Einmalige Gletschergärten: Wo Wasser bizarre Formen erschuf

Vor tausenden von Jahren waren die Gletschergärten unter einer dicken Schicht aus Eis verborgen. Heute zeigen sie eindrücklich wie einst die Kraft von Gletschern die Landschaft formte.

Gletschergarten in Luzern, Zermatt oder Cavaglia entdecken
Foto: © SilvanBachmann / iStock / Thinkstock
  • 6

Gletschergarten Luzern: Zeuge längst vergangener Zeiten

Mit seinen versteinerten Palmblättern, Muscheln und gigantischen Löchern inmitten von Felsen gibt der Gletschergarten in Luzern  ein eindrückliches Zeugnis längst vergangener Zeiten. Die Versteinerungen weisen auf eine Heisszeit hin, zu der es in der Zentralschweiz recht tropisches Klima gab.

Die so genannten Gletschertöpfe oder kugelrunden Findlinge dagegen sind eindrucksvolle Zeichen der Eiszeit vor rund 20'000 Jahren. Damals entstand eine bizarre Felsformation, die heute unter nationalem Schutz steht. Rillen im massiven Gestein, geschaffen durch vom Gletscher bewegten Fels, zeigen im Gletschergarten Luzern die Kraft des Eises, die Gletschertöpfe jene des damaligen Schmelzwassers. Dieses floss mit unbändiger Kraft unter dem Gletscher hindurch, einer Kraft, die so unglaublich war, dass sie mitunter in nur einem Sommer metergrosse Löcher in das Gestein gefräst hat.

Bild: 1 von 6

Auf den Spuren der Eiszeit im Gletschergarten Luzern

Der Gletschergarten Luzern wurde 1872 entdeckt und bereits 1873 für Besucher öffentlich zugänglich gemacht. Unter dem Gletscher verbargen sich auch versteinerte Muscheln und Palmblätter, die von einem früheren subtropischen Meeresstrand in der Region zeugen. Ausführliche Informationen über die Eiszeit in der Region und das Leben der Menschen damals bietet das Glacier Museum direkt beim Gletschergarten Luzern. Foto: © Gletschergarten Luzern

Weitere Bilder anschauen

Gletschergarten Zermatt: Unbändige Kräfte des Görnergletschers bewundern

Auf über 2'000 Metern Höhe, oberhalb von Furi und nur 30 Minuten von der Bergstation entfernt, liegt der Zermatter Gletschergarten Dossen. Hier heisst es auf Entdeckungsreise zu gehen und entlang eines gesicherten Rundwegs mit den dortigen Gletschertöpfen steinerne Zeitzeugen der einstigen Urgewalt des Görnergletschers zu erleben. Hier hat die Kraft des Wassers Töpfe ausgehöhlt, in denen es einst heftig gebrodelt haben muss. Denn Experten schätzen, dass das Gletscherwasser mit gewaltigen 200 Kilometern die Stunde die Gebilde aus Stein geformt haben soll. Nicht minder spektakulär auf diesem Rundweg ist die 90 Meter hohe und 100 Meter lange Hängebrücke.

Neben dem Gletschergarten in Zermatt gilt es in direkter Nachbarschaft die Überreste eines Steinbruchs zu bewundern. Gilt- oder Speckstein wurde hier einst gewonnen, der weiche Stein aus dem unsere Vorfahren ihr Geschirr fertigten und der die Basis kunstvoll gearbeiteter Holzöfen ist, wie man sie heute noch in so mancher Oberwalliser Stube finden kann. Wie der Giltstein verarbeitet wurde und das Endergebnis aussieht, zeigt eindrücklich das Matterhorn-Museum Zermatlantis. Ein Spielplatz mit Baumstammxylophon und eine Feuerstelle für entspanntes Grillieren runden das Angebot für Besucher im Gletschergarten Zermatt ab.

Die Macht des Gletschers in Cavaglia erleben

Die ganze Hochebene von Cavaglia im Engadiner Puschlav ist eine einmaliger Gletschergarten. Hier sollen ehemals rotierende Steine die grossen Gletschertöpfe einem Bohrer gleich in die Landschaft gebohrt haben. Das Ergebnis: Riesige, bis zu zehn Meter tiefe, mit Wasser gefüllte Löcher.

Der einzigartige Gletschergarten «Marmitte dei Giganti» ist per kurzem Fussmarsch von Cavaglia aus zu erreichen. Tipp: Von Juli bis Oktober finden jeden Dienstagnachmittag um 14 Uhr und direkt ab der nahegelegenen Bahnstation geführte Touren statt, bei denen der Gletschergarten, seine Entstehung und seine geschichtliche Bedeutung eindrucksvoll erklärt werden. Kosten: sieben Franken für Erwachsene, fünf für Kinder.

Bestens lässt sich dieser Gletschergarten mit zahlreichen Freiluftaktivitäten zu jeder Jahreszeit verbinden. Von Wanderungen und Biketouren im Sommer bis hin zu Skiwanderungen, Schneeschuhwandern oder Kletterpartien mitten im Eis.

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann