dokumentiert (z.B. inklusive geeigneter Bekleidungen, Abschottungen und Details). Frage gezielt nach der vorgesehenen Brandklassifizierung im System und nach Nachweisen für den konkreten Aufbau.

Welche Dämmung für welchen Bauteil?

Hier hilft eine einfache Logik: Wo ist der Einbauort kompliziert (Hohlräume)? Wo brauchst du besonders guten Hitzeschutz (Dach)? Wo ist Feuchtebelastung hoch (Keller/Sockel)? Und wie gut kommst du an die Fläche heran (Sanierung vs. Neubau).

Dach/oberste Decke (Quick Win)

Oberste Geschossdecke ist oft der «Quick Win» in der Sanierung: vergleichsweise einfache Details, klare Wirkung. Zellulose eignet sich sehr gut, wenn Hohlräume vorhanden sind oder unregelmässige Geometrien sauber gefüllt werden sollen. Holzfaser ist stark, wenn du zusätzlich Wert auf sommerliche Hitzedämpfung und robuste Plattenlösungen legst (z.B. bei Aufdachdämmung). Hanf ist praktisch, wenn du Matten in zugängliche Gefache klemmst und sauber zuschneidest.

Fassade (WDVS/VHF)

Bei Fassaden ist die Konstruktion entscheidend: VHF (vorgehängte hinterlüftete Fassade) ist oft gut kombinierbar mit Holzfaserplatten bzw. passenden Naturdämmstoffen im geprüften System, weil Hinterlüftung und Schlagregenschutz sauber geplant werden können. Beim WDVS zählen Systemzulassungen und Details besonders stark. Frag die Fachfirma, welches System sie in der Schweiz regelmässig umsetzt und welche Nachweise (Systemaufbau, Brand- und Feuchteverhalten) sie mitliefert.

Innendämmung / Denkmalschutz

Innendämmung kann sinnvoll sein, wenn die Fassade nicht verändert werden darf oder du nur einzelne Räume verbessern willst. Gleichzeitig ist sie feuchtesensibler, weil die Aussenwand kälter wird. Hier sind Planung (Feuchtenachweis), luftdichte Anschlüsse und die Wahl eines passenden Systems zentral. Holzfaser- oder andere kapillaraktive Innendämmsysteme können funktionieren – aber nur, wenn das Gesamtkonzept stimmt (Heizen, Lüften, Wärmebrücken, Anschlussdetails).

Kellerdecke & Sockel

Kellerdecken sind energetisch oft dankbar, aber die Umgebung ist kühler und feuchter. Für Sockel-/Perimeterbereiche gelten hohe Anforderungen an Feuchtebeständigkeit und Druckfestigkeit; viele biogene Dämmstoffe sind dort nur in speziell geeigneten Systemen sinnvoll. Lass dir den Aufbau inklusive Feuchteschutz und Befestigung erklären, statt nur «Materialnamen» zu vergleichen.

Schimmel-Mythen: «Öko» ist nicht automatisch «schimmelsicher»

Schimmel braucht vor allem eins: lang anhaltende Feuchtigkeit. Der Dämmstoff allein ist selten der Auslöser. Häufiger sind Planungs- und Ausführungsfehler – und manchmal auch geändertes Wohnverhalten nach einer Sanierung (wärmer, dichter, weniger unbewusste Lüftung).

Die 5 häufigsten Fehler (und wie du sie vermeidest)

