Hühner halten im eigenen Garten: So geht's

Hühner halten im Garten ist in der Schweiz wieder angesagt. Was Gartenfans wissen müssen, wenn sie Hühner halten, plus Tipps zu Hühnerstall, Futter und alten Schweizer Rassen.

Hühner halten im Garten: Tipps und To Dos in der Schweiz
Wer im Garten Hühner halten möchte, kann, muss aber nicht zwingend einen Hahn im Korb haben. Die Hennen legen auch Eier, wenn kein Hahn in der Gruppe ist. Foto: © georgeclerk/ iStock / Getty Images Plus
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Hühner sind absolut soziale Tiere, wollen in der Gemeinschaft leben, scharren, picken, sandbaden und auf erhöhten Plätzen schlafen. Zwei bis vier Tiere sind für eine vierköpfige Familie optimal und bekommen viele Besitzer in einem normalen Garten unter.

Wer in der Schweiz Hühner halten möchte, muss laut Schweizer Tierschutzverordnung keine Halterprüfung ablegen. Nur wer beispielsweise mehr als 150 Legehennen hält, muss diese Prüfung ablegen oder gelernter Landwirt sein.

Hühner im Garten: Anmeldung ist obligatorisch

Wenn Sie Hühner halten, dann muss dies bei der kantonalen Koordinationsstelle gemeldet werden. Ziele dieser seit dem Jahr 2010 geltenden Vorschrift für Hobbyzüchter sind:

  • Überwachung der Tiergesundheit
  • Für den Fall der Fälle die Bekämpfung von Tierseuchen gut zu organisieren
  • Rückverfolgbarkeit tierischer Lebensmittel

Mehr Informationen zur Registrierung und Beratung unter agate.ch.

Hühner artgerecht im Garten halten

Wer im Garten Hühner hält, sollte den Tieren ein grosses Gehege und viel Auslauf bieten.

Wer im Garten Hühner hält, sollte den Tieren ein grosses Gehege und viel Auslauf bieten. Foto: © JasonJiron/ iStock / Getty Images Plus

In der Bio-Hühnerhaltung sind in der Schweiz 5 m² als Auslauf vorgeschrieben. Dieses Grössenmass für das Hühnergehege sollten Sie mindestens einhalten. Gerne auch mehr. Mehr, da der Auslauf dann nicht gleich völlig von jeglichem Grün befreit ist und Ihre Hühner ein schöneres Leben haben.

Ernst Fröhlich, Geflügelspezialist beim Bundesamt für Veterinärwesen, empfiehlt daher im Interview mit dem SRF, dass jedes Tier einen Auslauf von 10 m² haben sollte. Da sie sich gerne verstecken, sind ein paar Sträucher und auch schattenspendende Bäume ideal, wenn Sie Hühner halten möchten.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt zudem einen überdachten Wintergarten. Dann können sich die Tiere auch bei schlechtem Wetter im Aussenbereich aufhalten. Gleichzeitig dient die Überdachung als Schutz bei Vogelgrippe-Gefahr.

Das Hühnergehege sollte zudem nicht mehr als 12 Prozent Neigung aufweisen und ausreichend gesichert sein.

Mit oder ohne Hahn?

Hennen legen auch ohne Güggel Eier. Diese sind dann für eine mögliche Nachzucht nicht befruchtet. Allerdings ist in grösseren Gruppen der Herr auch Streitschlichter im Haus und sorgt für mehr Ruhe unter den Tieren. Bei kleineren Gruppen könnte der Hahn aber auch zum Tyrannen werden.

Hühnerstall: Was das optimale Haus braucht

Was der optimale Hühnerstall braucht und wie gross er sein sollte

Nicht nur vor dem Hühnerstall sondern auch drin brauchen die Tiere Bewegungsfreiheit. Foto: © georgeclerk/E+

Als Faustregel für die Grösse des Hühnerstalls gilt: Für je zwei Hühner sollten Sie 4 m² Stall mit all den genannten Annehmlichkeiten anbieten. Wenn der Auslauf besonders grosszügig ist, dann geht es wohl auch etwas kleiner. Die Grösse des Hühnerstalls kann auch entsprechend der Rasse leicht variieren.

