Smart Metering: Das Stromnetz wird intelligent

«Smart Meter», der intelligente Stromzähler, macht dem Verbraucher seinen Stromverbrauch bewusst. So kann er nicht nur einen ökologischen Beitrag leisten, sondern auch ökonomisch profitieren. Die Schweiz hinkt im Vergleich zu anderen Ländern aber noch hinterher.

Ein Smart Meter misst intelligent den Strom und kann helfen Energie-Kosten zu sparen.
Ein Smart Meter misst den Strom und kann helfen, Energie-Kosten zu sparen. Foto: © darak77 / iStock / Thinkstock
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Wer weiss schon genau, wieviel Strom er am Tag oder explizit sein Wasserkocher für eine Tasse Tee verbraucht? Diese Unwissenheit soll bald ein Ende haben. Und das, weil die steigende Nachfrage und nicht konstant in gleichen Mengen zur Verfügung stehenden alternative Energien die Infrastruktur vor neue Herausforderungen stellen. Ein Schlüsselbegriff ist hier «Smart Grid», intelligente oder mitdenkende Elektrizitätsnetze. Wobei schon seit einigen Jahren vor allem «Smart Meter» zum Schlagwort wurde. Gemeint sind damit elektronische Stromzähler, die den Stromkonsum beim Endkunden erfassen und die so gewonnenen Daten an den Stromversorger weiterleiten.

Intelligenter Zähler spart Strom

Die Vorteile für die Stromanbieter liegen auf der Hand - sie sparen unter anderem Lohnkosten und aufwendige Administration. So würde das Ablesen des Zählers durch einen Elektrizitätswerk-Angestellten wegfallen. Smart Meter ermöglichen aber auch eine bessere Verteilung der Lasten im Netz. Und auch für den Endkunden ist Smart Metering interessant, da er bessere und detailliertere Angaben über seinen Stromkonsum erhält, monatlich, wöchentlich, täglich oder sogar in Echtzeit. Er wird von seinem Zähler über den jeweiligen Strompreis informiert, der je nach Tageszeit und Nachfrage dynamisch variieren kann. Der intelligente Zähler motiviert den Verbraucher also, mit einem bewussteren Verhalten Geld und Energie zu sparen. So ist deutlich, wie viel Strom Ladegeräte oder Computer im Stand-by-Modus verbrauchen oder wie viel Geld sich mit Energiesparlampen zurücklegen lässt. Der Verbraucher kann das Sparen aber auch dem intelligenten Stromnetz überlassen. Es lassen sich Geräte in diesem System so programmieren, dass sie sich erst einschalten, wenn Strom im Überfluss vorhanden und der Marktpreis tief ist. Gibt es beispielsweise in einer stürmischen Nacht einen Überschuss an Windenergie, schalten sich Geräte wie die Spülmaschine vollautomatisch ein und nutzen den Billigstrom.

Hinsichtlich des intelligenten Netzes liegt die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern aber noch weit zurück. Die EU will bis 2020 80 Prozent aller Haushalte mit intelligenten Zählern ausstatten und in Deutschland sind Smart Meter bei Neubauten bereits seit Januar 2010 Pflicht. Hierzulande kommen sie erst in rund 15 Pilotprojekten zum Einsatz, so haben zum Beispiel die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich in Dietikon etwa tausend Smart-Meter-Pakete von Landis + Gyr installiert. Der im Schweizer Zug ansässige Konzern ist globaler Marktführer im Bereich Smart Metering.

Weshalb Smart Meter in der Schweiz trotz der bestehenden, technischen Voraussetzungen bis jetzt nur wenig Verbreitung gefunden haben, zeigt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Sie kam zum Schluss, dass der Hauptgrund dafür Befürchtungen seitens der Energieversorger sind, die nötigen Investitionen «nicht durch zusätzliche Erträge kompensieren» zu können. Und was an Energie-Einsparungen überhaupt möglich wäre, hat im Auftrag des Bundes die Studie «Smart Metering Schweiz» untersucht und fand heraus, dass das Einsparpotential der Haushalte bei fünf Prozent liege. Peter Kieffer, Schweiz-Leiter von Landis+Gyr ist sich sicher, dass die Privathaushalte nicht nur ein Tropfen auf dem heissen Stein sind: «Sie verbrauchen durchschnittlich 17 Terrawattstunden im Jahr - wenn nur durch intelligente Stromzähler fünf bis zehn Prozent gespart werden, dann sind das 1 bis 1,5 Terrawattstunden. Das ist vergleichbar mit dem Energieverbrauch der Stadt Basel.»

Text: Alexa Scherrer