  1. Undichte Luftdichtheitsebene: Warm-feuchte Luft gelangt in kalte Schichten. Lösung: saubere Anschlüsse, Durchdringungen abdichten, Blower-Door-Test (wenn möglich) einplanen.
  2. Fehlende oder falsch platzierte Dampfbremse: Nicht jedes Bauteil braucht das Gleiche. Lösung: Systemaufbau planen lassen, bei Sanierungen feuchtevariable Bahnen nur dort einsetzen, wo sie im Gesamtsystem sinnvoll sind.
  3. Baustellenfeuchte unterschätzt: Frischer Estrich/Putze, nasses Holz, Witterung. Lösung: Trocknungszeiten respektieren, Baufeuchte messen/abschätzen lassen, erst schliessen wenn trocken genug.
  4. Wärmebrücken und kalte Ecken: Schimmel entsteht oft an den kältesten Oberflächen, nicht «im Dämmstoff». Lösung: Anschlüsse (Deckenränder, Fensterlaibungen) mitplanen, nicht nur die Fläche dämmen.
  5. Lüftung/Heizung nicht angepasst: Nach einer Sanierung ist das Haus oft dichter. Lösung: regelmässig lüften (oder Lüftungslösung prüfen), Feuchte im Blick behalten, besonders bei Wäsche trocknen und vielen Personen im Haushalt.

Mythenbox: Öko ≠ schimmelsicher

Ein Naturdämmstoff kann Feuchte puffern und kurzfristige Schwankungen besser «verzeihen». Aber wenn Feuchtigkeit regelmässig oder dauerhaft in einen Bauteilaufbau gelangt, kann jedes Material Probleme bekommen. Die wichtigste Prävention ist fast immer: luftdicht, winddicht, konstruktiv trocken.

Kosten, Ökobilanz & Offertenfragen

Kostenrahmen + wichtigste Kostentreiber

Die Materialpreise allein sagen wenig aus: Bei Dämmungen bestimmen oft Arbeitsaufwand, Detailanschlüsse, Gerüst, Rückbau und die Bauteilkomplexität den Gesamtpreis. Einblasdämmungen (z.B. Zellulose) sind bei grossen, gut vorbereiteten Flächen häufig sehr wirtschaftlich. Plattenlösungen (z.B. Holzfaser) können teurer sein, bringen aber Vorteile bei Hitzeschutz, Robustheit und Systemaufbauten (je nach Projekt).

Als grobe Orientierung (ohne Gewähr, stark projektabhängig): Rechne bei Offerten damit, dass sich Unterschiede weniger durch «ein paar Franken pro m² Dämmstoff» ergeben, sondern durch Aufbau, Dicke, Schichtpaket, Brandschutzdetails, Fensteranschlüsse und die Frage, ob du innen oder aussen sanierst.

In der Schweiz gibt es Anbieter organischer Dämmstoffe, die mit Recycling- oder Naturrohstoffen arbeiten. Dazu zählen etwa die Dämmplatten von fiwo, die mitunter aus recycelter Schafwolle hergestellt werden. Hierfür liegen die Kosten je nach Dicke der Dämmplatten pro Quadratmeter zwischen 8,60 und 41,80 Schweizer Franken. Der Hersteller Isofloc setzt für die Einblasdämmung auf Zelluloseflocken aus recyceltem Zeitungspapier. Hier zahlst du für einen Standard-Sack à 12,5 Kilogramm 21 Schweizer Franken.

Ökobilanz & Gesundheit: worauf Familien besonders achten können

Wenn dir Wohngesundheit wichtig ist (z.B. für Babys, Kinder mit Allergien oder einfach für ein gutes Raumklima), lohnt sich ein Blick auf:

  • Graue Energie und Umweltdeklarationen: Frage nach EPD/Umweltproduktdeklarationen oder vergleichbaren Nachweisen für den konkreten Dämmstoff und den Aufbau.
  • Emissionen in Innenräumen: Lass dir Produktnachweise geben, die niedrige VOC-Emissionen belegen. Entscheidend ist auch, welche Kleber, Dichtstoffe und Bekleidungen im System verwendet werden.
  • Staub und Arbeitsschutz bei der Montage: Beim Einblasen oder Zuschneiden entstehen Stäube. Eine seriöse Fachfirma plant Absaugung/Schutz und hinterlässt die Baustelle so, dass Kinder nicht unnötig belastet werden.
  • Rückbau, Recycling, Entsorgung: Frage, ob und wie der Aufbau später getrennt rückgebaut werden kann (z.B. sortenrein), und was das im Lebenszyklus bedeutet.