Der Hühnerstall ist für die Tiere genauso wichtig, wie ausreichend Auslauf. Wer Hühner in der Schweiz halten möchte, muss ihnen einen Stall mit Sitzstangen bieten. Diese sollten mindestens 50 Zentimeter über dem Boden angebracht sein und mindestens ebenso viel Kopffreiheit bieten, wie das BLV  informiert. So können sie im Hühnerstall einerseits ihrem Flugtrieb folgen, andererseits wird ihr natürliches Verhalten, die Freizeit und Nacht gerne auf Ästen in Bäumen zu verbringen, nachgeahmt. Für Zwergrassen sind bei beiden Massen 40 Zentimeter ausreichend. Auf der Stange im Hühnerstall sollte jedes Tier 30 Zentimeter erhalten.

Unter der Sitzstange im Hühnerstall muss ein Kotbrett oder eine Kotgrube vorhanden sein. Das Kotbrett sollte alle 2 bis 3 Tage gereinigt werden. Auch die Grube Bedarf der regelmässig Leerung.

Nachhaltigkeitstipp: Abgelagerter (wichtig!) Hühnermist ist ein guter Naturdünger für die Blumenbeete und kann frisch auch kompostiert werden. Während Gemüse im Beet sitzt, sollte niemals direkt abgelagerter Hühnermist oder Kompost mit diesem Inhalt eingearbeitet werden. Dies geschieht erst nach dem Abernten der Beete. Der Grund: Mögliche, wenn auch geringe Belastung mit Salmonellen und Campylobacter.

Ein Mal im Monat muss der komplette Hühnerstall gereinigt werden, gegebenenfalls ist auch eine Desinfektion nötig.

Im Hühnerstall muss Platz zum Bewegen vorhanden sein, für abgedunkelte Legenester – auch gerne erhöht – und für ein Sand- oder Staubbad, das die Hennen gerne für die Gefiederpflege nutzen. Zudem muss ausreichend Platz für Einstreu wie Bio-Rindenmulch vorhanden sein, in dem sie scharren können, und selbstredend genügend Raum für Futterplatz und Tränke.

Weiter darf der Hühnerstall nicht zugig sein, Stichwort Krankheitsanfällligkeit. Der Stall muss absolut dicht vor Regen sein, Tageslicht über Fenster liefern, sollte vor Kälte schützen (Thermoelemente sind empfehlenswert), gut belüftbar und für die Nacht verschliessbar sein.

Die Temperaturen im Stall sollten nicht unter 10 Grad fallen, rät das BLV.

Zwerghühner und Wachteln 

Zwerghühner wie die hübschen Zwerg-Wyandotten und Wachteln kommen mit deutlich geringeren Platzverhältnissen aus. So reicht es einer Gruppe aus 4, 5 Zwerghühnern durchaus aus, wenn sie einen 4 m² grossen Stall und etwa 30 m² Auslauf haben. Bei Wachteln darf es auch etwas weniger sein.

Gut genährt: Was fressen Hühner?

Wassertränke und -angebot

Frisches Wasser ist sehr wichtig. Es sollte sowohl im Hühnerstall als auch im Aussenbereich stets Wasser vorhanden sein. Am besten wird es in einer handelsüblichen Rinnen- oder Cuptränke angeboten, wobei die im Aussenbereich geschützt aufgestellt sein sollte und jene im Innenbereich idealerweise erhöht steht oder in huhngerechter Höhe aufgehängt ist, damit die Hennen kein Einstreu oder Kot hineinscharren können.

Bei 10 Hühnern gilt laut Faustregel: Mindestens zwei Liter Frischwasser sind pro Tag nötig. Dieses sollte täglich ausgewechselt und die Tränke regelmässig gereinigt werden, sodass es nicht zu Verunreinigungen und Keimbildung kommt.

«Müesli» und Grünes

Das Futter für die Hühner sollte immer auch Grit enthalten. Diese Frau füttert Hühner mit Körnern

Hühner fressen auch feingehackte Rüebli und gekochten Reis. Foto: © ebstock/ iStock / Getty Images Plus

Beim Futter für Ihre Hühner müsssen Sie sich entscheiden: Entweder Alleinfutter auf Basis einer Getreidemischung oder Ergänzungsfutter. Beides sollten spezielle Mischungen für Hühner sein. Bei Letzterem wird zudem sogenanntes Rau-, Saft- und Grünfutter zugefüttert, sofern nicht im Garten frei verfügbar.

