Eins mit Flora und Fauna: Wandern im Schweizer Nationalpark

Der Nationalpark Schweiz bietet einmalige Naturerlebnisse. Besonders auf einer der zahlreichen Wanderrouten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden kann man die heimische Tier- und Pflanzenwelt erleben. Das geht alleine oder auch in geführten Gruppen.

Nationalpark Schweiz: Wandern auf 21 spektakulären Routen
Foto: © swiss-image.ch / Hans Lozza
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Vier Männer fürchteten Anfang des 20. Jahrhunderts, dass der Mensch viel zu sehr in die natürlichen Kreisläufe eingreifen und die Bergwelt zu stark erschlossen würde. Fritz und Paul Sarasin, Carl Schröter sowie der Engadiner Steivan Brunies wurden deshalb zu ökologischen Vorreitern, die es sich zum Ziel setzten, ein Stück unberührte Natur in der Schweiz zu erhalten.

Sie gründeten erfolgreich den Nationalpark Schweiz, einer der ersten auf der Welt, der erste in den Alpen überhaupt, der kürzlich seinen hundertsten Geburtstag feierte. Und heute? Nach stetigem Wachstum der Fläche erwartet den naturinteressierten Besucher eine einmalige Landschaft, in der es Vieles zu entdecken gilt. Besonders gut geht das beim Wandern im Nationalpark, auf insgesamt 21 Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden, auf denen man mit etwas Geduld auch zahlreiche Tiere beobachten kann.

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Wildes Val Cluozza: Die Anfänge des Nationalpark Schweiz

Mit einer Gesamtfläche von 170,3 km2 erstreckt sich der Nationalpark Schweiz im Kanton Graubünden. Durch weite Teile des Parks führen Wanderwege, die alleine und unter Führung bewältigt werden können. Es gibt reichlich Rastplätze an denen man eine Pause machen kann, um die Landschaft zu geniessen.

Die Val Cluozza ist das wildeste der begehbaren Täler im Nationalpark Schweiz. Hier wurde 1914 der erste Nationalpark der Alpen offiziell gegründet und das Gebiet mit der Zeit immer weiter ausgedehnt. Die Pachtgemeinden des Nationalparks Schweiz sind heute Zernez, S-chanf, Scuol, Val Müstair und Lavin. Von diesen Ortschaften aus hat man auch einen günstigen Zugang zum Park. Im Sommer, von Juni bis Ende Oktober, ist der Nationalpark täglich von 8.30 - 18 Uhr geöffnet. Im Winter sind diese Öffnungszeiten eingeschränkt. Foto: © swiss-image.ch / Hans Lozza

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80 Kilometer Wanderwege im Schweizer Nationalpark

Auf insgesamt 80 Kilometern und 21 Routen können Wanderer den Nationalpark Schweiz zu Fuss erkunden. Die Wanderrouten sind in leichte, mittelschwere und schwere Routen aufgeteilt. Das Spektrum reicht von etwa zweistündigen Rundwegen mit wenigen Höhenmetern für die ganze Familie, bis hin zu teils alpinen Touren, bei denen es mehr als acht Stunden über Stock und Stein geht und über 1'000 Höhenmeter überwunden werden.

Ein Beispiel für eine kurze Wanderroute durch den Nationalpark Schweiz ist der Champlönch-Grimmel-Rundweg, der ideal für Familien geeignet ist. Gute zwei Stunden sind hier die Wanderer unterwegs, es gibt nur wenig Steigungen und mit etwas Glück kann man sogar Murmeltiere auf der Alp Grimmels beobachten. Dazu bietet die Route eine einmalige Aussicht ins Fuorngebiet. Praktisch ist, dass Start- und Endpunkt mit dem Postauto erreichbar sind.

Anstrengender und länger, sowie zu grossen Teilen alpin, wird es auf der Piz Quattervals-Tour durch den Nationalpark Schweiz, die nur für sehr erfahrene Wanderer angeraten wird. Hier geht es auf den einzigen Berg, neben dem Munt la Schera, der im Schweizer Nationalpark von Privatpersonen bestiegen werden darf.

Der Tourengeher muss auf dieser Route mit fünf Stunden Aufstieg auf der weiss-blau-weissen Route rechnen. Eine fantastische Aussicht und ein einmaliges Naturerlebnis sind hierfür der Lohn. Da sich der Weg ab 2'600 Metern im Schutt verliert, bei schneebedeckter Flanke mit Lawinen und möglichem Steinschlag gerechnet werden muss, ist Erfahrung und beste Ausrüstung Pflicht. Lässt es das Wetter aber so gar nicht zu, wird diese, wie so manch andere Wanderroute durch den Nationalpark-Schweiz, von den Verantwortlichen gesperrt.

Alleine, in der Gruppe, für Gross und Klein

Jeder kann sich zwar alleine auf einer der schönen Wanderrouten das Naturerlebnis gönnen, doch es werden auch regelmässige Touren angeboten. Wohl eine der erlebnisreichsten ist eine Tour zwischen Mitte September und Anfang Oktober, zur Zeit der Hirschbrunft, in die Hirscharena Val Trupchun. Zudem sind privat geführte Touren im Angebot und auch für Kinder gibt es so einiges zu erleben.

Tipps rund um das Wandern im Schweizer Nationalpark

Der Schweizerische Nationalpark ist ein Gebirgspark mit Höhenlagen von 1'400 und 3'200 m über dem Meeresspiegel. Zahlreiche Touren durch den Nationalpark der Schweiz überwinden grössere Höhendifferenzen, führen teilweise bis jenseits der Waldgrenze. Festes Schuhwerk, die passende Kleidung für mögliche, plötzliche Wetterumschwünge und ausreichend Verpflegung sind ein Muss bei einer Wandertour durch den Park.

Weitere Tipps:

  • Feuer sind auch im Schweizer Nationalpark ebenso tabu wie das Mitführen von Hunden.
  • Die Parkverwaltung rät, stets einen Feldstecher dabei zu haben, um für Tierbeobachtungen gerüstet zu sein. Diese können im Park gemietet werden.
  • Das neue, sehr moderne Besucherzentrum bietet zahlreiche Informationsmöglichkeiten und, neben den üblichen Wanderkarten- und -Führern einen 3 D-Bildschirm mit allen Routen und Informationen zu den Top 20-Tieren, die einem im Nationalpark der Schweiz erwarten können.
  • Für Rollstühle und Kinderwagen sind die Wanderwege des Schweizer Nationalparks leider nicht geeignet.

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann

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