Schweizer Praxis: Einblasdämmung vs. Matten/Platten

Einblasdämmung ist stark, wenn Hohlräume vorhanden sind, wenn die Geometrie unregelmässig ist und wenn du Wert auf fugenfreie Füllung legst. Matten/Platten sind stark, wenn du gut zugängliche Flächen hast, wenn du druckfeste Schichten brauchst oder wenn der Aufbau (z.B. Aufdachdämmung, Fassadenplatte) ein Plattenprodukt voraussetzt.

Für deine Offerte bedeutet das: Vergleiche nicht nur «Material A vs. Material B», sondern System und Ausführung. Zwei Offerten mit dem «gleichen Dämmstoff» können sehr unterschiedlich gut sein, wenn Einbaudichte, Luftdichtheit, Winddichtung und Detailausbildung abweichen.

Checkliste: 8 Fragen an die Fachfirma

  1. Welcher Bauteilaufbau ist vorgesehen (Schichten, Dicke, Bekleidungen) – und warum?
  2. Wie wird Luftdichtheit hergestellt (Anschlüsse, Durchdringungen) und wie wird sie kontrolliert?
  3. Welche Winddichtung ist geplant (besonders bei Dach/Fassade) und wie werden Anschlüsse ausgeführt?
  4. Bei Einblasdämmung: Welche Einbaudichte wird garantiert und wie wird sie dokumentiert?
  5. Wie wird mit Baustellenfeuchte umgegangen (Trocknung, Bauablauf, Schliessen von Konstruktionen)?
  6. Welche Brandschutzanforderungen gelten für mein Gebäude, und welche Nachweise gibt es für den Systemaufbau?
  7. Welche Emissions- und Umwelt-Nachweise (z.B. EPD, VOC) liefert ihr für Dämmstoff und verwendete Kleber/Dichtstoffe?
  8. Wie sieht Rückbau/Entsorgung am Lebensende aus – und kann der Aufbau getrennt werden?

FAQ

Kann Zellulose schimmeln?

Zellulose kann – wie andere Dämmstoffe auch – Probleme bekommen, wenn sie über längere Zeit feucht bleibt. In der Praxis ist Schimmel aber meist ein Zeichen für Feuchteeintrag durch Undichtheiten, Baufeuchte oder Leckagen. Wenn Luftdichtheit, Winddichtung und Einbaudichte stimmen und der Aufbau konstruktiv trocken bleibt, ist Zellulose in vielen Bauteilen sehr zuverlässig.

Ist Holzfaser brandsicher?

Holzfaser ist brennbar – entscheidend ist daher der geprüfte Systemaufbau: Bekleidungen, Schichten, Details und Abschottungen müssen so geplant sein, dass die Anforderungen im konkreten Gebäude erfüllt werden. Frag die Fachfirma nach dem Brandverhalten des Gesamtsystems und den passenden Nachweisen für deinen Aufbau.

Welche Dämmung ist am besten gegen Hitze im Sommer?

Gegen sommerliche Hitze hilft ein Gesamtkonzept: Sonnenschutz (aussen), Nachtlüftung und ein Dachaufbau mit guter Hitzedämpfung. Holzfaser wird häufig gewählt, weil viele Produkte durch Rohdichte und Wärmespeicherung im Dach sehr gute Ergebnisse bringen. Aber auch Zellulose und Hanf können gut funktionieren, wenn der Aufbau dick genug ist und die Details stimmen.

Verwendete Fachquellen

  • Bundesamt für Energie (BFE), 2024, «Gebäudehülle dämmen: Grundlagen zu Wärmeschutz, Feuchteschutz und Ausführung».
  • Empa – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, 2024, «Feuchteschutz und Schimmelprävention in Bauteilen: Ursachen, Planung und Ausführung».
  • SIA – Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, 2024, «SIA 180: Wärmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Gebäuden (aktuelle Ausgabe)».

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