Wildkräuter wie Löwenzahn, Klee und Vogelmiere gehören hier beispielsweise zu ihrem Lieblingsfutter. In Sachen Grünfutter kann das natürliche Angebot insbesondere bei grösseren Herden oder im kleineren Garten sowie im Winter aber schnell ziemlich mager werden. Dann, oder einfach zusätzlich zum natürlichen Futter, sind zahlreiche Grünabfälle aus der Küche und dem Gemüsebeet willkommen. Dies reicht von Rosenkohl- über Grünkohl- oder Rübenblättern, Lauch- oder Kabis- bis zu Salatblättern.

Der Gesundheit der Hühner kommt es zudem zugute, wenn sie feingehackte Rüebli bekommen. Und ab und an ungewürzten, gekochten Reis oder gegarte Kartoffeln mögen Hühner auch.

Grünfutter und Körnerfutter sollten wiederum nicht direkt am Boden gereicht werden und im Innenbereich wie auch aussen möglichst unter einem Wetterschutz serviert werden. Hier gibt es spezielle Tröge, die ebenfalls regelmässig gereinigt gehören.

Tipp: Man kann das Körnerfutter auch wie zu Grosis Zeiten auf den Boden des Geheges streuen. Dann allerdings bitte nur so viel wie die Hühner auch tatsächlich am Tag fressen. Alles andere lockt Mäuse und Co. an.

Für eine gute Verdauung benötigen Hühner zudem Grit. Das sind kleine scharfkantige Steinchen, die sie aufnehmen und für die Verdauung essentiell sind.

Alles gerichtet: Und wie viele Eier gibt das jetzt?

Alles ist soweit eingerichtet und es ist an der Zeit, sich die richtigen Hühner in der ausreichenden Zahl zu kaufen. Doch, wie viele Eier legt denn so ein Huhn überhaupt? Schliesslich will man das ja in etwa abschätzen können.

Unterschiedlich: Zum einen hängt dies von der Hühnerrasse ab, vom Alter des Tiers, aber auch die Jahreszeiten beeinflussen die Zahl der gelegten Eier. Denn, wenn die Tiere in der kalten Jahreszeit weniger Licht bekomen, geht auch die Legeleistung zurück.

Man kann hier mit einer Beleuchtung nachhelfen – dann bitte mit Zeitschaltuhr und nicht länger als 14 Stunden –, wer seine Hühner natürlich halten möchte, verzichtet aber hierauf. Und dann kommt noch die eifreie Mauserzeit.

Generell gilt, dass Hühner in der Haushaltung weniger legen, als beispielsweise Zuchthennen. Werden die Hühner älter, lässt die Leistung nach und die Eiermenge wird weniger und das Legen unregelmässiger. Pro Huhn können Sie aber letztlich mit so etwa 140 bis170 Eiern in einem durchschnittlichen Jahr rechnen.

Zuverlässige alte Schweizer Hühnerrassen

Wenn Sie sich Hühner kaufen möchten, dann können Sie in der Schweiz aus etwa 150 verschiedenen Rassen wählen. Verlässlich in der Legeleistung, robust, gesund und dabei auch noch hübsch anzuschauen, sind die verbliebenen drei alten Schweizer Hühnerrassen:

  • Das temperamentvolle Appenzeller Barthuhn
  • Das schick frisierte Appenzeller Spitzhaubenhuhn
  • Das hübsche, weisse Schweizerhuhn  («ProSpecieRara» betreibt in Basel für diese Rasse eine Aufzuchtstation.)

Diese drei Rassen sind nicht nur für Anfänger eine gute Wahl für die Hühnerhaltung im Garten.

Gerade das Schweizerhuhn gilt als Selbstversorgerhuhn, da es auch ein prima Fleisch bietet. Die drei Rassen werden unter anderem über die Seite Tierische Raritäten vermittelt.

Zudem finden Sie ausführliche Rasseporträts der drei Arten beim Züchterverein für ursprüngliches Nutzgeflügel sowie regionale Ansprechpartner, die Ihnen in allen Fragen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.